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Der Orient · 1847-02-19 · 8 (19.2.1847) · p. Spalte 123-124

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
8 (19.2.1847)
Date
1847-02-19
Page
Spalte 123-124 (sequence 6)
Language
German
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123 Studien. Von der Darstellung der Messiasidee. 124 kirchlichen Begriffen zu reden, das Licht der Welt', der Priesterstamm der Völker,(42, 6. 61, 6V Es ist nun freilich wahr, daß die Art und Weise der Prophezeihungen über die heidnischen Völker den Uinvrrsalismus in sofern als keinen generellen erscheinen läßt, .als der Völker überhaupt nur i» Bezug auf Israel Erwähnung geschieht. Babel, Damaskus, Moäb, Egypten stehen alle in engerer Beziehung zu den nationalen Verhältnissen Israels,, und Stellen wie 17, 14: „Dies ist das Loos unserer Be- ( dra'nger, das Loos derjenigen, die uns berauben" und 34, 8: „Einen Tag. der Rache hält Gott, ein Jahr der Vergeltung zum Streite für Zion" lassen als Hauptschlüssel zum Verständniß aller ähnlichen Prophezeihungen über die Heiden das messianische Verhältniß Israels immer noch als ein bevorzugtes und isolirtes erscheinen. Aber es ist zu bemerken, daß in den Zeiten der Offenbarung und messianischen Prophezeihung das Verhältniß Israels zur Religion wirklich noch als ein besonderes und partikuläres erscheint, und' ttv Rücksicht daraus, daß zur Realisirung der Idee .von der universellen Anerkennung und Ausbreitung israelitischer Religion und Lehren Israel als Mutterpflanze und Zion als Feuerheerd religiöser Begeisterung und Erleuchtung anzusehen ist, anfänglich das religiöse Verhältniß Israels als ein partikulär-nationales auch bleiben muß. Es hatte von vorn herein die Offenbarung eine universelle Bestimmung, und wenn hierfür vorläufig die partikuläre Absonderung und Verschiedenheit Israels gerechtfertigt erscheint, so ist dieselbe auch siir den Beginn messianischer Zustande als solche anzusehen, weil diese nur das zweite Stadium zur Verwirklichung der göttlichen Ideen bilden, welche durch Israels sündhaften Abfall und Widerspruch im ersten vereitelt worden ist. Dazu kommt, daß die Idee des Universalismus eben nicht auf jene in Rede stehenden Prophezeihungen von den Völkern zurückgeführt wird, sondern diese in ausdrücklichen messianischen Verkündigungen allgemeiner Ausbreitung der israelitischen Lehren, wie überhaupt in der ursprünglichen universellen Bestimmung der Offenbarung ihren Grund hat. Auch ist es nicht einmal wahr, daß alle derartigen Prophezeihungen ihrem nationalen Verhältniß zu Israel ihre Entstehung verdanken, die schon oben berührte Verkündigung über Tyrus (23) trägt vielmehr einen ganz selbstständigen Charakter. Auch erscheint selbst in der Verkündigung über 'Egypten das Verhältniß dieses Landes, abgesehen von seiner früheren Beziehung zu Israel, ganz neu, so daß der Universalismus schon in solcher Erweiterung dargestellt erscheint, daß wir hier für die Zukunft wie bei Israel Gotteserkenntniß und Altäre erblicken (19, 18 ff.). Aber das ist wahr, wenn auch nicht immer auf das nationale, so haben alle diese Propheizeihungen über die Heiden doch Bezug auf das religiöse Verhältniß Israels und dessen Lehre. Selbst die Strafe, welche Gott an den Völkern nehmen will, auch wenn dies, wie 51 Ende, zu Gunsten Israels geschieht, hat nur eine religiöse Bedeutung, indem die Strafen vom religiösen Standpunkte Sold der Sünde und Erziehungsmittel in der Hand Gottes ist. In Bezug auf Israel erkennen wir dieselbe aber darum als nothwendig , weil das drückende Verhältniß Israels durch, die Herrschaft der Völker als deren Widerspruch gegen die Lehre Gottes und das Verhältniß zu ihm aufgefaßt erscheint. Auch die prophezeite Unterwürfigkeit der Völker unter Israels Herrschaft und dessen Bedienung durch die Könige der Nationen (60, 9 ff.) ist nur im religiösen Sinne aufzufassen als eine Unterwerfung der Völker unter Gott und Bekennung zu dessen Herrschaft und. Lehre/ wie es auch wiederum zum Triumphe der Religion gehört, Israels Glück in Felge dessen zukünftiger Bekehrung' und Gerechtigkeit als ein vollkommenes zu schildern. Es wird diese religiöse Beziehung 61, 6 dadurch angedeutet, daß dieses Dienstverhättniß der Völker von der priesterlichen Bedeutung Israels für sie hergeleitet wird, und 60, 19 werden ausdrücklich Friede und Gerechtigkeit als die Symbole der zukünftigen Herrschaft angegeben, die als solche in Zukunft uur eine moralische sein wird. Daß nun bei allen diesen Zeichen vom Unkversaliemus der Messiasidee das daneben aufrecht erhaltene nationale Verhältniß Israels nicht im partikularistisch-isolirendem Sinne zu nehmen ist, dafür spricht außer den früher angeführten Zeugnissen vor Allem die Stelle 25, 6. Es ist hier deutlich, daß die Versammlung aller Völker auf dem Berge des Herrn nur sinnbildlich gemeint sein kann» Hiervon geht das , reelle Glück aus für alle Völker (33. -7), und Israels Schmach wird weggenommen sein von der ganzen Erde (33,8), worunter nur das bisherige drückende Verhältniß zu verstehen ist,-worin dieses Volk zu den.übrigen Völkern stand. „Tod und Thräne, die schwinden werden" (das.), sind eben nur Symbole der aus diesem Verhältnisse hervorgehenden Erdenleiden, die jedoch auch in Rücksicht auf die zeitherige Geschichte Israels reelle Bedeutung haben und im eigentlichen Sinne genommen werden können. Daß demnach hier nicht an ein extemporirtes Aufhören des Todes und aller Leiden im Mes- . siasrciche zu denken ist, dafür spricht vor Allem das daneben stehende und zur Erklärung-dienende rann. , Die universelle Bedeutung ist also nirgends, auch nicht in den scheinbar partikularistisch - nationalen Beziehungen zu leugnen. Einen unbestreitbar deutlichen Beweis für das Vorhandensein solch universeller Prophezeihungen in der Messiasidee liefert auch der Inhalt des 53. Kap. Es ist dies bekanntlich die berühmte Fundgrube christlich-dogmatischer llnterscheibungslehren und die vorzügliche Veranlassung zu dem Glauben an einen leidenden Messias, dessen Opfertod nothwendig gewesen sei zur Sühne des in Sünde versunkenen Menschengeschlechts. Die geschichtliche Erfüllung ditser Prophezeiung wird-dann, wie bewußt, in dem Kreuzestod Jesu gefunden, der aLs ein zufälliges, historisches Ereigniß dadurch eine in sich rwthwendige Bedeutung erhalt. Die falsche Auslegung dieses Kap. ist, wenn aus nichts Anderem, schon aus dem falschen Begriffe der mosaischen Opfer erkennbar, welcher offenbar hierin aus dem Judenthum

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