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Der Orient · 1847-03-19 · Heft 12 (19.3.1847) · p. Seite 92

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 12 (19.3.1847)
Date
1847-03-19
Page
Seite 92 (sequence 7)
Language
German
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92 Grabhügel, unter welchem der Entschlafene ruhet , zum heiligen Altäre, nDts riDlD/ an welchem Werwandtentittb FreundesLiebe den Etviget: verehrt, und mitten im Gefühle ihres großen Verlustes, den Blick zum Himmel erhebt, und das Herz zu Gott wendet und spricht: Dty VI' , npb 'ril jm 'n! Der Herr-gal', der Herr »ahm, sein Name sei gepriesen! O e sie rr et ch. Wierr, 18. Febr. Jcss will die geehrten Leser nicht viel mit Betrachtungen über den so eben vorübergetanzten Faschings aufhalten, besonders da ich überzeugt bin, daß Jeder mir-s auf's Wort glauben kann, wenn ich versichere, daß wir uns hier in der lebensfrohen. Stadt recht freundlich und fröhlich unterhalten haben. Es ist Schicksals Tücke, der kein Wiener entgehen kann. Das treffendste Beispiel hierzu liefern wir Wiener Juden. Wer hat mehr lebendiges Bewußtsein von der traurigen Lage, in der wir uns in Oesterreich befinden? und dennoch feiern wir den Fasching, als wäre er nur für uns geschaffen; wer sollte mehr und nachdrücklicher mit dem. Streben nach, einer bessern Stellung im Vaterlande leben, als wir Wiener? Und dennoch vertändeln wir. die Zeit bei Sinne berauschendem Tanze und geisttvdtender Musikz wer könnte leichter und glänzender unsere Stellung im Vaterlande bewerkstelligen als eben wir Wiener? Und dennoch lassen wir die Hände im Schooße liegen, und besänftiget das Händchen, das darin ruht. Wir kümmern uns um uns selbst nicht? Sie'entschuldigen. Was uns anbelangt, da wissen wir schon den rechten kürzesten, aber sichersten Weg einznschlagen, um das zu erlangen, was wir verlangen. Aber die Gesammtheit, die Masse, die I ch, D u und Er? — Vielleicht wird's besser. — Rothschild, der nun zwei Jahre nicht hier war, lebt seit einigen Wochen wieder itntcr uns, und hat so manchen Armen schon so manche Pfennige gegeben; denn stnd's bei uns Proletarier auch Tausende und Hunderte, die er gibt, bei ihm, dem Reichen, sind's gewiß Pfennige. Den Abgebrannten in Adrian opel, für die unser M ann h e i mer persönlich eine Sammlung machte, hat er 3000 fl. CM. und denen in Salon ik 1000 fl. EM. gegeben. Zur Fondirung des in Nikols bürg errichteten Taubstnmmen-Jnstituts hat R. 11.00 fl.. CM. gespendet, und noch Mancher hat sich an seiner . Gabe erquickt. Man'kann, meiner Ueberzeugung nach, Keinem gebieten, wohlthätig zu sein, aber bei der großartig politischen Stellung, die R. einnimmt, rntd wenn man fern Verhältniß zum Judenthum genau in Erwägung zieht, dürfte wohlnoch die Frage zu beantwortet: sein, ob er dem Judenthum das' leistet, was . er eigentlich sollte und könnte. Uebrigens hat er vor einigen Tagen eln diplomatisches Essen gegeben, bei welchem die größten hiesigen Diplomaten zugegen waren. Ich nenne nur die Minister Kolovrat, Kübek, und auch Metternich soll da gewesen sein. Die Ursache zu diesem Diner soll ein Gesuch sein, welches R. wegen Aushebung des Zettelgeldes, welches jeder Jude, der sich hier einige Zeit aufhalten will, zahlen muß, eingcreicht. Ich wünsche, daß es wahr wäre. Auch andere Juden haben diesen Fasching große Essen gegeben. —- Ein gewaltiger Kanonenschuß, und noch einer und wieder einer störte mich in der Fortsetzung meiner Korrespondenz, denn die donnernden Schüsse waren Zeichen, daß die Eisdecke, welche dieDonau bedeckte, mit drohend schrecklichem Krachen ihrer: weitet: Weg durch das enge Bett des Kanals nimmt, welcher durch mehrere unserer belebtesten Vorstädte sich schlingett. Vielleicht ist's gut, daß ich in meinem Gedankengange gestört wurde, und ich will die Spur desselben gar nicht verfolgen, sondert: mich zu andern Erscheinung et: wenden, die die Zeit uns geboten. Monat Januar: allgemeine Schlaffheit rc. Februar: am 8. Prüfung in der israelitischen Kinderbewahranstalt. Wollte ich mich ans der gewöhnlichen Flachheit der Berichterstatter bewegen, so könnte ich freilich nichts als Schönes und Lobendes von dieser Anstalt erzählen. Die Kitlder sind außerordentlich gut unterrichtet , wie dies vom Lehrer Hrn. Branders zu erwarten steht, und auch scheint dieselbe in allen ihren Bedürfnissen durch tüchtige Obsorge ihres vortrefflichen Gründers, des Hrn. Josef Werth eimer recht gut befriedigt; aber es ist mit dieser Anstalt wie mit allen andern hier. Es ist keine Anstalt der Gemeinde, der Gesammtheit, sondern die eines Einzelnen.- Die Gesammtheit nimmt nicht nur keinen Theil, sondern ignorirt sie sogar. Die Kinder, die die Wvhlthat des Unterrichts und der Erziehung da genießen, sind fast alle fremde, und die hiesigen Tolerirtm habet: nicht Frenndlichkeit und Emancipationsfähigk'nt genug, nicht Töle rirte als ihre Brüder anznerkennen. Sind wir froh, daß die Autorität der tolerirtcn Inden hier etwas zu sinken beginnt; denn unsere humane Regierung nimmt es schon nicht mehr so strenge, einem Juden den Anfenthalt hier zu bewilligen, wenn es nur irgettd thunlich ist» Daß dem gesummten Jndenthume mehr Anstnerksamkeit hier geschenkt wird, beweist die reine Theilnahme, die die Journalistik in den bessern Blättern ihm zuwendet. Zu diesen letztem rechnen wir Frankl's Sonntagsblättrr, S chmidl' ö Litera turb lattund Schuh-; ma ch er's „G egenw art". Letzteres ein neu begründetes, politisch-titerarisches Tageblatt, bespricht in seinen Spalten alle Erscheinungen und Ereignisse ans dem Gebiete des Judenthums, in so weit es in Oesterreich möglich ist, jüdische ^tngelegenheiteu zu besprechen. Beiliegendes Nr. 40 d. B. bringt von einer sehr achtbaren Hand einen Artikel ,,Juden ln der Moldau", den Sie Ihren Lesern mittheilen mögen*). *) Geschieht in der nächsten Nummer» N ed> v

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