Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1847)
- Date
- 1847-03-19
- Page
- Seite 94 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2360092-2360472-2360485--5844-3533032- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
94 merksamkeit auf bat, Wiederaustriit königl. polnischer Juden aus dem österreichischen Gebiet eingeschärst. Papa, 1. März. Es hat sich-in. hiesiger Gemeinde in letzter Zeit', zumal seit Ankunft des Rabbiners, Herrn Leop. L ö w, dessen Persönlichkeit nicht genug zu schätzen tfi,’ ein altgemeinerer reger Wille, ent sichtlicheres Streben nach Gutem und Nützlichem, nach Hebung des bisher im Schutte gelegenen Geistigen, auf eine höchst erfreuliche Weise, wie noch nie, kund gegeben, und wahrlich ist dies die höchste Zeit. Rnhmenswerlswerth ist es besonders und tritt es darum auch in ein schöneres Licht, als sich beide sowohl, Wille als Kraft, auch aus die jugendlichen israelitischen Fremden hiesigen Ortes erstreckt. So trat Neujahr durch 25 ihrer Zahl, aus Lehrern, Studenten, Bachurim und Handlungsbeflissenen bestehend, ein Z eitu n g sl ese- Verein ins Leben, der nicht allein zum Zwecke hat, Wissenschaftliches und Weltereignisse aus den Journalen zu schöpfen, sondern auch eine, wenn schon nicht völlige, doch theilweise Vereinigung der Fremden mit den Einheimischen, der Jünglinge mit den Alten, der Israeliten : mit andern Glaubensgenossen möglichst zu erzielen, übrigens die in unserer Stadt, in der Wintersaison beson- , ders, peinlich herrschende Langeweile zu tödten. — Zehn deutsche und ungarische, politische, .belletristische u. Judenzeitungen, unter letzteren sich auch, das beliebte Blatt: der „Orient" besindet, sind demgemäß in einem dazu passenden Lokal augeschafft und liegen den Mitgliedern des Vereins, denen sich bereits 20 achtbare Herren, christlicher Religion auch, zugesellt, in jeder beliebigen Stunde zu ihrem Vergnügen und Unterhalte bereit» — An Tagen, ' wo nicht frische Blätter zu lesen, sind nützliche Gespräche angenehmer Zeitvertreib. Für gehörige Räumlichkeit des Lokals, für' genügende Bequemlichkeit der Mitglieder wird bestens gesorgt. Wohl sind auch hier, wie in allein neu Erstehenden, kleine Schwachen und Mangel zu finden, — doch wenn Papa der Ort zu sein aufhört, der er bisher gewesen, wo, wie ein ehrenwerther Korrespondent sagt, ,,eine überkühne Kritik herrscht", inan Fehler anderer lieber kritisirt, als seine eigenen verbessert, — Klemgeisterci und Unverstand jeder - guten Sache Verderben bringen — so ist eine Vergrößer-? ung und Verbesserung des Vereins, durch dessen Begründung einem nicht unwesentlichen Bedürfnisse abgegeholftn /keineswegs zu bezweifeln.— Was die Gemeinde selbst, namentlich der löbliche Vorstand unter wachsamer Fürsorge des unermndeten, strebsamen Rabbiners geleistet und noch zu leisten beabsichtiget, wird so Gott will, mein nächster Bericht ausführlicher bringen^ S. S. Polen und Rußland. Petersburg im Febr. Hohem Befehls zufolge, ist bei der Kommission, zur Bildung der Hebräer in Rußland an Stelle des bei derselben angestellt gewesenen Dr. Lilienthal, der Herr Magister der Philologie, Herr L. Ma n d e l st a m m (jüdischer Konfession und aus Sagarrcn bei Mitau gebürtig), mit der Funktion eines Tischvorsteherö dieser Palate getreten und definitiv angestetlt wordell. — Bauske (in Kurlartd), im Febr. Auf Vorstellung des Herrn Ministers des Innern hat das Mitglied der Bauskeschen Onartier-Kommität, der hebräische Bürger und Kaufmann Gottlieb Abraham Infse, für den von demselben der Regierung bewiesenen Diensteifer, eine silberne. Medaille mit der Aufschrift „Für Eifer" um beit Hals zu tragen erhalten. — •SSUim, im Febr. Der beliebte hebr. Schriftsteller, M. A. Günzburg, bisheriger Mitarbeiter an dieser Zeitschrift, ist nicht mehr. Er starb hier vor einigen Wochen in Folge eines' Schlagflusses. - Um - ihn trauert eine zahlreiche Familie, deren Stütze und Zierde er war; um ihn trauern viele Freunde, deren Liebe er sich durch seine Humanität und Herzensgüte zu erwerben wußte; um ihn trauert aber vorzüglich auch die ' hebräische Sprache und Literatur, deren treuer Pfleger er war, und um welche er sich hier ein so ausgezeichnetes Verdienst erwarb. — Friede seiner Asche l ■— Sendschreiben an Dr. I. im tr. ZW. Nr. 3. Sie erlauben sich, die Bestrebungen der Israeliten nach Erringung einer Gleichstellung mit unfern christlichen Mitbürgern auf dem Gebiete des socialen Lebens zu verdächtigen, als ob 'es mit dieser das religiöse Element ganz und gar nicht assicirenden Tendenz gleichwohl nur auf den Ruin des Iudenthums abgesehen wäre.— Sie scheinen die höhere Idee dieser Bestrebungen nicht zu verstehen oder nicht verstehen zu wollen. Sind Sie ein Mann, der die vier Mauern seiner Klause nie verläßt und das kräftige jugendlich-frische Leben des heutigen Deutschlands nicht kennt und begreift, so sollte eine freundliche.Rücksicht gegen sich selbst Sie abhalten, über Dinge zu sprechen, die Sie nicht, kennen und Ihrem Berufe nach nicht zu kennen brauchen. ' Es ist die Idee des höyern Bürgerthums, die in Deutschland sich Bahn bricht und die mit unwiderstehlicher Macht einem edlen Volke auk jedem Gebiete des geistigen Lebens die Freiheit geben und sichern wird, deren es im vollsten Maaße würdig ist. - Das Bürgerthum, in Wahrheit die einzige naturgemäße Repräsentation des Staates selbst, während die einzelnen Gewalten nur als dem Zwecke des Staats gewidmete Organe zu betrachten