Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 11 (12.3.1847)
- Date
- 1847-03-12
- Page
- Spalte 165-166 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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166 Studien. Geschichte der Juden in Kurland 165 während der njhttfim Trauerhause, und ein w wird für das Seelenheil des Verstorbenen, gebetet. Jährlich zahlt jedes Mitglied. 60 Kop. S. M., wofür Bücher.'angeschafft werden. Der Verein besitzt bereits eine ansehnliche Bibliothek aus, verschiedenen. Fächern der jüdischen Literatur, die im ‘7E"rn aufgestellt ist. — 12) py »Tttn, gegründet im Jahre 1839. Die Mitglieder versammeln sich täglich Abends im Bet ha-Midrasch, woselbst nach dem Abendgottesdienst ein -y<;w aus dem py DpyV vorgetragen wird. Auch dieser Verein besitzt eine kleine Bibliothek, die gleichfalls daselbst im Bet Ha-Midrasch aufgestellt ist. Jedes Mitglied zahlt jährlich nur 36 Kop. S. M. — A nm erku n g. Die Armenhäuser, sowie die Verpflegung , der darin wohnenden Stadt-Armen werden für Rechnung der Gemeinde von einem , von Kahal. erwählten Armen-Aeltesterr. (pHn ) besonders verwaltet. — So sehr aber alle diese Vereine sich auch einerseits bestreben, zum Wohle ihrer jüdischen Mitbrüder beizutragen und die Nothdürftigen und Leidenden derselben, so viel thunlich ist, zu unterstützen und zu trösten und ihnen mit Rath und That beizustehen, ja so viel Gutes und Schönes sie allesammt auch wirklich ausüben,/ so könnte aber anderseits bei einer summarischen Einnahme von beinahe 2000, sage zweitausend Rubel Silb. Münze, -demungeachtet größerer Anspruch auf ihre sämmtliche Leistungen gemacht werden. Denn während wir hierstlbst den kleinsten und geringsten christlichen Hilfsvcrein im weitesten Sinne des Wortes trefflich organisirt und blühend antreffen, sehen wir dagegen leider die daselbst bestehenden jüdischen Vereine alle, fast täglich mehr und mehr, dem Verfalle entgegen gehen; und haben, die jedesmaligen Wähler jährlich ihre liebe Roth bis sie die ausgeschriebenen Vorsteher-Diplome an den Mann bringen können; denn wie der Mann in Jesaias 3, 7, ruft ihnen ein Jeder die biblischen Worte zu: (/on nVUWN1?", Ich will kein Vereins-Vorsteher sein! aber nicht aus dem Grunde etwa, das on1? j\s? sondern weil der Verein keine Kasse hat und der Vorsteher seine .für denselben nothwendig auszulegenden Gelber in der Regel jedesmal entweder durch Kollekte einbetteln ober gar verlieren muß.. — Der Grund aber, warum die jüdischen Vereine hier nicht fortkommen können, ist meiner Ansicht, nach ein doppelter: 1) Weil dieselben sich großtentheils ihrer Tendenz unbewußt sind, daher, auch ihre Wirkungskreise nicht strenge abgrenzen; und so sieht man oft den Todtengräberverein wie den Kroukenunterstützungsverein sich für wegen Kontrebar.de inhastirte Juden verbürgen, und der Krone die schuldigen Poschlin (Strafgelder) für dieselben einzahle ly; während man hingegen den Gefangen - Untecstützungsverein Unterstützungen an wandernde unb kranke (oft gar Geisteskranke) Mtfcrfi verabfolgen sieht. Diese Bielthuerek aber, so gut sie auch übrigens gemeint sein mag, untergräbt zum Theil die Existenz der Vereine, so daß oft weder der Kränkenderem Unterstützungen an würdige Kranke, noch der Gefangen-. verein, die Loskaufung wirklich unschuldiger Schuldner zu leisten, ja oft nicht einmal das Tagelohn des Vereins- Dieners (v/oti/n mW) zu bezahlen in Stande gesetzt ist. — 2) Der aridere nicht minder wichtige Grund, warum die jüdischen Vereine alle hier nicht wie ihre christlichen Brüder daselbst, oder auch wie größtenteils die ihrer Glaubensgenossen im Auslände durchkommen können, ist: die hier gänzlich mangelnden Legate, deren es so viele hier bei den Christen und im Auslande auch bei den Israeliten zum Besten der Vereine und zum Wohle der Nothleidenden giebt. Ein jüdisches Legat ist hier, trotz der vielen vorhandenen Bemittelten und Neichen, ein böhmisches Dorf, und m der ganzen Provinz existirt meines Wissens kein einziges. Welch tüchtige Stützen solche Vermächtnisse, die die eigentlichen Fonds der Vereine bilden, für die Existenz derselben aber sein könnten, wird Jedem zur Genüge einleuchten; hauptsächlich, da nur ein Fond die wahre Basis jeder solcher Anstalten ausmachen kann. — Blicken wir auf den hiesigen jüdischen Gottesacker hin, fa bietet sich dem Auge eine Masse kunstvoll gearbeiteter Leichensteine aus Marmor und Erz dar; man sieht hier vergoldete Kuppeln und dort zierliche Kapellen, die alle den Namen der unter ihnen Ruhenden verewigen sollen. Anstatt aber auf solche vergängliche Denkmäler, die mit der Zeit von Wind und Wetter verwittert und endlich doch verfallen werden, Hunderte von Rubeln zu verwenden, würden die betreffenden Individuen oder ihre Erben nicht weit besser und vernünftiger handeln, wenn sie statt ihrer, Vermächtnisse zum Besten der leidenden Menschheit auf ihren Namen errichteten, und sich so im wahren Sinne des Wortes verewigen würden? Man sage nicht, daß zu Aussetzung eines Legats viel gehöre,, und wer daher micht eine ansehnliche Summe auszusetzen im Stande sei, der unterlassenes lieber ganz; nein! nmsn ntltf - Dwi) uh m p'W' Tfett D'yDDn ■ Toni sagen unsre Weisen. Besonders da in der Regel aus v i elen Grosche n Thaler werden; und würde Einer nur mit gutem Beispiele vorangehen, gewiß würden die Vermächtnisse in kürzester Zeit in die Mode kommen, und die Vereine alle würden blühen und den norhdürstigen, leidenden Glaubensbrüdern würde um Vieles geholfen sein. Es gehört überhaupt wie l bei jedem andern Gegenstände, so auch bei Verwaltung einer Anstalt, nicht allein Gewissenhaftigkeit und Berufstreue, sondern auch Ausdauer und Beharrlichkeit, und kann wo diese fehlen, von keiner ordentlichen Organisation die Rede sein. Als der hiesige Armen- und Gefangen - Unterstützunasverein im Jahre 1840 seinen Stifttwgstag durch ein solennes Mahl, zu welchem auch viele Honoratioreu geladen waren, feierte, machte ich als d. Z. Buchführer und Vorstandsmitglied dieses Vereins der Versammlung in einer öffentlichen Rede nach Abstattung eines Berichtes über die Verwaltung und den Stand des gedachten Vereins schon da m als unter andern auch den wohlgemeinten Vorschlag: vo r A llem ein en Fond für denselben zu begründen, zu welchem , . 11*