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Der Orient · 1847-02-26 · Heft 9 (26.2.1847) · p. Seite 70

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 9 (26.2.1847)
Date
1847-02-26
Page
Seite 70 (sequence 11)
Language
German
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— 70 - Leiden und Ungerechtigkeiten, denen seine Gläubenöge-! nossen in andern Staaten ausgesetzt sind und solche Wünsche äußert er vor dm. Augen der freien Franzosen. Möge Hr. Bloch seine Rundschau mit derselben Kraft und demselben Eifer bald fortsetzcn! Leipzig, 15. Febr. So eben k'ounnt uns der „Unrvers israelite“ zu, der nun wieder seine frühere Form, als Monatsschrift zuerscheinen, angenommen hat. In der äußern Form hat er durch, schönes Papier und eleganten Druck Fortschritte gemacht, und was den Inhalt betrifft, so erkennt man das Streben des rüstigen Redakteurs, die Komulnnikationsbrücke zwischen den deutschen und französischen Inden immer.mehr zu befestigen und die historische Entwickelung des Jndenthums zu vertreten. Dieses konservative Blatt hat selbst für den deutschen Leser des Interesses genug, jumal Hr. Bloch so schön und treffend ans dem Deutschen überträgt. Auf Eines möchten. wir die Aufmerksamkeit des Redakteurs hinlenken: auf die Juden im Morgentande. In Paris kann manohne allzugroße Mühe statistische und historische Notizen über die zahlreichen Juden des Morgenlandes sammeln. Durch eine solche Sammlung wird der jüdischen Geschichte ein bedeutender Dienst geleistet. Ferner dürste die geschichtliche Darstellung einzelner französischer Gemeinden sowie französischer Gelehrten der Vorzeit nicht minder interessant sein. Möge Hr. Bloch auf dem betretenen Wege fortfahren. Paris, im Fcbr» Das hiesige Haus Rothschild hat dem Maire des sechsten Arondissements 2000 Karten auf je zwei Kilogrammes Brod für die Armen übergeben» — H alev y ist zum Mitglied der Akademie der schönen Künste in Brüssel ernannt worden.— Die Juden in Oran haben eine Subskription zur Gründung eines Hospitals für Arme und eines Einkehrhauses für Fremde eröffnet. — Die Gemeinde zu S tr aß bürg hat sich des jüdischen Pauperismus angenommen. Die erste Subskription, die zu diesem Zwecke gemacht wurde, belief sich auf 5000 Franks. — Hr. Jtamar Cohen macht sich um die Verbreitung der Kenntniß des Judenthums unter die französische Jugend Israels sehr verdient. — Die Königin von England hat Hrn./Anthony Rothschild zum Barvnet erhoben, und im Falle ihm keine männlichen Erben feigen sollten, diese Würde auf seine Neffen Natan- Meyer, Charles- Alfred und Leopold- Rothschild übertragen. — Baron Anselm-Meyer v. Rothschild hat das Großkreuz des Isabellen-Ordens von der Königin von Spanien erhalten. — Die Gemeinden im Elsaß werden allmälig die öffent- 'liche Mizwot-Auktion in der Synagoge abgcschafft haben. (L’Univers isr.) Paris, im Februar. Herr Edm.' Halphen mar bisher Kommunalbeamter der Stadt. Paris, Adsinckt des Maire im zweiten Arrondissement, und verwaltete sein Amt ehrenvoll, so wie zur Zufriedenheit der Regierung, deren konservative Grundsätze er auch theilt. Eben diese Grundsätze aber sind es, die ihm einen Vorzug im Auge der Regierung gewähren und ihn zum Dorn im Auge der Opposition machen, weshalb er bei den eben stattgehabten Wahlen eben so eifrig" von der einen Seite unterstützt, wie von der anderen bekämpft wurde. Bekämpft wurde er von der Opposition, nicht aber verfolgt, wie es in manchem anderen Lande sein wurde, wenn durch Wahl oder Wiederwahl eines Zudem zu einer Ehrenstelle der alte Sauerteig ches Judenhasses seinen Gahrungsdrang geltend macht. Der National, der erbitterste Gegner der Wahl Halphen's, sagte nicht etwa, dieser stamme von Menschen ab, die Christus gekreuzigt haben, oder von Menschen, die nicht mit Dagobert und den Haimonskindern verwandt wären, oder Halphen verwende seinen amtlichen. Einfluß zum Vorrheile des Hauses Israel auf Kosten guter Christen, oder er drücke ein Auge zu, wenn die Juden seines Arrondissements jährlich zu Ostern einem Christenkinde Blut' abzapfen, oder er werde bei ausbrechendem Kriege sich mit dem Feinde verständigen, werde, statt seinen Berufsgeschäften obzuliegen, unter allerlei räthselhaften Ceremonien der Ankunft des Messias harren, um mit diesem rasch nach Palästina zu wandern, eventualitec auch Gelder und Akten der Kommune mitmhmen re. Alles dies hat der National nicht gesagt, denn solche Beschuldigungen haben seit dreißig Jahren in Frankreich aufgehört, Glück zu machen, undes würde sie der gröbste Judenfeind in Paris nur unter der Gefahr, sich lächerlich zu machen (was dort sehr viel heißt),, wagen.. Der National machte den Kandidaten der Regierung wegen zwei anderer Dinge bei den Wählern verdächtig; erstlich sei dieser Mann streng konservativ, was schon der Beistand des Ministeriums zur Genüge beweise, zweitens sei er der Freund und Kandidat Rothschilds. Rothschild ist aber die politische Bete noire des National, und ganz weiß erscheint er uns selber auch nicht. Der Ausgang der Wahlschlacht hat die Verkündigungen der Opposition.nicht gerechtfertigt, und aller Aufwand von Talent und Thätjgkeit ist fast nutzlos hingeopfert, denn der konservative Halphen ist glänzend, und zwar nicht blos zum Adjunkt, sondern zum Maire eines der 12 Pariser Stadtbezirke gewählt, und er wird, ohne Zweifel noch weiter dasAergerniß seiner Regierungs- Grundsätze geben. Werfen wir jetzt einen Blick auf die politischen Grundsätze der französischen Juden im Allgemeinen und der Beamten insbesondere, und vergleichen wir dann die Erscheinung mit den politischen Meinungen .und Bestrebungen der Juden in Deutschland, so wird aus dieser prüfenden Vergleichung ein neuer Gesichtspunkt für die Emancipation der Juden gewonnen werden, der namentlich die Aufmerksamkeit derer verdient, welche bisher so hartnäckig und zum Schaden ihrer eigenen Interessen den ihren Händen jctzt zum Theil entschlüpften Gang der Emancipation gehemmt haben. Halphen und drei der vier Deputaten, welche aus dem

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