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Der Orient · 1847-03-12 · Heft 11 (12.3.1847) · p. Seite 83

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 11 (12.3.1847)
Date
1847-03-12
Page
Seite 83 (sequence 5)
Language
German
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— 83 - zunächst die Bedeutung solcher Bestrebungen und deren Zusammenhang mit allgemeineren Zeitfragen klarer zu machen, gleichzeitig aber auch das Gebiet der entsprechenden praktischen Wirksamkeit durch Versuche in Bezug auf einzelne Zweige des Schulwesens und der Geiverbthätigkeit zu erforschen. Die Resultate aus jenen theoretischen und diesen praktischen Bestrebungen, insofern sie eine weitere Lhätigkeit zu regeln geeignet sind, finden sich in dem untenstehenden Programm. Der erste Theil desselben (I—V) enthält die leitenden Grundsätze, nach denen derjenigeder die bezeichnten Bemühungen im Allgemeinen billigt, ermessen mag, ob er sich an denselben specieller betheiligen könne. In den nachfolgenden, die Gesellschaft selbst betreffenden Sätzen (1—3) schien es genügend, sich auf die allgemeinsten Bestimmungen über die GeschäftsthätigkeiL, zu beschränken, zumal d'a die Lagesbegebenheiten in ihrer unberechenbaren Mannigfaltigkeit zu vielerlei Anhaltspunkte bieten, als daß der Stoff im Voraus durch einzelne Rubriken erschöpfend bezeichnet werden könnte. Es ist ein weites, keineswegs genau abzusteckendes Feld, das urbar gemacht werden soll, uyd was bis jetzt durch Kräfte Einiger versucht und theilweise gelungen, giebt nur einen schwachen Maßstab für das, was eine größere Gesellschaft leisten könnte und sollte. Das Wenige, was bereits ausgeführt oder angebahnt oder nur besprochen ist, liegt in den über die vorbereitende Thätigkeit geführten Protokollen vor. Wer die Richtung, der die folgenden leitenden Sätze ihren Ursprung verdanken, genauer kennen lernen und die LhätigkeiL und Organisation eines solchen Vereins sich veranschaulichen will, den verweisen wir auf den „Aufruf zu einer rascheren Förderung der jüdischen Angelegenheiten im Vaterlande" (Hamburg, Herrmann Gobert, 1846), eine freilich nicht im Aufträge der bisherigen Iheilnehmer, aber doch den Grundzügen nach in Uebereinstimrrmng mir ihnen gearbeitete Abhandlung. Indem sich die bisherigen Lheilnehmer nun hierdurch auf Grundlage der nachfolgenden Sätze zu einer Gesellschaft konstituiren, hoffen sie im Beitritt ehrenwerther Männer jedes Glaubens und jeder religiösen Ansicht das erste wirksame Mittel zur Förderung ihrer Zwecke zu finden." i N Ü M „P rogram m. I. Die Aufgabe, den trennenden Einsiuß konfessioneller Verschiedenheiten aus das politische und sociale Leben zu beseitigen, macht in ihrer Anwendung auf die Verhältnisse der Jaden den Inhalt der I u d e n f r a g e aus. II. So weit sich die Judenfrage auf die Einräumung der zur Zeit noch vorenthaltenen bürgerlichen und politischen Rechte bezieht, ist sie ein integrirender Lheil der allgemeineren Frage der Gewissensfreiheit. III. So weit sie sich auf die Ausgleichung der auf dem Gebiete des Verkehrs und des geselligen Lebens noch vorhandenen Verschiedenheiten bezieht, ist sie .mit andern nationalen Bestrebungen darauf gerichtet, durch Einigung in Geist, Gesinnung, Sprache und Sitte die Einheit des Gesammtvaterlandes zu fördern. IV. In der Iudenfrage sind die beiden erwähnten an sich selbstständigen Aufgaben nicht ohne die lebendigste Wechselwirkung. Die Borenthaltung bürgerlicher Rechte setzt einer vollständigen socialen Ausgleichung unüberwindliche Hin-, derniffe entgegen. Andrerseits würde ein innigeres gegensei- ’ tiges Anschließen der Bekenner verschiedener Religionen ein tieferes allseitiges Bedürfniß nach bürgerlicher Gleichstellung Hervorrufen. V. Die ohnehin einem wesentlich andern, und zwar durchaus selbstständigen Gebiete angehörenden religiösen Fragen innerhalb des Judenthums sind im Interesse sowohl der Gewissensfreiheit, als der nationalen Einigung von her Iudenfrage scharf zu sondern. 1) Zweck der Gesellschaft ist, zur Lösung der Iudenfrage, wie diese in den vorcrnstehenden fünf Sätzen dargestellt ist, beizutragen, demnach auf die Beseitigung der politischen und socialen Hindernisse hinzuwirken, die zur Zeit noch dem Juden das Aufgehen in das nationale Leben erschweren. 2. Die Gesellschaft führt den Namen: Gesellschaft für sociale und pvlitischeInteressen derIuden. 3. Mitglied der Gesellschaft wird man dadurch, daß man ihrem Programm durch Namensunterschrift beitritt und sich zu einem jährlichen Beitrage von mindestens 3 Mark verpflichtet.*) Die Begründer der Gesellschaft bilden ein leitendes Konnte, welches sich aus den hinzutretenden Mitgliedern nach Bedürfniß erweitert oder ergänzt. Jedes Mitglied hat das Recht, Vorschläge an das leitende Konnte zu bringen, welches dieselben diskcrtirt, darüber Beschlüsse faßt und für deren Ausführung S»rge trägt. Das propom'rende Mitglied ist jedesmal zu der betreffenden Diskussion mit Stimmrecht zuzuziehen. Das leitende Komite wird die ihm dazu geeignet scheinenden Gegenstände an die allgemeinen Versammlungen verweisen, deren Jährlich mindestens eine zur Berichterstattung gehalten werden muß, und in denen sa'mmttiche Mitglieder Stimmrecht haben. Das leitende Komite beschließt über die etwa erforderlichen reglementarischen Bestimmungen auf Grundlage obiger Sätze. Hamburg, den 23. September 1846. Jacob Bing. Eduard Cohn. M. Embden. Dr. M. Fränkel. Dr. N. Frankfurter. Julius Horwitz. Dr. I. Lazarus. Dr. Anton Ree. Dr. M. G. Salom e n. Dr. M. A. Un ,i a. Dr. I. .Wol fff o n." Leipzig, 4. März. Von Dr. HcrrmanuJeltin e k ist so eben eine 44 Seiten starke Schrift erschienen, betitelt: „Uriel Aoosta'S Loben und Lehre. Ein Beitrag zur Kcnntniß feiner Moral, wie zur Berichtigung der Gntzkow'sthen Fiktionen über Aeosta und zur Charakteristik der damaligen Juden. Ans dm Duellen dargcstcllt. Zerbst, 18^7, 8." ES ist hier das Leben und *) Meldungen zwu Beitritt nimmt Herr Dr. Lazaru s (Mühlenstraße »Nr. 45) an. - 11. *

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