Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1847)
- Date
- 1847-03-12
- Page
- Seite 86 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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fest darauf bestehen und beharren, einen alten Talmndisten und Hyperorthodo.ren angestellt za wissen. — Es mögen aber beide Parteien in Erwägung ziehen, daß es nicht darum zu thuu sei, die Oberhand zu behaupten , daß es sich nicht blos darum handelt, den Sieg davon zu tragen, . um .mit Hohn und Spott über die Andern triumphiren zu können, sondern übereinzustimmen und zu beherzigen, daß die zu treffende Wahl, eine Entscheidung — zwischen ihr Wohl und Wehe ist , eine. Losung — wovon sowohl unser Seelenheil, als auch die künftige Glückseligkeit unserer Nachkommen abhängig ist! — Evident, wünschenswert!) und vonunumgänglicher ,Bedingung ist es, daß der in dieses Amt Einzusetzende, ein wackerer und biederer, talentvoller und energischer Mann sein soll, denn Wichtiges wird er zu leisten und Schwieriges zu bekämpfen haben; beide Parteien zu befriedigen,- Sttoüigkeiten zu beseitigen, Ruhe herzustellen, Friede zu stiften, und endlich das Schul- und Erziehuugoweseu, welches hier so sehr gesunken, und dem gänzlichen Verfall nahe ist, zu beleben und zu verbessern. Durch die übereinstimmende Wahl des Herrn H irs ch zum Landrabbiner, welche zur größten Freude und der vollkommenen Zuftiedenheit der ganzen Provinz ausgefallen ist, nährt umsomehr unsere Gemeinde die süßesten Hoffnungen und sieht seiner Ankunft mit gespannter Sehnsucht entgegen! Krclkan, 22. Febr. Ich erlaube mir, Ihnen folgende Petition mitzuthcileu, welche'unsere -große durch Einverleibung des Freistaates ängstlich in die Zukunst schauende Gemeinde an die kaiserliche Regierung gerichtet. Sie lautet an Hrn. von D eym zur Uebergabe gerichtet: Ew. Exeellenz! Das glückliche LooS, welches der Stadt Krakau beschiedcu wurde, unter das glorreiche Scepter Sr. k. k. Majestät gekommen zu sein, begrüßen die Einwohner derselben mosaischer Konfession' um so freudiger-, als -sie die bisherigen allgemeinen MiSstäude, bei deren besonders beschränkten! Wirkungskreise doppelt' schmerzhaft empfunden haben, und als sie von der väterlichen Regierung Sr. 'Majestät die Aufhebung eben dieser Schranken, die Erweiterung ihrer Rechte und die Verbesserung ihrer Lage in kindlichem Vertrauen erwarten. Wenn es ein wesentlicher Vorzug. der monarchischen Regierungen überhaupt ist , so ist es , wie bekannt , der hohen österreichischen insbesondere, daß sie weit erhaben dasteht über alle einzelnen und Privatintereffeu, Wünsche, Gewohnheiten und Rücksichten hochdero Unterthanen, von Ihrem Allerhöchsten Standpunkte aus, der Vorsehung gleich, alles unter-ihr gleichmäßig übersieht und in den mannigfachen Nüaneirungen der verschiedenen Volk'sstänune, Stände, Konfessionen und Kostüme in Bezug auf den Staat nur Ein harmonisches Ganze erblickt, welches nur durch eine freie Entwickelung dessen einzelner Theile nach deren individuellem Charakter und eigener Natur prosperiren und gedeihen kann. - Auch die jüdische Nation, bei aller Markirtheit ihres religiösen Lebens stehet keineswegs in dem soeialen und politischen Leben als ein abgesondertes oder gar fremdartiges Element da, sondern bildet vielmehr einen integrirendcn Theit, ein unzertrennliches organisches Glied des gesummten Staatsk'örpers, dessen Wohl und Weh das Wohl und Weh des Ganzen bedingt. —- Wir wollen es daher Ew. Exeellenz auch nicht verhehlen, daß wir der Hoffnung Raum geben, unter der ebenso weisen als gerechten hohen österreichischen Negierung, dero tiefe Einsicht das unterthänigst Gesagte wohl, nicht verkennt, früher oder später die chinesische Mauer gänzlich fallen zu-sehen, welche das Vornrtheil aufgeführct und die den Menschen vom Menschen, den Bruder vom Bruder getrennt hat; daß wir früher oder später, alle unsere physischen und moralischen Kräfte entwickeln können werden., zum Nutzen und Frommen unseres Erhabenen Monarchen und des Vaterlandes, und wie unsere Glaubensbrüder in mehreren europäischen und außereuropäischen Ländern uns Verdienste und Lorbeeren erwerben, in. den Büreaus, aus dem Katheder, in dem Marsfclde, au der Seite unserer Brüder im Staate; daß früher oder später die Anomalie eines besonderen Judengcsetzes schwinden wird, und die schone Harmonie in diesem gesegneten und blühenden Reiche alle Unterthanen ohne Ausnahme gleich umschlingen und dessen staatsrechtlicher Zustand in seiner höchsten Vollkommenheit sich mam'sestiren wird.— Indern aber die überall und inuncr sich bewährende tiefe politische Einsicht Sr. k. k. hohen Regierung die völlige Realisirnng des Besagten ans einmal für noch nicht zeitgemäß erachtet und daher eine Bewerkstellung derselben gradatim huldreich erstrebt, wie aus Allerhöchstdero neueren-und neuesten Verfügungen hinsichtlich der Juden Ungarns, Böhmens und Galiziens erhellt, so dürfen und wollen wir keineswegs Dero Allerhöchsten Einsicht vorgreisen. Wir wagen es daher nur Ew. E.xcelleuz, hochdero gnädigen Erlaubniß gemäß, eine skizzirte Darstellung unserer bisherigen Zustände, den Einfluß der Gesetze wie deren Entwickelung und.Handhabung ans dieselben unterthänigst vorzusühren und daran einige bescheidene Bitten gehorsamst anznreihen: In den im Jahre 181? von den drei Erlauchten protegirenden Mächten promnlgirteii Jndenstatnten manisestrrte sich unverkennbar die huldvolle Intention unseren Bewegnngskreis allmälig auszudehnen, uns zu verhelfen unter den übrigen Einwohnern eine dem socialen und staatlichen Zwecke entsprechende Stellung einzunchmen, uns zur europäischen Gesittung und Bildung und dem Staate eine bedeutende Zahl fähiger und loyaler Kräfte einzuführen; wenn aber dieselben bis jetzt nur geringe Früchte getragen haben und unser Zustand | D I i. D f ■! I /