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Der Orient · 1847-03-12 · Heft 11 (12.3.1847) · p. Seite 85

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 11 (12.3.1847)
Date
1847-03-12
Page
Seite 85 (sequence 9)
Language
German
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1 85 jj dies auch nur deshalb geschieht, weil die Kasse in Folge! geringer Mittel, nur kleine Gaben vertheilen kann; wenn j die für verschämte Arme besonders nützliche Einrichtung I der Armenkasse „ nich t bestälide, und jeder Arme nur j Sgr. von jedem einzelnen Mitgliede erhielte, so wurde } dies für Jeden schon eine monatliche Ausgabe von Einem j Thal er fünfzehn Silbergroschen ausmachen. I Wir bitten deshalb die geehrten Mitglieder unserer I Gemeinde, recht bedeutende Beiträge zurArmen- | kasse zu bewilligen. — Stettin, den 6. Januar 1847. S; Der Vorstand der israelitischen Gemeinde. ' Lewy. J.Meyer. Rosenheim. Jacoby. Lisser. Oeft e r r e i ch. I Stuhlweißenbnrg, 12. Febr. Wir zählen in; unserer'Umgebung mehrere ansehnliche Gemeinden (Kehillot), und einige kleine, welche, in religiöser Hinsicht i unter der Botmäßigkeit der in den großen Gemeinden; cnrgestcllten Rabbinen stehen, und ihre Kinder großteni theils in den dort organisirten Lehranstalten den ersten ' Unterricht genießen lassen. Vorzüglich aber hier, ob-; zwar eine noch junge und kaum mehr als vierzigHäuptz ter zählende Gemeinde, gewahrt man mit Vergnügen . ein regebewegtes Treiben undrastloses Eggen und Säen i auf dem Felde des Fortschrittes, welches durch diewärmcnde i Sonne des glühenden Eifers auch schnell genußreiche Früchte verbreitet. :: Nebst einem Lesevereine aller im Interesse des Judenthums handelnden Organe, welcher unsem geehrten ' Herrn Rabbiner als Stifter an der Spitze, seinen wohlthätigerr Einfluß auf alle Glieder der Gemeinde sichtlich g,{ aus übt, besteht da auch eine Unterrichtsanstalt/ die bei I den beschränkten Kräften eines so geringen Häufleins f blühend genannt zu werden verdient. Diese wird von >; ungefähr sechzig Zöglingen Knaben und Mädchen, welche letztere nebst dem Unterrichte, der ihnen in Gemeinschaft mit den Knaben von vier Lehrern zu Theil wird, fr auch noch von einer dazu bestinnnten und geeigneten l Lehrerill in verschiedenen Handarbeiten unterwiesen werden. Religion, “fjn, hebr. und deutsche Sprachlehre, Rechnen, Erd- und Völkerkunde werden da mit Erfolg l gelehrt, und außerdem findet jeden Sonn- und Feiertag k für Lehrlinge und andere junge. Lellte, die. die Schule | nicht besuchen können, ein. öffentlicher Religionsvortrag statt. Die Prüfungen, welche jährlich in Gegenwart | des löbl. Magistrats und eines Theiles der hochwürdi- | gen Geistlichkeit, für deren huldvolle Theilnahme wir -7. ^lcht umhin können bei Gelegenheit unfern ergebensten b Dank ausznsprechen, vor sich gehen, geben triftige Beß weise, wie reich der Allgütige die segensvollen Bemühun- E gen unseres hochgeschätzten Rabbiners und der Schülkoin- | Uttssion, deren vereintes Augenmerk diese Anstalt ist, zu k belohnen weiß. Unsere Nachbargemeinden Lovas-Bereny und S t. Peter ahmten, zu ihrem Lobe sei es gesagt, unserem Beispiele bald darin nach, daß sie sich zweckmäßige Schulen errichteten. Und auch Pülattä. kam uns darin nach, einen Zeitungs-Leseverein zu stiften und wenn, da der alte Rabbiner vor Kurzem gestorben ist, ihre glückliche Wahl auf ein dem Fortschritte huldigendes Individuum fallen wird, so sind wir auch von dort zu den schönsten Hoffnungen berechtiget. Selbst M6 r, dessen Rabbiner ein tüchtiger Talmudist, noch ein Mann des Alten ist, fängt an dem Zeitgeiste sich anzupassen, indem erwähnter Rabbiner sich nach Kräften eifrig bestrebt, seine öffentlichen Reden in einer verständlichen: Sprache als in dem bis jetzt gehandhabten Jargon vorzutragen, und, was dort schon sehr viel heißen will, die Ausschlagung desTrauhiuuncls im Bethause gestattete. Jetzt noch einiges Wenige über unsere verdienstvolle Gemeinde. Diese wie bereits gesagt noch junge, welcher erst vor einem halben Deccnni'nm Thore und Arme der hundertjährigen Königsstadt geöffnet wurden, gab erst vor Kurzenr wieder einen lob-cnswerthen Beweis ihres gottergebenen Sinnes, indem sie mit Hintansetzung aller andern-Interessen dem Wunsche ihres frommen Herzens folgend, Jeder insbesondere, beinahe mehr als seine Kräfte erlauben, um sich der beglückenden Worte : t£Hpö wy) DDirD würdig zu zeigen, einen gewichtigen Stein zum Baue eines neuen Bet- und Lehrhauses herbeitrugen; und so die werkthätigm Bestrebniffe unseres im Guten unermüdeten Vorstehers Hr. ®. S., vereint mit den übrigen Gliedern des Vorstandes ihr Gemeindewesen stets empor zu bringen, reichlich krönten und vergalten. Pope. Austerlitz, 9. Febr. Am 31. December 1846' ist der hiesige ehrwürdige Rabbiner, HerrGerson Buchheim, in Ciwanowitz, wohin er sich um die Hochzeit des dortigen Rabbiners seines Enkels beizuwohnen begab, gestorben. Ein, wegen seiner Einsicht und Billigkeit, wegen seiner Frömmigkeit und gediegenen talmudischen Kenntnissen, so sehr berühmter Mann, der älteste Rabbirrer in Mähren, die Krone unserer Glaubensgenossen, die Zierde der hiesigen Gemeinde. Friede seiner Asche!! Es unterliegt keinem Zweifel , daß bei der Zwietracht und dem Parteigeiste, welche in unserer Gemeinde herrschen, bei der Wahl des neuen Rabbiners, welche laut des ausgestellten Konkurses bis Ende April vor sich gegangen sein muß, Anstand und Unannehmlichkeiten, wie es sich schon jetzt kund giebt, unausbleibliche Folgen sein werden. Denn die Gebildeten und besser Gesinnten, welche den herrlichen Tempel erbaut haben, wo schon manche zeitgemäßige Reform Eingang gefunden hat, gehen mit dem löblichen Vorhaben um, ei neu fluten Prediger, in dessen Person zugleich ein tüchtiger Schulmann. vereint sei, aufznnehmen, während ihre Gegner

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