Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1847)
- Date
- 1847-03-12
- Page
- Seite 82 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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vertheilt unisind die israel. Lehrer ganz gleichmäßig! mit den christlichen berücksichtigt worden. Besonders erfreulich ist, daß diesmal auch die Neligionölehrer, welche bisher an derlei Fonds keinen Anspruch hatten, wenigstens in Mittelfranken, einen Authcit an dieser austerordentlichen Unterstützung erhielten. — Unsere kirchlichen Verhältnisse verblieben in dem meugebildcten Ministerium für die kirchlichen Angelegenheiten vorläufig dem katho- I i sich e n Oberkircheurath Dr. H e r b, worüber der „Zivuswächter" in Einfalt jubelt. — Der Vollständigkeit wegen bemerke ich zumeinem frühern statistischen Bericht über die Zähl unsrer Rabbinate, daß sich auch in Fi sch a ch, Kreis Schwaben, ein Rabbiner Namens Land ä u er befindet, wodurch sich die Zahl der Rabbinate in diesem Kreise II und im ganzen Lande auf 44 erhöhet. — Meine früher gegebene Nachricht , aus zuverlässiger Quelle geschöpft, vorr dem Aufhören des .„Sinai" von Dr. A u 6 bestätigt sich nur in sofern, daß diese Zeitschrift nicht mehr bei Büchner, sondern von .neuem Jahr in einer Erlanger Buchhandlung fortgesetzt wird. Aus Wahrheitsliebe gebe ich diese Nachricht freiwillig. — Dagegen ist in unseren politischen Verhältnissen völliger Stillstand und haben die Beschwerden, Anträge und Zusagen in der' Kammer noch nicht den mindesten Erfolg gehabt. Aus der' neuerlichen Verschärfung der Verordnung über das Moralitätspatent v. I. 1808 in der Pfalz / deren Aufhebung von den jenseitigen Abgeordneten so drüigeiid beantragt ward, könnte man den traurigen Schluß ziehen, es werde auch bezüglich unsrer sonstigen Beschwerden keine Verbesserung eintreten. Nicht wahr jedoch ist die oft gehörte und neulich erst öffentlich wiederholte Behauptung, als hätten die Juden in Baiern noch ein Schutzgeld an die Staatsregierung unter einem andern Namen zu entrichten. Nur die adeligen Gutsbesitzer erheben sie, da solche, wenn sie auf den Grundbesitz als früher erworbene Rechte ruhen, nur wie andere Belastuugen des Grund und Bodens vielleicht Ablösung und gütlichen Uebereinkommens aufgehoben werden könne. Wo ater solche Erhebungen auf Herkommen beruhen oder Personalrechte sind , werden sie rechtlich nirgend zuerkcnmt. Der Staat aber erhebt nirgend und unter keinerlei Namen ein derartiges oder anderes Schntzgcld. Ueberall der Wahrheit die Ehre! — Kr. Hamburg, 7. Febr. Vor einigen Wochen versammelten sich in einem Zimmer des Neidenhofeö jeden Mittwoch IO—42 Personen und unterhielten sich über die Aufgabe und Zwecke der Gesellschaft für sociale und politische Interessen der Juden. Jetzt ist das Zimmer zu klein geworden , und mau versammelt sich, in einem Saal, und auch der.Saal ist '6n klein geworden, denn am letzten Nüttwock) waren wohl mehr als 200 Personen anwesend, darunter viele Christen,. „Leute von Ansehen oder pei'solinvL üe qualile", wie man sagen würde , und die Diskussionen werden mit größter Lebhaftigkeit, dabei mit bester Ordnung geführt t Also die I Gesellschaft ist auö dem Stadium der Kindheit getreten, I; sie hat sich schnell eine Bedeutsamkeit geschafft, die selbst | die kühnsten Hoffnungen übersteigt, die Lokalblätter (wozu l in gewissem Sinne für uns auch die Bremer Zeitung | gehört) berichten darüber — und ich darf nun auch nicht I länger mit meinen Mittheilurigen zögern. Was'will die f“ Gesellschaft? werde.u mich Ihre Leser.zuförderst fragen, und ich antworte kurz-und bündig: sie will, daß jeder Unterschied zwischen Juden und Christen aushvre! Ich ä sage jeder, weil ich dabei an sociale und an Politische | Unterschiede denke. Das ist in der That zweierlei , und L darum sei denn hier auch gleich bemerkt, daß die Sek-? tion, welche der Politik, das heißt in diesem Falle, dem ’ Bestreben, die staatlichen Hindernisse der Gleichstellung \ hinwegzuräume'n, ihre Kräfte widmet, erst entstanden ist, während die soci al e n Bestrebungen bereits im besten ■’ Schwünge sind. Eine zweite Frage wird nun wohl die I sein: wie fängt der Verein cs an, eine solchegedoppelte? Aufgabe zu erfüllen, und da sind wir gleich bei der i;\ ganzer: Thätigkeit, soweit sie bis jetzt gediehen ist. Die Gesellschaft erforscht und ergründet nämlich jeden Moments der Juden und Christen — wohloorstanden, außer dem Glauben — unterscheidet, urrd bemühet sich, ( diesen Unterschied aufznheben, z. B. in den Warteschulen waren bisher nur christliche Kinder, jetzt sind auch f jüdische daselbst; arme Juden waren auf den Kleinhan-! del beschränkt, der Verein bewährt sieh, ihnen durch allerlei Handarbeiten Erwerb zu schaffen, er bildet jüdischeHauSkuechte, jüdische QuartierSteute, jüdische Spritzen- [ ' nlänner, jüdische Fabrikarbeiter, er bringt sie dahin, wo [’ . auch Christen sind, und wenn sich auch in dieser so km- \\ zen Zeit die Wirksamkeit des Vereins nur darauf be- \ schränkte, so ist dies Alles auch nur als ein Anfang zu l\ betrachten. Genug, daß die Thcilnahme dafür erwacht 's ist, und eine verhältuißncäßig große Anzahl thä- ■ tigcr Männer für diese Ideen gewonnen sind! Diese f Vereinigung von socialen und politischen Bestrebungen s wird die schönsten Erfolge erzielen, und ich werde sicher s Gelegenheit haben, von Zeit zu Zeit darauf zürnckzukommen. Beigeheud erhalten Sie das Programm der Ge-! sellschast, um dessen Mitthei'lung ich Sie im Interesse t der guten Sache — denn auch von Außen werben sich s die Mitglieder -rhierdurch ergebenst ersuche. jj Hier folgt nun das Programm-, jedoch mit der Veranlaffung zu demselben. ß „G e sell sch a f t für so cia le u nd po l i tisch e Inte r e s s e n der Jude n. Das drückende Bewußtsein der ßungcnügenden Sttllung der Juden Deutschlands in der Ge- §j sellschast und im Staate hat am 10. November 1845 weh- W rere Gleichgesinnte zusamrmnzutrcten veranlaßt, um zur Besg serung jenes Bechältniffes das den vereinten Kräften vcn 8 Privaten Erreichbare bcizutragen. In vorbereitenden Dcc- U sammlungen warm ihre Bemühungen darauf gerichtet, sich - &