Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1847)
- Date
- 1847-03-05
- Page
- Seite 75 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2360092-2360472-2360483--5823-3532993- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
75 uns diese Gemeinde bekannt, sie auch viele weit bessere Elemente in ihrem Schooße birgt. — Unter Andern verdient gewiß auch der hohe Wohlthätigkeüsstnn der Gemeinde hervorgehoben zu werden , indem, wie wir hören, auch in diesem Jahre, außer dem jährlichen Budget von mehr als 1000 Thalern für Armenpflege, wie-" der über 300 Thlr. zur Unterstützung der Armen durch Lebensmittel aus freiwilligen Beiträgen kollektirt worden sind. — Aus Baiern, im Jan. So viel schon über Baiern und die kirchlichen wie die politischen Verhältnisse seiner jüdischen Bewohner zur Oeffentlichkeit in jüdischen Zeitschriften gelangt ist, so finden wir doch, nirgends eine Zusammenstellung der desfallsigen statistischen Verhältnisse. Und doch zählt Baiern 60,000 Juden, die weder hinsichtlich ihrer Bestrebungen zum Fortschritt, noch ihrer Anstalten hierzu irgend einem andern deutschen Staate, oder im europäischem Lande nachstehen. Rühren diese auch in ihren Grundlagen und gesetzlichen Bestimmungen aus einer Zeit her, in der man sich von oben herab den geistigen Fortschritt mehr' als jetzt angelegen sein ließ, so irrt man doch gewaltig, wenn man glaubt, es gehe bei uns Alles rückwärts. Die zahlreichen öffentlichen Schulen wirken überall unbelästigt 'und ungestört, die meisten unsrer Nabbillen huldigen einem besollnenen Fortschritt auf dem Gebiete des historischen Judenthums, die Beamten sind diesem Streben hold und fördern es überall. Treten nun zwar mancheabnorme Erscheinungen aus Tageslicht, in der Regel geht doch Alles seinen gesetzlichen Gang vorwärts» Die politischen Verhältnisse als bekannt und nicht der Tendenz dieser Zeitschrift angehörig, bei Seite lassend, thcile ich aus persönlichen Bekanntschaften sowohl, wie aus anderweitig gegebenen einzelnen Mittheilungen den Stand unsres Kirchen- und Schulwesens in möglichstem Detail nachstehend mit, und bedauere ich, nur über eillige Kreise Ausführliches geben zu können und das Fehlende seiner Zeit durch weitere Erhebungen nachtragen zu müssen. •' Von den acht Kreisen, in welchen Baiern eingethcilt wird, hat nur Niederbaicrn keine Juden; in den andern ist das Verhältniß folgendes: I. O b erb a lern. Nur München, die Hauptstadt des Landes, hat 140 jüdische Familien, von welchen jedoch viele nur mit Aufenthaltskarte hier wohnen. Neuere Erscheinungen haben dies erschwert. München hat eine prachtvolle Synagoge, in der schon sehr früh eine bessere Ordnung, ohne daß dadurch Zwiespalt in der Gemeinde entstanden wäre, eingeführt wurde, einen wackern Rabbiner, Hc. Hirsch Aub, der, nicht mehr jung , einem gemäßigten Fortschritt huldigt und von allen Parteien wegen seines guten Charakters und seiner Privattugenden geachtet wird. Es hat keine öffentliche Schule. Sie ersetzt das Wolfsheim'sche Institut und Privatunterricht. Der hiesige Handwerksverein, der aber darum nicht umfassend wirken kann, weil die durch ihn Unterstützten in München oder in der nächsten Umgebung ihre Lehrzeit erstehen müssen , ist bekannt. Es studiren auf der dortigen Universität viele israel. Jünglinge und finden bei den israel. Gemeindegliedern vielfache Unterstützung, wie denn überhaupt daselbst jeder Hilfsbedürftige und jedes jüdische. Unternehmen auf Beistand rechnen kann. II. Oberpfalz. Diese hat vier jüdische Gemein-, den, und da diese sehr entfernt von einander sind, in jeder Gemeinde einen Rabbiner. 1) Regens bürg, die Kreishanptstadt, zählt 17 jüdische Familien. Das Rabbinat versehen Vorsänger und Lehrer miteinander. Letzterer, Dr. S chlenker, predigt und ersterer paskent. — 2) Sulzbach hat 50 Familien, einen Rabbiner (Dr. Schlesinger) der dem Fortschritt zugelhan ist und an Hrn. Marschütz einen geschickten Lehrer. Die Gemeinde ist durch Auswanderungen deeimirt und km Wohlstände herabgekommen. — 3) Sulzburg wird von 52 Familien' gebildet und hat Rabbiner und Lehrer in einer Person. Sein Name ist Löwenmeier. Doch führt dieser nur den Titel Rabbinats-Adjunkt, da der alte Rabbiner Weil körperlich noch lebt. 4) Floß. Auch dieser Marktflecken zählt gegen 50 Familien, die noch in einem Ghetto beisammen wohnen müssen. Der dort geborne Rabbiner Wittelshöfer und der Lehrer Goldmann sotten sich um die Bildung der Gemeinde große Verdienste erworben haben. III. Mittelfran ken» Dieser Kreis zählt nach Unterfranken die meisten Juden und hat die größte Zahl von Rabbinaten, nämlich: 1) Ansbach (Rabb. Grünbäum); 2) Baiersdorf (Rabb. Diesbecker); 3) Dittenheim (Rabb. Beitel); 4) Fürth (Rabb. Dr.Löwi); 5) Gunzenbausen (zur Zeit erledigt, wahrscheinlich sich auflösend); 6) Schnaittach (Rabb. Nekarsulmer); 7) Schwabach (Rabb. Wechsler); 8) Pappenheim (Rabb. Emden); 9) Treuchtlingen (Rabb. Skutsch); 10) Mt. Uhlseld (Rabb. Salz); 11) Wasftrtrüdingen (Rabb. Buttenwieser); 12) Welbhausen (Rabb. Dr. Weinmann); 13) Schvpfloch (Rabb. Ehrlich). Außerdem wohnen Juden in Bechhofen, Ermezhofen, Feuchtwangen, Geiselwind, Gnodstadt, Huttenheim, Jckelheim, JcchSberg, Colmberg, Kaubenheim, Lehrberg, Lenkersheim, Leutershausen, Obernzeun, Egenhausen, Suggcnheim, Schemfeld, Schnodseubach, Schopfloch, Bruck, Berolzheim, .Weimersheim, Heidenhcim, Alteumuhr, Kronhcim, Dieteuhofen, Mt. Erlbach, Forth, Hütterrbach, Ottensoos, Georgeusgmünd, Roth, Windsbach, Thatmeßmgen, Eltingeu, Burghaslach, Diespeck, Pahres, Denneulohn, Wittelshofen und Steinhard. — Eine jede dieser Gemeinden hat eine Synagoge und 16 haben vereinigte Elementar- und Religionöschulen und die andern wenigstens eine vollständig eingerichtete Religionsschule. Als die tüchtigsten Lehrer in diesem Kreise verdienen genannt 10 *