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Der Orient · 1847-03-19 · 12 (19.3.1847) · p. Spalte 189-190

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
12 (19.3.1847)
Date
1847-03-19
Page
Spalte 189-190 (sequence 7)
Language
German
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190 189 Kritiken. M. B. Frredenchal's Schriften. einem solchen bisweilen, der Wahrheit nahe zu kommen, oder sie wohl gar zu erreichen, dies gesche aber höchst selten und auch dann nur z u fä ll Lg; denn der menschliche Verstand gelange zu seinen Erkenntnissen hauptsächlich durch die Sinne , und unter-diesen Erkenntnissen stehe die der fortwährenden Täuschung der Sinne obenan. Viele Jahrhunderte hindurch habe man sich, von den Sinnen irre geleilet, der falschen Meinung von dem Stillstände der Erde und der Bewegung der Sonne blindlings hingegeben, und der Verstand als eine ausgemachte Wahrheit hingenoinmen und erst den spätesten Denkern sei es nach.den mühsamsten Forschungen gelungen, sich dieser Täuschung zu entwinden und der Wahrheit Geltung zu verschaffen- Wie oft hatze nicht eine und'dieselbe Wirkung, völlig verschiedene Ursachen und umgekehrt, was unfehlbar zu Misgriffen, Fehlschlüssen und Irrthümern führen müsse, deren Berichtigung oft nicht in unfern Kräften stehe. Nicht minder" schwankend und unzuverlässig seien auch die Erkenntnisse des Innern Sinnes, da seit dem Sündenfall des ersten Menschen der Hang zur Sünde dem Menschengeschlechte zur zweiten Natur geworden; wolle daher jeder Mensch diesem Sinne sich blindlings überlassen und danach seine Lebensweise regeln, so würden nothwendig eben so verschiedene und einander entgegengesetzte Gesetzgebungen enstehen, als verschieden und entgegengesetzt die Neigungen und Triebe sind, von denen die Menschen sich in der 'Regel beherrschen lassen; es habe daher kein anderes Mittel gegeben, dem Menschen eine sichere Norm für sein sittliches Verhalten hieuieden an die Hand zu geben,^. als die O ffenb ar u n g, deren Vorschriften , Anordnungen and Lebensregeln, als von der AUweisheit selbst ausgehend, dem Menschen die sicherste Gewährleistung für die Richtigkeit des cinzuschlagenden Weges verleihe, und darauf besonders beziehen sich die Worte des göttlichen Gesetzgebers (Num'. 15, 39): auf daß Ihr der Gebote Gottes eingedenk seiet und sie ausübt, nicht aber euerm Triebe und euern. Augen folget, denen ihr buhlerisch, anhangt, so auch die treffliche Bemerkung des Talmud in Beziehung auf den. biblischen Ausdruck (Deut. 11, 21) „G.ott anzu ha ngen" auf welche Weise kann man Gott anhangen? dadurch, daß man seine Eigenschaft nachahmt, d. h. barmherzig, großmüthig, wohlwollend, wie. er 2Cist. 2t. 2C. ' . . 1)/Betrachtungen über die Weltordnung überhaupt und den Mikrokosmus oder die Welt im Kleinen. Hier wird zur Lösung eines der wichtigsten Probleme der menschlichen Vernunft nämlich über die menschliche Freiheit und der darauf basireuden Belohnung und Bestrafung folgendes, sinnreiche Gleichniß aufgestellt, das wir hier der Kürze wegen in seinen Hauptzügen wieder geben wollen. Wenn ein Fürst den Entschluß gefaßt.hat, für die Dauer ein öffentliches, dem. allgemeinen Nutzen zu widmendes Gebäude aufzusühren, so hat er zuvörderst darauf sein Augenmerk zu richten, daß er einen Baumeister anstelle, welcher unter den vorhandenen Baukünstlern sich als den sähigstest, erfahrensten und geschicktesten bewährt hat, Ein solcher wird nicht blos dahin streben , die äußern Formen des Gebäudes so gefällig als möglich darzustellen und die Vollendung dessellben möglichst zu beschleunigen, um je eher desto lieher zur materiellen Belohnung seiner Arbeit zu gelangen; sondern er wird vielmehr seinen höchsten Ruhm darein setzen, so wohl, dem Willen des Fürsten, als auch dem allgemeinen Nutzen des Staats auf das vollkommenste zu genügen, er wird daher neben dem äußern gefälligen Anfthen sein vorzügliches Augenmerk auf die innere Vollkommenheit seines Werkes richten und alle seine Kräfte anstrengen,-diesen uneigemrützigen, löblichen Zweck aufs beste zu erreichen, und der Erfolg dieses schönen Eifers von Seiten desKünstlers wird so> günstig ausfallen, daß nicht nur sein Werk den Beifall, feines Fürsten erhalten, sondern auch sein künstlerisches Talent felbst an Vollkommenheit wird gewonnen Haben, da auch der größte Künstler niemals den Letzten Grad von Frieden erreicht, sondern nur durch fortgesetzte künstlerische Lhätigkeit diesem Ziele immer näher kommt, ohne es je völlig zu erreichen. Ist aber auch der Plan des Künstlers noch so vortrefflich angelegt, sind dessen Anordnungen noch so gut getroffen, so wird er dennoch jenen nicht realisirerr, noch diese in Ausführung bringen können, ohne .sich einer hinreichenden Anzahl von Bau- , leuten zu bedienen, welche nach seiner Anleilrmg die aufgegebene Arbeit zu Tage fördernz diese Arbeiter nun werden nicht, wie der Baumeister, aus freiem Antriebe sich der Arbeit unterziehen, sondern entweder nach einem materiellen Ziele strebend, nur um des Lohnes willen sich dazu verstehen, oder durch äußern Zwäng dazu angetrieben werden müssen, es laßt sich daher mit großer Sicherheit annchmen, daß sie, würden sie der scharfen Aufsicht entbehren, sich selbst überlassen bleiben, anstatt nach dem Plan des Meisters sich genau zu richten und seinen höhern Ziveck zu fördern, lediglich ihren materiellen Nutzen ins Auge fassend, nur nach Erreichung desselben hinstreben und dem gemäß ihre Arbeit fertigen würden, und es würde alsdann der Erfolg kein anderer sein, als daß nicht, nur die Arbeit mehr oder minder unvollkommen ausfallen, sondern auch daß sie selbst an Mrvollkomnmng nichts gewonnen haben würden. Noch weniger würden die zur Arbeit Gezwungenen dahin streben, den Wünschen des Baumeisters zu genügen, sondern so oft sich die Gelegenheit darbieten wird, würden sie denselben entgegen arbeiten und ihre Lhätigkeit so unvollkommen als möglich z«r Anwendung bringen.- Endlich wird aber auch das erforderliche Material und die Lhiere, die es herbei schaffen sollen, in Erwägung gezogen werden müssen, und der Baukünstler wird dabei eine solche Wahl treffen müssen, die seinem vorgesteckten Ziele völlig entsprechen. Der geehrte Leser wird min ohne weitere Vorbereitung ermessen, daß dieses Gleichniß aas das Verhältuiß zwischen Galt, als Schöpfer, und der West, als Geschöpf, seine vollkommene Anwendung findet. Gott als Herr dieser Welt setzte den Menschen, als Baukünstler und Vervollkommner derselben ein, welcher nicht aus materiellen^ niedrigen Ingressen , sich dem. Bau unterziehen, sondern, vielmehr dahin

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