Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1847)
- Date
- 1847-02-26
- Page
- Seite 68 (sequence 7)
- Language
- German
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68 sönlichen Federkrieg zum Besten gegeben hat, erklärte zu nicht geringer Ueberraschung des anwesenden Gerichtspersonals: die Gegenwart des zweiten Rabbiners, der ihn öffentlich insultirt habe, mache einen dermaßen widrigen Eindruck auf ihn, den gewählten Experten, daß er sich völlig außer derjenigen feierlichen Stimmung versetzt fühle, welche nach feinem Gewissen ein unerläßliches Erfordern iß bei der Eidesleistung sei. Wenn ein ähnlicher Auftritt schon an sich ein bedauerlicher Vorgang genannt zu werden verdient, so ist es noch weit mehr zu beklagen, daß Hr. Stein, statt dem Skandal durch ein würdevolles Auftreten augenblicklich ein Ende zu machen oder auch allenfalls den Weg der Sanftmüth und Gute einzuschlagen, tiefer in eine Erörterung mit/ dem schon ohnehin sehr Gereizten einging, den kleinlichen Streit nach seiner Weise refmrte, behauptete, nicht der „zweite", sondern der „einzige" Rabbiner hier zu sein, indem er so seinen Kollegen, den HH. Posen und Scheper, diese Eigenschaft absprach und sogar den Justizpersonm von heiliger Stätte aus zurief, sie sollten sich doch an das „tolle Geschwätzt seines Gegners nicht kehren: eine Aeußerung, welche freilich auf den Betroffenen in dem Augenblicke , wo zwei Parteien und eine Gerichtsstelle seinem Gutachten einen mehr als 100,000 FL. betreffendenden Gegenstand zu unterbreiten tut Begriffe standen nicht eben sonderlich anwendbar erschien. Der Beschlußnahme des Stadtgerichts in dieser für künftige Fälle nicht wenig präjudiciären Frage wird nunmehr cntgegengesehen. (D. A. Z.) O e ft e rrei ch. Ans Mahren, 3. Febr. Man ist allgemein auf das gegenseitige Verhältniß, das zwischen Hirsch und Fasse! obwalten wird, sehr gespannt. Hirsch ist ein Mann von Charakter, desstu unparteiischer Blick durch frühere literarische Fehden, die für unsere Zeit in -ein ganz anderes Stadium getreten sind, nicht getrübt wird; Fassel ist, abgesehen von seinem enormen talmudischen Wissen, seiner tüchtigen philosophischen und juridischen Bildung, ein sehr achtnngswerther Rabbiner. Mit der offenen Darlegung seiner Principien undGlaubensanstchtm steht er fast allein unter seinen Kollegen. Niemand wagt,, im echten Sinne des Forschers, ohne Rückhalt das Resultat seiner Untersuchungen auszusprechen, während Fassel mit einer Offenheit zu Werke geht, die Achtung' gebietet. Werden mm diese beiden rabbinischen'Oberhäupter sich als- Rivalen geriren , oder wird das „Tis unita forlior“ ihr Wahlspruch sein?, Das Letztere wäre zu wünschen. Bei alletw gerechten Enthusiasmus , mit welchem der biedere Hirsch von Mähren erwartet wird, geht ihm doch eine Kenntuiß des Terrains ab, auf demzu wirken seine Aufgabe sein wird» Hierin könnte ihm Fassel andie Seiten gehen, da dieser doch das Land ' mit dessen Bedürfnissen genau kennt, und sich einer großen Verehrung bei uns erfreut. Es wird nicht an schadenfrohen und zanksttchtigen Geistern fehlen, welche sich es zum Verdienste anrechnen werden, die Flammen der Zwietracht zu schüren und das Signal zu. einem Parteikampfe zu geben. Es könnter aber nichts Unheilvolleres im Schooße der Zukunft für Mähren entstehen, als wenn zwei Heerlager sich bilden würden, welche die vereinte Kraft absorbiren und zersplittern möchten!- Statt Der energischen Thatkraft, welche Die Frucht des Friedens ist, würde eine Reibung entstehen, die in kleinlichen Plänkeleien sich aufzehren möchte. Fasstl's Partei ist mächtig und eittflußreich, die ihn auf den Landrabbinatsstuhl gesetzt haben würde, wenn er nicht von seiner Kindheit an in Mähren gelebt und unter den Angen Atter groß geworden wäre. Nur die Eintracht, das innige und feste Zusammenwirken kann Großes und Ersprießliches in Mähreit schassen; die Zwietracht, der gegenseitige Egoismus wäre ein Fluch für '30,000 Juden! Und in der Thal würden Hirsch und Fasset ein preiswürdiges Paar sein! OMll LÄ72 cnmo, dieser Spruch möge den beiden Verehrern des Talmuds stets voranleuchten. Aus Wtähren, 9. Febr. Große Hoffnungen erfüllen die Herzen der mährischen Gemeinden. Alles ist hoffnungstrunken, Alles sieht in Hirsch den Gründer einer neuen Periode. Die Männer, in deren' Brust der Drang nach einer freiem Gestaltung der socialen Verhältnisse sich regt, die aus der schwülen Luft veralteter Gesetze in die lebensfrische Gegenwart treten wollen, hoffen daß Hirsch ihrer Sehnsucht Worte, ihren Gefühlen Gedanken, ihren Wünschen Wahrheit verleihen werde. Sie hoffen , daß er an den Stufen des erhabenen Monarchen, Dessen Huld Ungarn und Böhmen väterlich bedacht, der Dolmetsch der heißen und inbrünstigen Gebete umeinen freiem Spielraum zur Entwickelung der Kräfte , sein werde, und die Schranken, welche in soeialerBeziehnng den Juden von seinen an Bildung ihm nachstehenden christlichen Mitbrüdern trennen , einreißen, indem er Das unveräußerliche Menschenrecht in den Inden zeigen werde. Das' Schulwesen, Das von jedem Gesichtspunkte aus betrachtet, großer Reformen bedarf, hofft man, werde er neu gestatten und jene Schulpedanteu, deren ganze Weisheit in Der Hemmung eines regem und kräftigem Geistes besteht, in die gehörigen Schranken weisen. Die Jeschibot, die man bis jetzt mehr verspottet, als ersetzt hat, erwartet man, werde er zw einer neuen Pflanzschule umgestalten und jenen milden Geist, der hunderten von Jünglingen Nahrung, Wohnung und Unterricht gab, Der ein wahrer Stolz der Vergangenheit ist, nicht verkümmern lassen; Würde Jemand die Jeschibot mt Ernst und Liebe historisch zeichnen, so würden wir die edle Hingebung der Jünglinge, den Wetteifer der