Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 12 (19.3.1847)
- Date
- 1847-03-19
- Page
- Spalte 181-182 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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181 Studien. Geschichte der jüd. Literatur in Babylonien. Kotonisirung des gefa,»unten nchardc'a'schen Gebietes durch die aus ihrer pal ästmischen Heimath deportirten edlen Judäer, von den Propheten, die dahin mit ihrer Gottesbegeisterung gekommen, von dem königlichen Sprößting aus David's Stamm , welcher dort aus gerettetem Material des Tempels die Synagoge zu Sch a fj a t i b, das im neharde*a'schen Gebiet liegt268 , aufgesührt, von der großen Heiligkeit dieser demselben die Stadt Hipparenum mit einer Kolonie von chaldä'ischen Astrologen gelegen; aber denselben Punkt nennt Ptolemäus (V. 18. Nesop. sit kol. 143) schon Nehard e"a (Naarda), wie auch die Peutmger'schen Tafeln diesen Naharra nennen, und wir ersehen,daraus, daß nicht nur die Formen Narrago, Naharra, Naarda und Neharve'a sich gegenseitig decken, sondern daß Hipparenum wahrscheinlich nur eine Uebersetzung der alten Form, und dieses als Stadtnahen nichts anders als die Stadt Neharde^a ist. Dieser Nehard^a-Kanal, welcher in der Khalifenperiode von seiuem Restaurator und Erweiterer Jsa ben Abdallah b. 2lbbas, dem Oheim Mansür's, der L sa - Kanal genannt wurde,, zweigt, nach Edrisi (Edrisi Geogr. edü Zaubert Vol. 11. p, 144) und Ab ulfeda (Abulf. Tab. ed. Wüstenfeld p. 65) bei A n b a r vom Eufrat ab , oder bei dem vom Anfangspunkt etwas entfernterem Dahama, gerade dem Orte Kufa gegenüber. Von da aus, wo er unter der Brücke Dahama's hervortritt, zieht er. gegen Bagdad, wohin er nach vielen absenkenden Seilenkanälen bei e t - M u h a w w u l (2 Ferseng von Bagdad) ankommt, und sich im Innern des westlichen Stadttheils von Bagdad an den Tigris ergießt. — Don diesem Kanal nun, wie es auch sonst ganz gewöhnlich ist, erhielt die Stadt Neharde'a, und dann diese ganze Gegend, ihren Namen, und daraus ist die Redeweise Binjamin's (Mast. 1. 53 ed. Asher) von Anbar zu erklären, das er Pum-Badita i n Neharde^a nenn f, was insofern richtig ist, als das Gebiet Neharde^a's. auch Pum-Badita ein- Mießt. Auch Josef, der Geschichtschreiber (Alte Geschichten 18, 9 und 18, 16) bezeichnet das Neharde^agebiet auf demjenigen Punkte, wo der Eufratiauf sich spaltet, d. h. wo der Neharde^a- oder Jsa-Kanal ans dem Eufrat tritt und sich von ihm abzweigt. Was nun die Lage der Stadt Neharde*a anlangt, sc beschreibt sie 2l bulfeda (!. c.) als in geringer Entfernung von Anbar, und zwar ebenfalls am Jsa-Kanal (Nehardüa) gelegen, mithin auch nicht-sonderlich entfernt vom Pum - Badita. Aber unter allen babylonischen Städten lag Neharde*a noch am höchsten, daher man ganz ungewöhnlich das Hinziehen mit slik bezeichnete (Chullin 56 a; Sed. Ha-Dor. 151 b), wie sie auch als Hafenstadt srl Sefar, "Erubin 45 a) näher angegeben wird; ebenso nannte man Neharde'a, in Bezug auf das über 20 Ferseng entfernte und tiefer gelegene So rcr, das ob ere Gebiet, u«d die Nehardäer die Obern (Ta'anit 10 a). Der Ausdrück Gebulin (Grenzen), womit man den Gegensatz zu Mkdasch (Heiligthum) bezeichnete, suchte man schon für Neharde^a zu vindiciren, wo die älteste Gemeinde wohnte, und die Sitte, den Hochpriester durch die Nacht des Sühnefestes wach zu erhalten, fand dort eine Nachahmung undDrsarttrng (Joma 19 b) und man sieht daraus, daß die Moralität dieser Gemeinde nicht groß gewesen sein kann. —' 268) Heber das Neharde^a-Gebiet' ist bereits in der vorhergehenden Anmerkung Einiges erwähnt; hier ist noch $ir gedenken, daß Hüzal, wonach sich .viele Lehrer benannten (^al. Josef Jsch Hüzal re.) und Schafjatib. rc. dahin ge- 182 Synagoge und der zu H ü z a l-, an die schon die Begründer der jüdischen Studien daselbst,'Nab und Samuel, geglaubt, von der berühmten Lehrschule (Bet - ha - Midrasch) endlich, welche der Schriftgelehrte "Esra unterhalb der Stadt Neharde'a und unweit Hüzal gegründet haben soll, 7— von allen diesen Einzelheiten berichten uns bereits die ältesten Quellen"^, und dazu gehört auch das höhere Alter der neharde'u'schen Hochschule unter allen Lehrinstituten der Juden Babyloniens. Aber ungeachtet des hohen Alters steht die Hochschule zu Nehardr*a doch bedeutend, so wohl in Bezug auf die Dauer der Wirksamkeit als auch in Hinsicht der Stärke und Energie der Thätigkeit der Lehrer, der soranischen nach, und es ist natürlich, daß sie in der Skizze über die Hochschulen, wo ohnehin nicht das Alter, sondern die sichtbar gewordene Thätigkeit in Betracht kommt, nur die zweite Stufe eilurehmen kann. Die erste« Spuren einer Wirksamkeit der neharde'a'schen Hochschule finden wir um 1^8 n. Chr., als gerade Rab Schela, Rektor (Resch Sidra) war und Rab ausPalästina hinkommt.27° Schela trägt um diese Zeit vermittelst eines Amora die Mischna mir seinen theils worterläuternden theils sachlichen Erklärungen vor, entscheidet bei vorkommenden Fällen nicht unbedingt nach der Mischna, sondern nach einer bereits vorhandenen Praxis, nach vorgängiger Abwägung des speziellen Umstandes27 J,;und ©timuel, der einige Jahre vor Rab aus Palästina hingekommen, lehrte bereits unabhängig daselbst. Zu Samuel kam nun auch bald Rab, als Amora des Rab Schela; denn.als. 188 Rab.nach Neharde'a, ungekannt von dem Rektor, aus Palästina gekommen und den zufällig fehlenden Amora ergänzend, -durch seine Erläuterung die Aufmerksamkeit erregte, wurde er nun der beständige Amora, nachdem er das Rektorat, .welches der Greis ihm abtreten wollte 272 , -ausgeschlagen. Während des hören. In der Nähe. Nehardüa's lag auch das Städtchm Ka fr i,. wo Chijja der Babylonier geboren und Rab Chasda gelebt, und wo zur Zeit Schela's und Samuel's der Gerichtshof war (Kidd. 44 b). Dann auch Schakanz-ib, welches wie Ardschir zu Sora in gleichem Berhaltniß zu Neharde^a gestanden (Joma 18 b), und wohin die Hochschule später verlegt wurde. — ' 269) Der Tülm u d nämlich und der M r d r a s ch und nach ihnen Scherira 1. e. — 270) Damals hieß die Hochschule noch.Sidra und dev Rektor wurde Resch Sidra genannt (Chullin 127b). Die Wirksamkeit bestand im Vortragen der Mischna und deren: Erläuterung, zu welchem der Rektor sich der Amor a's bediente (Joma 20 b). Neben dem Rektor lehrten oft nochandere bedeutende Lehrer, die gar nicht etwa untergeordnet waren und die sich sogar Herausnahmen, ihn in harter Weise zu Rede zu stellen oder gar, wenn er gegen die Tradition gehandelt und entschieden, m Bann zu thun (Jebamot 121a). So treffen wir den Zustand bei R. Schela. 271) Joma 20 b; Jebamor 121 a; Chullin 127 b. — 272) Joma l c. Die Bescheidenheit und Wahrheitsliebe dieses Mannes war in deü That groß und sticht zum Theil gegen die Voreiligkeit und Heftigkeit des jungen Rab, vom welcher uns berichtet wird (Jebam. 1. c.), ab. Ein Mann 12*