Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1847)
- Date
- 1847-02-26
- Page
- Seite 69 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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69 --- Conirnititotten, den Nimbus der Lehrer, die Opfer der Gemeinden, in denen der Aermste oft sein Brod mit dem Jünger des Talmuds theilte, bewundern und den Poetischen Reiz, den das Jeschiba-Leben um Schüler, Lehrer und Familien verbreitete, hochachten müssen. Wo früher sechzig Bachurim die Befriedigung aller Bedürfnisse fanden, könnte jetzt ein einziger Student verkümmern. Die Neuzeit Hat mohl Recht, sich, stolz über die Vergangenheit zu erheben — da sie ihr in der Forderung der Wissenschaft so tief nachsteht. — Man hofft ferner, daß Hirsch Ordnung, Sitte und Anstand in die Gotteshäuser Bringen und an. Belehrungen es nicht fehlen lassen werde. Sinn und Empfänglichkeit, Wille und Thatkrast, lauschende Ohren und offene Hände sind vorhanden; möge sie das neue Oberhaupt richtig benutzen und möge er in Mähren mit derselben Energie, demselben Eifer, derselben Thatkrast auftceten und das Bessere zur Geltung bringen, wie in feinem Landrabbinate zu Emden. Die Kulturgeschichte der Juden wird ihn nennen und Mähren anerkennen. Jedenfalls wird das Auge des gerechten Beurtheiters den Schritten des geistlichen Landesoberhauptes folgen. Frankreich. Leipzig, 15. Febr. Der. „Ilinvers isr." bringt einen mit vieler Kraft und Energie geschriebenen Ueberblick der Ereignisse des Jahres 1846, aus dem wir folgende merkwürdige Stellen hervorheben: ,,Zwei große Verbrecher, Leeomte und Henry, waren nahe daran, Frankreich in ein großes Unglück zu stürzen. Bei dieser Gelegenheit haben die Israeliten, durch ihre Gebete und Theilnahme, neue Beweise ihrer lebendigen Anhänglichkeit -an jenen greßmüthigen Fürsten gegeben, dessen Name in ihrer Geschichte ein ewiges Monument der Gerechtigkeit, der Toleranz- Und, der Dankbarkeit bilden wird. Nach Salomon und Cyrüs, hat Louis Philipp unfern Tempel erbaut." „Zwei berühmte Gefangene, der Prinz Louis Napoleon und der Graf von Montemolin, haben der Gefangenschaft, in welcher die Staatsklugheit sie zurück'gehalten hatte, durch die Flucht ein Ende gemacht. — Möchte der Erstere, nachdem er in Ham die oft strengen Folgen der Gleichheit der Bürger vor dem Gesetze und dem Recht erfahren hat, den Unterschied einsehen, der obwaltet zwischen der Regierung von 1830, welche Allen gleiche Rechte und gleiche Pflichten zutheilte und dem Despotismus vom 17. März 1808, welcher Tausende jüdischer Franzosen in die schrecklichste Lage versetzte! Möchte der Sohn des'Don Carlos, der Nachfolger Ferdinands des Katholischen, gelernt haben, alle Konfessionen zu achten und zu dulden und nach seinen Kräften die gräßlichen Verfolgungen wieder gut machen, die seine Ahnen gegen die Israeliten seines Landes ausgeübt haben". „Dieser junge Prinz muß dieselben heute büßen uni durch seine eigene Verbannung die.Verbannung unserer Väter sühnen. In der Heirath des Herzogs von Montpensier mit einer berühmten Erbin Philipps V. erblicken wir neue Veranlassungen zu der Hoffnung, daß daS Verbannnngsedlkt, über den Häuptern unserer Glaubensgenossen noch immer schwebend, bald aus den spanischen Sitten und Gesetzen verschwunden sein werde. Die Schwiegertochter Louis Philipp's, wird in ihrer neuen Familie, neben so vieler erhabenen Tugenden, die Achtung für alle Kulte und die Liebe für alle Bürger bewundern. Sie wird ihren ganzen Einfluß geltend machen, um jenen schändlichen Fleck, der die Institutionen ihres Vaterlandes — des europäischen Palästiua's — verunstaltet, auszumerzen und wird gewiß beitragen, die Mahnen der jüdischen Märtyrer, welche die Glanbenswuth der Inquisition zu Millionen gefoltert hat, zu besänftigen. An dem Tage, an dem die Israel. Religion in Spanien wie in Frankreich anerkannt sein wird, an dem Tage, wo die Statue des Maimonides in der Akademie zu Cordova wib die des Don Isaak Abravanel im königlichen Palaste aufgestellt sein werden — . an diesem Tage wird man erst ausrufen - können: „Es giebt keine Pyrenäen mehr! Der berühmte Utrechter Vertrag hat doch hoffentlich nichts dagegen einzuwenden, daß die religiöse Toleranz der französischen Regierung auf den Thron Spaniens gesetzt werde." — „Die politische und religiöse Intoleranz der Regierung von Modena ist bekannt und die Ehe des jungen Herzogs mit einer Tochter des Königs von Baiern .hat zu ernsten Besorgnissen Veranlassung gegeben. Hoffen wir jedoch , daß die Verbindung zwischen dem Herzog von Bordeaux und der herzoglichen Familie von Modena, der Sache der Freiheit und Humanität nützen und die Eingebungen des Münchner Käbinets, so wie die absolutistischen Ueberlieferungen des Este'schen Hauses paralysiren werde. — Der Graf von Chambord ist ein Franzose; er ist der Neffe des weisen Königs, der die Karte von 1814 geschaffen und berücksichtigt hat;, seine Anhänger legen ihm freisinnige Bestrebungen und eine aufrichtige Achtung für die Gleichheit der Bürger unter. Möge er dahin streben, seinen Schwiegervater von Modena für diese Bestrebungen und diese Achtung zu gewinnen und Frankreich wird ihm mehr Dank dafür wissen als für die einige tausend Franks, mit' denen er die Armen von St. Germam bedacht hatte." — „Möchte das Evangelium der Humanität eines Tages Pius IX. zurufen: Du bist Petrus, und auf diesen .Felsen werde , ich meinen Tempel aufbäuen und die höllischen Pforten des Ghetto werben nichts gegen ihn vermögen!" So fühlt ein Franzose, der Nichts durch sein jüdisches GtaubensbekenntniK zu leiden hat, für die