Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 10 (5.3.1847)
- Date
- 1847-03-05
- Page
- Spalte 157-158 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Studien. Geschichte der Juden in Kurland 157 Chauffcebau, oder beschäftigen sich mit Graben- Wassertragen und-Holzspalten und dergleichen mehr, und so, keine Arbeit scheuend, suchen sie sich im Schweiße ihres Angesichts redlich zu nähren. — Außer einigen jüdischen Individuen, welche akademische Grade, besitzen, befinden sich hier auch noch 6 exammirte Letz- . rer und 18 sogenannte Melamdim. Mirau hat ferner 3 Synagogen und 3 von der Regierung bestätigte Bethäuser; namentlich: die große Synagoge, die Borkumische (jetzt Lurja'sche) und die Fciedmann'sche; das Bcthamidrasch, das Behrenstamm'sche Bethaus und das Armen - Bethausz 2 jüdische Armenhäuser; 2 von der Medizinalbehörde geprüften Dampf-Neinigungs-Anstalten (pn^UpO) die von Armen unentgeldlich, von Bemittelten-aber für beliebige Bezahlung benutzt werden, und 2 Gottesäcker, einer das Cholera - no, unmittelbar bei der Stadt, und einer das alte ryo, gegen 3 Werste von der Stadt entfernt. An letzterem erhielt die Gemeinde noch im Jahre 1826 von der hohen Krone eine bedeurendeGrenz-Ausdehnung, laut von Einem Departement des Ministeriums der -Reichs-.Domainen unterm 6. März desselben Jahres süb Nr« 456 an der erlauchten' kurlandischen Kameralhof veranlaßten Auftrag; wobei dieselbe, aber 7 Rubel jährlich an das Würzau'sche Busch-. wächter-Gesinde Strautneck zu zahlen hat.—. Unter Andern ruhen auf dem letztern nachstehende jüdische! Celebritätcn: " > - 1) Verfasser, der in - der rabbinischen Welt bekcinncen betitelt wpv; lebte zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts und starb im Jahre 1742 (p"?)b Vpn). - . 2) pfip Q^n' 12 bwil 'im aus Amsterdam, domicilirend in Hasenboth inK urla nd, Verfasser des Buches ruDp mny ouf bie niBry nraö nüS, edirt zu Hamburg 1779. 4. (Siehe meine bibliographische Notizen in Lit. B. d. O. d. I.) 3) Ein im vorigen Jahre daselbst tief in der Erde aufgefundener Stein führt die Inschrift zu einer chiüLO auf b'üxpD 'bl 1)1 PHD ^mn und die Jahreszahl ,-z'^ <1735)5 unb da wie begannt, man vor hundert Jahren nicht so leicht einem das Prädikat .„\3m1V' gab, so muß diese gleichfalls einer würdigen Autorität angehören. —. 4) rpn ■n^ *r\.f Rabbiner zu Mitau, lebte gleichfalls in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts. 5) Qbeugedachter pD!JD/'n s^npHD 3N ^, der in Kurland ün Jahre ppr (1730) eingewandert, und die gleichfalls obengedachten, um einige Decennien später hier lebenden Gebrüder Borkum. 1 6) Endlich, der vor zwei Decennien verstorbene Rabbiner zu Mitau. b'1! ^Kpinv in n'lD il.m — Die Gemeinde besitzt ferner einen schönen sogenannten Hnnmel- Leichenwagen; nur wäre zu wünschen, daß bei Leichenbegängnissen auch mehr Anstand und'Ruhe hersche. — In Mitau bestehen ferner nachstehende jüdische Vereine; und da Referent allen denselben als Schriftführer und Vorstands-Mitglied eine Reihe von Jahren bis 1840 Vorstand, deshalb auch mit ihren sämmtlichen inner» Einrichtungen genügend vertraut geworden ist, so wird er sie auch hier in ihrem wahren Zustande zu charaktcrisiren suchen. : 1) . n-qn oder noü bvj 'non rrnn, NEnlp d. i. Verein zur Bestattung der. Lobten JJ), gegründet. seit 1730. Dieser Verein wird dirigirt von 7 Vorstehern, (DfJNnämlich 3 Direktoren 1 Kastaführer ()DNJ) 1 Schriftführer und 2 Rechnungs-Aufseher wi); alle fungiren unentgeldlich und blos par' Honneur; sie werden alljährlich von den Vereinsmitgliedern durch Pallotage erwählt und die Gouvernements - Regierung bestätigt cs; jedoch müssen dieselben geachtete Männer und von einigem Besitze sein. Für die Bestattung der bemittelten Leichen erhebt der Verein jedesmal einen angemessenen Beerdigungs-Beitrag und bestreitet die Beerdigungskosten dev armen Leichen. Im Durchschnitte kann man die Einnahme und meist auch eben so viel die Ausgabe aus circa 1000 01. Silb. jährlich rechnen. — 2) nhn "lp'3 N33N, ' der Kranken-Unterstützungsv er ein, gegründet im Jahre 1770, wird aus folgender Einnahme un- ' terhalten: a) Von den Beiträgen der Mitglieder, welches 1 R. 44 Krz. S. M. jährlich oder 16 Kop. monatlich beträgt. t>) $on nDlJI DHpJ in der Synagoge bei Gelegenheit des -p njnDV mra nxnp. c) Von den monaitidien Kollekten und von den Kollekten einer Beerdigung, einer Hochzeit und einer Beschneidung, cl) Von einem Th eile der sogenannten n^n N^32»7-Gelder. e) Endlich von dem Erlös für die Gestützte im Bet- Ha-Midrasch. Die jährliche Einnahme und Ausgabe desselben beträgt circa 5000 .Rubel S. M. —;3) rnin -no^n n"iZ3n, 23crctn zur Jugendbildung, gegründet im Jahre 1805, unterhält eine sogenannte Lehrschule von circa 50 bis 60 Schülern. Wer ein.Feuerwerk gesehen hat, sagt der geistreiche.Börne, kennt 0lle, und wer eine Talmud-Tora gesehen hat, behaupte ich, der wird auch alle kennen, und deshalb enthalte ich mich auch jeder besondern Skizzirung derselben. Gegenwärtig sind die Chedarim und Talmud-Lora zwar einigermaaßen modisieirt worden, so daß in denselben außer dem-gewöhnlichen hebräischen Unterrichte auch etwas Russisch re. eingebrockt, wird, verdient aber demungeachtet wegen.derselben herrschenden lauen Disciplin, kei-! neswegs den Namen einer öffentlichen Lehranstalt. Dieser Verein wird unterhalten: ’ a) Von den festen Beiträgen der Mirglider desselben, welches gleichfalls 1 N. 44 Kop. S. M. jährlich und 12 Kop. S. monatlich betragt. 11) Die Tobten werden hier nicht vor 2 Mal 24 Stunden, beerdigt. Eine Maaßregel, die überall nachgeahmt zu werden verdient.