Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1847)
- Date
- 1847-03-19
- Page
- Seite 93 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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93 Von anderweitig selbstständigen literarischen Erscheinungen wollen wir nur erwähnen, daß das achte Heft von S t crn's. ,,Kochbe Jizchak" erschienen ist.-*) Die Fortschritte, die diese Zeitschrift macht, beweisen, mit welcher Thätigkeit und Ausdauer Herr Stern sein. Ziel verfolgt. Dieses Heft bringt schone literarische Beiträge, so auch den ersten Theil einer Biographie Rab's von Hrn. Ignatz H. Weiß in Groß-Meseritsch, die unser Interesse in Anspruch nimmt, nachdem wir Ihre gelungene Arbeit im LLLeraturblatte gelesen, und wir werden nach Vollendung derselben noch darauf zurückkommen **). Ein schvnes Gedicht bringt dieses Heft ferner von der dem jüdischen Lesepublikum aus den Jahrgängen der Bikkure ha-Jttim bekannten Dichterin Rachel, und mit vollem Rechte hat sich Hr. Stern zu der Anmerkung veranlaßt gefühlt, die wir hierher setzen wollen: ,,Dcr würdige Herr Prof. Luzz a t t o, dem wir die Mittheilung dieser schonen Schöpfung eines seltenen weiblichen Genius verdanken, bemerkt uns in seinem Schreiben, daß diese merkwürdige Frau ans Triest, 56 Jahre alt, und die Gattin des Hrn. Morpurgo sei. Es ist dies gewiß eine bcachtenswerthe Erscheinung im Gebiete der hebräischen Literatur zu einer Zeit, wo selbst wenige Männer dieses Verständnisses der heiligen Sprache sich rühmen können, und selbst viele Sachkundige, dem Mammon, dem frivolen Zeitgciste stöhnend, sich dessen zu schämen nicht entblöden. So hat denn ein biederes Weib die sammtlicheu ungarischen Rabbinen , von denen sich, in kaltem Stumpfsinne noch nicht ein Einziger unserem hei lägen Institute angeschlossen, und denen wir damit, so wie wir sie übrigens auch achten, um der uns aber heiligem Wahrheit willen,, offen und ungeheuchelt sagen müssen, daß dies eben und insbesonders keine ehrenvolle Urkunde für sie, für ihre Gesinnung, wie auch für ihre Frömmigkeit sei — tief beschämt — Dank, verehrungswürdiger Herr Professorl Stern". Aus der Busch'schen Officin erwartet die nächste Zukunft einige Erscheinungen, die wir zur nähern Besichtigung nehmen wollen; gewiß werden Sie diese anzeigen. Herr Dr. I. G o l d e n t h a l hat für die Ueberrcichuug seiner Werke an die Privat-Bibliothek Sr. Majestät die mittlere goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft erhalten. Mögen sich mit mir alle Freunde der Wissenschaft freuen, wenn ein Mann der Wissenschaft nach langjähriger in Liebe und Beharrlichkeit angestrengter Arbeit eine Würdigung sindet, die er in demselben Maße verdient. Der unermüdliche Sammler Hr. S. G. Stern, der Heraus- ’) Wir wissen nur von den ersten 4 Heften, die uns zugekommen und die wir auch ange^eigt. Die übrigen sind nicht einmal hier zu sehen. Red. ") Wir ersuchen Hrn. Stern uns dieses Heft zukommen za lassen. Red. geber des Parchon, weilte einige Zeit bei uns in Wien, und ist jetzt in Parma., wo er die De Rossi'sche Sammlung fleißig studirt. Zum Beschlüsse meiner heutigen. Korrespondenz will ich Ihnen von einer Erscheinung Nachricht geben, die uns in Bezug, auf die bereits erwähnte Toleranz unserer Negierung zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Herr Joseph Oberndörffer aus München, der sich als Numismatiker einen ehrenhaften Ruf erworben, hat die hiesige Aufenthalts- Beivillignng erhalten, und ist zum Fournisseur des Fürsten Metternich ernannt worden. Das Erscheinen des Hrn. Oberndörffer ist von den hiesigen Zeitschriften auf's freundlichste begrüßt worden, und. von der Charakterstärke und der Erfahrung dieses Mannes können wir mit Zuversicht erwarten, daß er sich bald die Gunst unseres Publikums in dem Maße erwerben, wird, wie er bereitsdie hohe Achtung aller Kunstkenner, und Liebhaber genießt. Hr. O. besitzt eine sehr schone, reichhaltige Münzensammlung. ans . fast allen europäischen Ländern der verschiedensten Zeitepochcu, und verbindet damit ein sehr interessantes Antiken-Kabinet. , Krakau, im Febr. Die G. K. vom 1. März enthält eine-Kundmachung über den Geleitszoll der aus dem Königreiche Polen, kommenden Juden. Von jetzt an dürfen die Juden ans dem Königreiche .Polen in das krakauer Gebiet oder nach Galizien nur über das k. k. Grenzzollamt kommen und haben dabei unter dem Titel ,,Geleitszoll" eine Einfuhrabgabe (Leibzoll) für ihre Person nach folgenden Sätzen und mit folgenden Formalitäten zu entrichten: jeder handelnde und freie Jude 4 st. 45 kr., jeder Judenbediente und jede Jüdin 3 st. 15 kr., Judenkindcr bis zum ,,votlstreck'teu" 14. Lebensjahre 1 st. 45 kr. Dazu kommt noch eine anderweitige Bestimmung: Außer diesem Geleitszoll muß noch unter der Benennung: Uebertrag von jedem Thaler oder Betrag von 1 fl. 30 Kr. an Geleits'zvtl 22kr. berichtigt werden. Die mit Vieh oder Lebensmitteln handelnden Inden zahlen nur 1 fl. 6 kr. und ganz frei find folgende Individuen mosaischen Glaubens: Aerzte, Geburtshelfer und Wehmütter, versteht sich nur dann, wenn sie, sich durch hinlänglich glaubwürdige obrigkeitliche Zeugnisse genügend ausweiseu können, außerdem die welche durch das krakauer Gebiet, Galizien und Lodomerien nur Trausitohandel treiben. Jene obengenannte Abgabe muß in ,,klingender" Münze entrichtet werden, dafür bekommt der Jude einen auf vierWecheu giltigeu ,,Erlaubuißschein", auf dessen Rückseite die Entrichtung des ,,Geleitszolleö" unter Angabe der Mnnzsorten, in denen er entrichtet worden, bescheinigt, und der Inhaber angewiesen wird, bei der krakauer Polizeidirektion oder in Galizien bei dem betreffenden Kreisamte „zur Erhebung des vorgeschriebenen Gutscheines" sich zu melden. Dem k. k. Grenzzollamte wird eine besonders strenge Auf-