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Der Orient · 1847-02-19 · 8 (19.2.1847) · p. Spalte 125-126

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
8 (19.2.1847)
Date
1847-02-19
Page
Spalte 125-126 (sequence 7)
Language
German
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125 Studien. Won der Darstellung der Messiasidee. 126 l ins Christenthum hinübergenommen erscheint. Es geht näm- | Lich diese Ansicht von - dem sühnenden Opsertod Christi von der Meinung aus, daß das geschlachte Opserthier in der mo- U saischen Opfertheorie den stellvertretenden Tod des büßenden z Sünders zu leiden gehabt habe, nachdem ihm die Schuld und t das Vergehen desselben imputirt worden sei. Abgesehen dak von, daß für das Thier ein eigentlicher Schuldbegriff und i somit die Imputation eines Vergehens gar nicht zugelassen werden kann, wäre, so hierauf die mosaische Opfertheorie 7 dastrt wäre, das alleinige Sündopfer ausreichend gewesen, und bliebe die Mannigfaltigkeit der Opfer unerklärlich. Die!‘v Einrichtung eines sogenannten Speiseopftrs, als unblutig und ohne, wir'wollen nicht sagen , psychischen, sondern selbst ani- ■\ malischen Zusammenhang mit dem-Menschen, wäre auch ganz ohne Grund und Berechtigung. Das mosaische Opfer, selbst das Sündenopfer, beruht vielmehr gar nicht auf der angegedenen Substitutionstheorie, sondern hat, wie der ganze mofalsche Kultus eine symbolische Bedeutung. Die Gottesver-?•: ehrung, die überhaupt für den sündhaften oder bereits ver-?; schuldeten Menschen dessen Annäherung zu Gott bewirken und die Notwendigkeit dazu darstellen soll, thut dies'bei Moses , durch symbolisch-objektive Formen und Handlungen, was bei uns seit dem Aushören der Opfer durch das Gebet, das Wort, f. als den Ausspruch des in den symbolischen Opserhandlungen eingeschlossenen Gedankens geschieht. So allein ist das be- V ständige Opfer, als der Ausdrück des in sich und ewig I’; nothwendigen Näherungsverhältnisses des Menschen zu Gott, l so allein ist die Benennung der Opfer durch ^Annäherjr' ungsmittel) und der. Opferhandlung durch (annähern, |die Annäherung darstellen und bewirken), so ist auch wegen der Verschiedenheit der Verhältnisse des Menschen zu Gott :1. die M a n n i g f a l t i g k eit der Opfer als Dank-, Freuden- und Sündopfer und so auch endlich.die Berechtigung und l-\ Zulässi'gung des unblutigen Speise op fers erklärlich. Haben wir nun hiermit die Grundlage der christlichen ■•’f Auslegung dieses Kap. und der darauf beruhenden dogmatischen Consequenzen als unberechtigt nachgewiesen, so ist unsere An-; stcht von dem Inhalt dieses Kap., daß es eine Anerkennung; Israels im Munde der Völker enthält, die da einst sagen 7 würden, daß jenes um seiner göttlichen Lehre willen so lange? uud so Vieles gelitten, um ihrem priesterlichen Berufe getreu ' st'e zur Anerkennung Gottes und Annahme , seiner Lehre zu bringen. Es werden diese Leiden zu dem angegebenen Zwecke - so dargestellt/ als wenn Israel gleichsam hiermit die 7 Sündender Völker getragen und gesühnt habe, und der $ besitz vieler und mächtiger Völker als Anerkennung seines I Verdienstes wird ihm dafür verheißen. Was also nach Anleitung dieses Kap. im Christenthum der Persönlichkeit Christi o ^lgelegt wird, hat eigentlich 'nur Bezug auf das V o lk Jsrael» Wir finden den Beleg hierzu nicht nur in den früheren? wessianischen Stellen, die eine eben solche Beziehung Haben, -- sondern namentlich in 49, 7, wo die Idee des 53 Kap. ähnlich ausgesprochen und die Beziehung dieses Kap. auf das Volk ausdrücklich heworgehoben ist (33. 3)*.' Es ist diese Stelle das 49. Kap. gleichsam das Thema-des Klageliedes und Bußgesanges, wozu das 53. Kap. dr> ausgeführte Variation bildet. Ein Analogon dieser Uebertragung einer volkstümlichen Beziehung Israels, auf die Persönlichkeit Christi liefert auch das Dogma von der Sohnschäft desselben nach Stellen wie Ex. 4, 22. Jer. 31, 9 rc. Die historische Erfüllung unserer Prophezeiung erkennen wir nicht nur in der überall und in sich nothwendigen Duldung und Aufopferung zur Realisirung einer Idee, sondern auch in der seitherigen Geschichte Israels bis auf die jüngste Gegenwart And dessen noch immer dahin zielendem Streben und gehegter Hoffnung auf eine universelle Anerkennung seiner religiösen Wahrheiten und Lehren. Dies im Allgemeinen. In Bezug auf Einzelheiten findet die christliche Deutung dieses Kap. auch eine Widerlegung und eo ipsu .bie unsrige eine Rechtfertigung durch id1? in V. 8, wo der Pluralis auf die Persönlichkeit Christi bezogen, gar nicht Platz hat und keine gegründete Erklärung finden kann. Ebenso pnDD im V. 9, mag man dieses nun von fYJD „Tod", oder nach Jbn Efra als unregelmäßig pünktirte Form für im passenden Parallelismus zu nehmen, wo ebenfalls das suff. plur. nach christlicher Auslegung schwierig und unerklärlich ist. Jedoch möchte , sich vielleicht für die Erklärung des nach Jbn Efra wohl nicht eine Parallelstelle des ni03 in der Bedeutung von „Grabhügel" auffinden lassen, obgleich diese Bedeutung dichterisch zulässig scheint. V. 8 steht ebenfalls dichterisch für uyt^DD. -p&yy 33. 9 faßt nach jüdischen und christlichen'Auslegern den Reichthum von seiner nachtheiligen und unmoralischen Seite auf (vgl. Hiob 27, 19). Es bilden hier wie rnED und rüp, so und Parallelglieder. So man aber auch um jener seltenen Bedeutung willen, die wir dem an dieser Stelle vindicirt, dieses zweite Glied des Verses im christlichen Sinne auf eine Erscheinung des Messias in gloria wie das erstere' auf eine solche in gratia deuten zu müssen glaubt: so geht dies ebensowohl nach unserer Ansicht konsequent von dem ganzen Volke ans, ohne genölhigt zu sein, hier, wie im ganzen Kap. die Prophezeiung auf einen persönlichen Messias zu substituiren. -psyy hat nämlich in seiner ersten und gewöhnlichen Bedeutung mehr Beziehung zu dem in Zukunft erhofftrn Zustand des israelitischen Volkes, als zu dem hier untergelegten mystischen. Verhältniß des christlichen Messias. Der Tod des Volkes (v>nD3) ist dann auch den anderen Stetten dieses Kap. ähnlich von den irdischen Leiden und der politischen, wie socialen Unterdrückung Israels um.seiner Lehre willen zw verstehen. Außerdem aber ist nach dieser ") Dies wird auch von christlichen Auslegern zugestanden. Jedoch siliven Diejenigen, welche die Beziehung des. 49. Ka-p. auf den christlichen Messias annehmen, einen Widerspruch damit in V. 8 ff-, wo sie eine Beziehung aus das Volk gelten lassen. So Vitringa mit Bezug auf 2 Kor. 6, 2.

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