Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1847)
- Date
- 1847-03-12
- Page
- Seite 84 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 84 - die Lehren nach Aeosta'ö eigener Schrift Hxemxlar liumanae Titae d arge stellt. ' Durch Ton und Darstellung, wie auch durch-die Widylung hat der Verfasser schon dafür gesorgt, mit Ad. Jcllinek, Vcrf. des Schriftchcns Elischa b. Abnja, nicht verwechselt zu werden. .Stettin , 25. Febr. Die Stille, welche gegenwärtig am. jüdisch-politischen Horizont eingetreten, äußert in unserm lieben Pommerlande um so mehr ihre Wirkung, als dasselbe wohl überhaupt zu denjenigen Landestheiten gehören dürste, in denen das bekannte „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht" gewissenhaft beobachtet wird. — Selbst die sonst in kleinern Gemeinden vorgekommenen Zänkereien durch Mizwot-Verkauf sogenannte NM haben'— Dank der fortschreitenden bessern Einsicht, — aufgehört Gerichts- und Polizeibehörden zu beschäftigen, da sich in der Provinz Pommern wol keine Gemeinde mehr befindet, die NM verauctioniren läßt.— Wir leben also im dolce far niente! — Die naheliegende Berliner .Reform - Genosse nsch a ft hat ihre Aufforderungen, Berichte re., vergebens hierher gesandt, und selbst die neue Zeitung derselben hat hier keine Leser, sie sehen also, geehrter Herr Redakteur, das „ S ch a fst-G e no ssen " geht hier nicht gut von Statten. — Das Einzige was die Gemüther hier in einiger Spannung erhält, ist das zu erwartende neue „Kultus- und Schulgesetz" für die Juden; auch hier wurde der Entwurf desselben einer von der hohen Behörde aus den Repräsentanten der Gemeinde erwählten Kommission, zur Begutachtung vorgelegt. — Der zweite Theil der Kultusordnung für hiesige Gemeinde ist erschienen, und von den Gememdemitgliedcrn mit eben solcher Ruhe angenommen worden wie der erste Theil; ich sende anbei ein Exemplar desselben, sowie ein Exemplar des Armenpflegeberichts vom vergangenen Jahre. — Ans Letzterem ist ersichtlich, daß wir von einer nicht unbedeutenden Zahl fremder Armen -— größten!Heils von unglücklichen Polen und Russen — besucht wordeil; für diese thut ein Zusammenwirken vieler Gemeinden in Betreff der Unterstützung wirklich Roth. — Die hiesige Gemeinde hat namentlich von durchreisenden Kranken viele Lasten, da Alles was nach der Residenz will , den weit bequemeren Schienenweg wählt, und der hiesige WohSchätigkeitsverem (Nttf'Hp NTin), dem die Sorge der Beförderung und Unterstützungder Kranken obliegt, konnte bis jetzt nur zu einem sehr getingen Fond gelangen. — Schließlich muß ich ihnen noch die Mitthcilung machen, daß die hiesige städtische Behörde beschlossen hat , die Enraneipation der Inden durch den städtischen Deputaten beim bevorstehenden' vereinigten Landtage beantragen zn lassen; wenn man erwägt, daß erst seitdem Jahre 1812 hier Juden wohnen dürfen, so ist dies gewiß ein günstiges Zeugniß für dieselben. — v Ueberhmrpt ist hier die Toleranz vorherrschend. Die hier erscheinenden Blätter sind sämmtlich dem Hmriauitätöprincipe zugethaiff, und die seit Kurzem hier erscheinende Monatsschrift, der „Wächter an der Ostsee" redigirk von W. Luders, hat sogleichdas Panier der Glaubensfreiheit cnifgesteckt und einen Artikel über Judenemaneipation gebracht, der viel Treffendes enthält:. Es verdient demnach diese Zeitschrift auch Ln jüdischen Kreisen die möglichste Verbreitung und Unterstützung. — 30— Aus dem beigetegten Exemplar der Kultusordnung theilen wir Folgendes mit: Im Ganzen werden die Pijjutim vor der Tefilla ganz weggelassen, sonst aber noch außerdem bedeutend vermindert; eben so sind alle Maarabot abgeschafft. Das bekannte Schir Ha-Jichud ist abgeschafft und viele Schachcrit- und Musaf-Pijjutim sind theilö kassirt, theils beschränkt; die Todtenfeier (Haskarot Neschamot) hat eine'würdigere Gestalt erhalten. Für Gemeinden, welche Genaueres und Speciclleres erfahren wollen, verweisen wir auf die gedruckte Kultusordnung. — WaS nun die Armenpflege am hiesigen Orte anlangt, so theilen wir den am 6. Jan. ausgegebenen Rechnungsabschluß wörtlich mit: / Der binnen einigen Tagerl für dieses Jahr stattfindenden Einsammlung der freiwilligen Beiträge zur Gemeindearmcnkasse lassen wir den nachstehenden Rechnungsabschluß vorausgehen: 1. Einnahme: a) Bestand ans dem Jahre 1845 34 Rthlr. 5 Sgr. 1)) eingegangene freiwillige Beiträge im Jahre 1646, 350 Rthlr. 22 Sgr. c) Geschenke (Redarim) 4? Rthlr. 10 Sgr. d) desgleichen in die Synagogenbüchseu eingekommen 65 Rthlr. 1.8 Sgr. 6) eingegangene Ordnungsstrafen 5 Rthlr. 4 Sgr. 6 Pf. Summa 502 Rthlr. 29 Sgr. 6 Pf. 2. 8( uSgabe: An 1119 Fremde und einige hiesige Arme, (welche Letztere regelmäßig monatliche Unterstützung und Fenernngsmaterial aus der Stiftung der Ä. I. Salingsschen sel. Eheleute erhalten) 463Rthlr. 22 Sgr. 6 Pf.,' verbleibt Bestand auf 1848 49 Rthlr. 7 Sgr. Wir erlauben uns dies Institut der bekannten Mildthätigkeit unserer löblichen Mitglieder recht dringend zn empfehlen, da der in andern Staaten auf unserm Glaubensgenossen lastende politische Druck, welcher viele zur AuSwalldernng zwingt, und die ungewöhnliche Theuerrmg der nothwendigsten Lebensbedürfnisse uns veranlassen wird, größere Gaben, als bisher, an durchreifende Arme zu vertheilen. — Wenn nun auch einzelne Mitglieder sich darüber aussprechen, daß sie, trotz der Gaben zur Armen-Kasse, häufig von durchreisenden Armen belästigt werden, so bitten wir dieselben, zu erwägen, daß von den 1119 fremden Armen, welche im verflossenen Jahre Unterstützung empfangen haben, doch nu.r eine geringe Anzahl die einzelnen Mitglieder um Gaben anspricht, und daß