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Der Orient · 1847-03-05 · Heft 10 (5.3.1847) · p. Seite 74

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 10 (5.3.1847)
Date
1847-03-05
Page
Seite 74 (sequence 3)
Language
German
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Familie nach ihrem Tode versorgt zu wissen. Ich frage daher Ew. Wohlgeboren ganz ergebenst: „ob es denn nicht möglich wäre/ eine Witwenkasse für die Beamten unserer Glaubensbrüder in Deutschland als Rabbiner- Kantoren und Lehrer zu gründen? Wird nicht. jeder vernünftige und redlich denkende Beamte dieses Anerbieten' mit Freuden aufnehmen?" *) — Ich überlasse cs Ew. Wohlgeboren Ansicht vertrauend,/diese von mir seit Jahren schon gehegte Idee, diesen Vorschlag,ins Leben zu rufen,, und Ew. Wohlgeboren würden dadurch sich ein unendliches Verdienst erwerben, und die Zahl Ihrer guten-Handlungen vergrößern. Posen, 20. Febr. Sie wollen, geehrtester Herr Redakteur, mir gestatten Ihrem achtbaren Herrn. Referenten an Nr. 7 d. Bl. in seiner Provinzial-Revue eine gewaltige U n w i sse n s ch a ft l i ch k e i t, einen unverzeihlichen Fehler vorzuwerfen. Es heißt dort bei Kempen : „An Fortschritt ist noch nicht zu denken".— Herr Referent, wir sind aus bester-Quelle unterrichtet; wenn Sie daher das noch einmal zu sagen sich erkühnen könnten, Sie würden sicherlich injuriarum verklagt, und wer weiß, ob es nicht schon diesmal von den Herren Kempnern geschieht, wenn Sie sich nicht beeilen pater pecca'si zu sagen und schleunigst zu widerrufen. Denn hören und staunen Sie die Fortschritte in dieser ehrbaren Gemeinde an, wenn Sie davon noch nicht unterrichtet sein sollten. Allein, wie sollten Sie nicht! Ein solches factum memorabilei — Nun, es ist, nachdem Rabbiner und Gemeinde lange genug darum herumgezankt, nun endlich doch ein herrliches neues Institut' ins Leben gerufen. Sie dürfen freilich nicht etwa gleich an ein positives Institut denken wollen l Braucht denn zu unserer Zeit noch irgend etwas positiv zu sein, wo Alles nur auf's Negiren ankommt, und'wo man von vornherein mit dem Superlativ anfängt! Ja, ich merke schon, Sie sind gespannter'Erwartung; indeß es hat Schweiß und Mühe genug gekostet, und ließ sich keineswegs so leicht und schnell machen, als Sie es hören und wissen möchten. Nun merken Sie aber ja auf, daß Ihnen kein Titelchen davon entgehe j es ist kurz gesagt da s S chul kl opfen abg escha fft worden. — . Und dieses Faktum in der positiv-historischen Entwickelungsgeschichte der Kempner Gemeinde, haben Sie böswillig ignorirt; denn Sie mußten es doch wissen, mußten sich doch nothwendig mit den wichtigsten /Zeitereignissen innerhalb der Provinz bekannt machen, wenn Sie eine Provinzial-Revue unternahmen. — Sehen Sie, daß wir von einem dortigen Freunde unterrichtet sind! — Doch, glauben Sie nicht etwa, daß der für die Stützung und Erhaltung der Religion eifrigst bedachte Rabbiner so leichtsinnig gewesen,-diesen Schritt-zu empfehlen oder gar gut zu heißen. Nein, es wurde um den alten ehr- ') Mögen sich., noch Andere darüber aussprechen. Red. wiirdigen, durch Tradition von unfern Ahnen, höchst i wahrscheinlich als WO' ntSfäi? hobn fortgetragener, mindestens aber von nn^an rwy als her- | zulcitenden Usus, brav gekämpft, und — wir wissen cs? auö authentischer Quelle, in einer Sabbat-Derascha dem : Volke ans Herz gelegt, es werde nun nicht lange mehr währen, daß mau ein Zelem vor der heiligen Lade hin- [' stellen werde re. rc.! Und als einige Tage daraus der Oberpräsident bcr Provinz, Herr voll Beurmann zur f Revision sämmtlicher Schulen des Ortes — natürlich der israelitischen mit eingerechnet — dort gewesen, vcr- / fügte sich eine Deputation, ein Triumvirat, weil tres . facLunt Collegium, bestehend aus dem alte!: circa 70jäh- / rigen pensionirten Schulklopfer, seinem ihm associirter: s Sohne und dem. Schwiegersöhne eines alten in Ruhe-!, stand versetzten Dajan,' der dabei als Faktor agirte, mit einer wohlgeordneten Petition zu demselben, um Aufrechthaltttng ihrer angefochtenen innersten Ueberzeugung bittend. — Es blieb indeß dabei! Nun, und Sie kön- L nen noch sagen, daß an Fortschritt nicht zu denken! Können so parteiisch dem lesenden Publikum Berichte / schmieden? — Doch lassen Sie's nur gut sein! Noch ein Deccnnium, und die dortige herrliche israelitische Schule, die jährlich an 20 Zöglinge beiderlei Geschlechts, trefflich vorbereitet und nach öffentlich abgehaltener Konfirmation feierlich entläßt, wird ein thatkrästigeres Ge- ' schlecht in großer Majorität herangebildei haben. Es : ist freilich herzlich zu bedauern, daß , wir wir hören, uiUcc 900 schulpflichtigen jüd. Kindern tun: 300 und; zumeist aus den bessern Familien die öffentliche jüdische ' Schule besuchen, in der kein besonderes Schulgeld be- > zahlt wird, weil alle Bedürfnisse der Schule, wie die Besoldung aller vier definitiv angestellten Lehrer aus / Kommnnalfonds bestritten wird; an 15O Kinder aus : der faex populi aber die zwei Missionsschulen (horri-? bile dictu!) besuche!:, ohne, daß der um die Erhaltung der Religion so tief bekümmerte Rabbine, der dies wohl f. weiß, weil er zu unzähligen Malen darauf aufmerksam / gemacht worden, auch nur ein Wörtchen für die Ver- / Hütung proselytenmacherischen Einflusses hat. Die andere “ Hälfte von 440 Kindern aber in etwa zwölf Winkelschulen, in den schmutzigsten mittelalterlichen von den elendesten Individuen unterrichtet werden, von denen £ sogar eines auf der dortigen Polizeiliste akö Trunkenbold verzeichnet ist, nur nach dem Beispiele der sancla eccle- / sia im Bet ha-Midrasch vor einem n"D lm Beisein von h Zeugen schon mehrmals geschworen keine Splrituosa mehr zu genießen, sich aber wahrscheinlich niDD jmv — das Maaß kennen Sie ja, es darf nicht nTO I njTOP sein — innerlich reservirt hat — aber dennoch 8 jedesmal in gefälliger Selbstzufriedenheit zur Belohnung 8 seiner Enthaltsamkeit recht wacker berauscht. — Doch j genug dessen zur Berichtigung resp. Ergänzung Ihres Berichtes. — Seien Sie indessen versichert, daß, soweit H

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