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Der Orient · 1847-03-12 · 11 (12.3.1847) · p. Spalte 167-168

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
11 (12.3.1847)
Date
1847-03-12
Page
Spalte 167-168 (sequence 4)
Language
German
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iW MibM- GiWlchte der Juden in Kurland Eehüst ich zugleich einise z.weckmästkg e Hinwen sung e'n; wie die ses am l <ich testen aus zu führe n wäre, an gab. Mein Vorschlagerfreute sich auch glücklicherweise auf, der Stelle einer einstimmigen Bestätigung, und selbst Ihr e hohe Excellenzeii, der Herr General - Gouverneur von Lief-/ Esth - und Kurland, Baron von der Pahlen, so wie der Herr Kurländische Civil-Gouverneur, Baron von Brevern trugen nicht wenig bei, die Begründung desselben gewogentlichft zu fördern, indem beide die Gnade hatten, dem Vereine einen namhaften milden Beitrag zu diesem Behufe zu verleihen; allein — nach Jahr mW Tag kamen andere Wähler, andere Vorsteher, die auch andere Ansichten hegten, auch keine Ausdauer genug hatten^ und so stehen noch bis. auf heutigen Lag im Journale des Vereins — wohl die einstimmig festgesetzten und unterschriebenen Statuten zur Begründung eines Fonds pr oLokollir t, nicht aber, daß der Verein sich bis hierzu eines solchen in der Wirklichkeit zu erfreuen hat. Möge diese wohlgemeinte Erwähnung dazu beitragen, die Bessergesinnten zu mehr Eifer und Beharrlichkeit für jede gute Sache-überhaupt , so wie für die dasigen Vereine insbesondere anzuspornen, und der Allgütige wird gewiß ihre Bemühungen mit dem besten Erfolg krönen und sie ihnen auch reichlich vergelten. — Was das sociale Leben der hiesigen Israeliten betrifft, so herrscht zwischen ihnen und ihren christlichen Mitbürgern im Allgemeinen eine würdige Harmonie und wissen Letztere die Verdienste Wer Erster» auch zu schätzen. So erhielt der hiesige Banqnier, Herr Moses Stern, vor einigen Jahren ein öffentliches Belobungs-Reskript vom Kurländischen Adel und der, Ritterschaft für dessen uneigennützige kommerzielle Leistungen 'zum Besten der Kurländischen Kredit - Bank. Auch ist unter wer Direktion der hiesigen Dampfschifffahrt zwischen Mitau und Riga ein Israelit als Direktionsmitglied von der stadischen Kaufmannschaft erwählt worden. — Die Gemeinde wird hier durch 5 Kahals-Mitglieder und 24 Gemeinde - Deputaten verwaltet, welche alle 3 Jahre von derselben gewählt und von der Regierung bestätigt werden; und wird der Ukas wie in Riga, so auch hier keine Anwen- . düng, finden. Zur Bestreitung eines Theils der Krons - und Landessteuern existirt bisher hier noch eine einzige mäßige Fleisch-Karobka; der fehlendeThcil aber wird taxatioüsmäßig auf die Gemeindeglieder repartirt; doch so, daß die Wohlhabenden und Bemittelten für die Unbemittelten und Armen zahlen müsse». — In Betreff der Religiosität ist die Gemeinde geteilter Ansicht. Denn während ein beträchtlicher Lheil derselben gerne eine zeitgemäße Synagogenordnung sowohl als einen geregelten Gottesdienst überhaupt sehnlich eingeführt zu sehen wünscht, hängt der andere größere Lheil noch immer starr am alten Schlendrian und weist jede vom Vorstande beabsichtigte Reform als Neuerung zurück. Demungegchtet würden letztere dennoch für zeitgemäße Reform empfänglich sein/ wenn sie nur entweder von einer geistlichen Autorität , vor- 188 nämlich vom Rabbiner ausgehen, oder wenn dieselben durch gute Predigten und Erbauungsreden über jede beabsichtige Reform zuvor genügend belehrt und gehörig unterrichtet wären, so daß sie alsdann die äußere Form von dem wirklichen Wesen des Religions- Gebrauches zu unterscheiden in Stand gesetzt sein würden. Dies beweist einerseits, daß der selige Rabbiner David Ezechiel hier bereits sch on vor 20 Jahren manche Reform nicht allein ohne Widerspruch, sondern unter allgemeinem Beifall eingeführt hat; wie z. B. daß Trauungen und t£Tip nicht unter freiem Himmel, sondern, auch im Zimmer abgehalten werden dürfen; die Abschaffung von und'; die Gestattung von nrPD nit£D\ so wie das Ausweichen der gläsernen Bierbouteillen und anderer Geschirre zum Gebrauche am tu a. m.; — andererseits aber geht die Empfänglichkeit für zeitgemäße religiöse Vorträge, selbst bei' den strengsten Orthodoxen schon daraus hervor, daß dieselben bei jed-er Gelegenheit einer deutschen Predigt den ungetheiltesten Beifall zollen. Der Rabbiner Hierselbst erhält außer einem kontraktmäßigen festen Gehalt, der gewöhnlich aus dem Pachte der Geflügelschächterei bezogen wird, noch nachstehende Gebühren bei liturgischen Verrichtungen. 1) Bei Trauungen für eine Jllatevon 100 Rubel Silb. 2 Kop., für eine von 300 Rub. 1^ Kop. und für 500 bis 1000 Rub. 1 Kop. — 2) Für jede Matrikel-Eintragung 15 Kop. S. M- 3) Für die Abnahme eines Eides 60 Kop. S. M. Doch fällt von den LrauungKgebühren auch ein kleiner Lheil dem Kantor und Gemeinde-Diener (t&w? jrn) zu. — Gegenwärtig fungirt hier der Sohn des ehemaligen Hiesigen Rabbiners David Ezechiel, Namens Elias Jakobson interimistisch als Rabbiner; obgleich .gegen die Person desselben nicht das Mindeste auszusttzcn ist,' man ihm vielmehr das Zeugniß eines rechtschaffenen braven Mannes geben muß, so ist derselbe demungeachtet beim besten Willen nicht im Stande,' hier seine Aufgabe nach allen Richtungen gehörig zu lösen; nicht nur weil er ein Anhänger der alten Schule ist, sondern weil ihm jede wissenschaftliche Bildung sowohl, als das homiletische Talent überhaupt abgeht, was gerade hier so sehr Bedürfniß ist. Deshalb geht ein beträchlichec und zwar der wichtigste Lheil der Gemeinde, dem wahre Religiosität in zeitgemäßer Form Bedürfniß des Herzens geworden ist, mit dem Plane um, einen zweiten Rabbiner oder. Prediger unabhängig von dem ersteren, mit einem angemessenen, anständigen Gehalte auzustetten, zu welchem Behufe ein Fond bereits subskribirt und zugesichert ist. Möge nur deren löblicher Vorsatz nicht erkalten und recht bald in Ausführung gebracht werden, es würde sich gewiß hier demjenigen Geistlichen, der sich entschließen wollte am Weinberge des Herrn zu arbeit-en, ein segensvoller Wirkungskreis darbieten, indem er gerade hier einen sehr empfänglichen Boden für ächte Religiosität finden würde. •— Ich schließe endlich mit dem herzlichsten Wunsche, daß diese

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