Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1847)
- Date
- 1847-02-19
- Page
- Seite 60 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2360092-2360472-2360481--5806-3532958- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 60 Kerls". Unser König hat die Schriften eines gewissen Doctor Zunz h\ seine Privatbibliothek ausgenommen. Doch nein! Ich muß mich korrigiren. Das Faktum ist anders. Der Kaiser von Oesterreich hat. die Werke des berühmten Dr. L. in seine Privatbibliothek aufzunehmen geruht. Wie gerührt wird das.Herz des erhabenen Monarchen werden, wie wohlthätig wird es für alle Verhältnisse der Juden sein, wenn Se. Majestät die Übersetzung des Tal-Gebetes lesen werden. Man will aus diesem Umstande auf den Erlaß der böhmischen Judensteuer schließen, indem das Minister-Konseil, durch das Machasor, von den außerordentlichen Lasten der Juden sich überzeugt haben soll. — Nun zu meinem Spree-Athen. Ein junger Historiker will unserer Residenz den Namen ,,Athen" streitig machen, weil es in ganz Berlin keinen Sokrates gebe und in Athen keine Juden gewohnt haben sollen. Unser Nabbinat ist mit Mischehen beschäftigt, und die Genossenschaft soll folgende zwei Fragen an das Kollegium gerichtet haben: 1) Ist eine Ehe zwischen einem Reformgenossen und einer frommen Berlinerin gestattet; 2) welche Bewandniß hat es mit einer Ehe zwischen einer jüdischen Gemeinde und einem mchtjndischen Geistlichen? /Die Gemeinde zu Papa soll auch mit einer ähnlichen Mischehe beschäftigt sein, und einige Mitglieder der Gemeinde haben auf M.angetragm, um die npina geschlossene Ehe aufzulösen , und da der rnN ein begeisterter Magyar ist, so soll der Scheidebrief in ungarischer Sprache abgefaßt werden, damit ihn H der ungarischen Juden n i ch t verstünden.' Uebrigens soll auf dem nächsten Landtag der Magyaren das corpus delicti des Hrn. Löw: die wollenen Hosen mit leinenen Taschen der Ständcversamnllung vorgelegt werden und Deak und Kossuth werden eine glänzende Rede über das jüdische Sans.kulottenthum in Ungarn halten. Urigarn ist groß und der Stuhlrichter ist sein Prophet! — Sie sehen, mein Herr Redakteur, daß ich ein aufmerksamer Leser der jüdischen Journale hin, ja auch Ihren ,,Orient" nehme ich mit in den Kauf. Wie? Wird man nicht mehr essen dürfen? Will Ihr Breslauer Korrespondent uns auf den Mund legen? Wahrhaftig man ist vor den Argusaugen Ihrer Korrespondenten nicht mehr sicher, und nicht einmal ruhig zu essen ist uns gestattet. Fürchtet Ihr Blatt nicht den Baun? Die „Mauksch 's" leben noch und Sl. Nikolau ist noch auf der Karte ju sehen. — Von einem hiesigen Gelehrten erscheint binnen Kurzem.: Beweise, daß Pfaffen keine Rabbiner, aber Rabbiner Pfaffen sind. Ferner: Protokolle, der ersten nicht abgehaltcnen Tbeologen-Versammluttg in Hexametern. Sobald diese Schriften erschienen sein werden, wird er so frei sein, Ihnen Auszüge mitzutheilen. Die Auszüge werden hoffentlich so interessant wie der Auszug aus.Egypten sein, da sie noch mehr als 5DQ enthalten, nur daß Wenige trocken durchgehen werden. — Kennen Sieden Roman von Willibald Alexis „die Hosen des Hrn. v. Bredow"? Hr. Häring will nun „die Hosen der Gemeinde, zw Papa" als einen historischen Roman bearbeiten, den Dr. Lettens dann aus dem Griechischen m's Hebräische übersetzen wird. * Berlin, im Februar. Es war im vergangenen Jahre in diesem Blatte von einer Gesellschaft jüdischer Gewerbetreibenden zur gegenseitigen Unterstützung in Krankheitsfüllen, die hier von dem Gürtler und B ro uz e u r H alle angeregt war, die Rede gewesen. Diese Gesellschaft hat am 31. Januar das Jahresfest ihres Bestehens gefeiert und in einer statutmmäßigen Generalversammlung die Berichte über das in diesem ersten Jahre Geleistete entgegen genommen. Die Gesellschaft besteht fast aus 30 Ehren- und 120 ordentlichen Mitgliedern, hat nur 21 Individuen zu unterstützen nöthig gehabt, was ebensowohl für den guten Gesundheitszustand als für das Anständigkeitsgefühl der jüdischen Handwerker spricht und vermochte 300 Thlr. zum eisernen Fond zu schlagen. Es will das. in einer so viel beklagten Zeit wie die jetzige ist, viel sagen. In einer Debatte war viel von Aenderungen der Statuten die Rede, aber man will erst noch durch längeres Bestehen ihre Giltigkeit prüfen. Nach Beendigung der Geschäfte kam natürlich ein heiteres Abendessen, denn eine Debatte macht Appetit. Man aß und wank und hatte Toaste zum Compot. Der Erste galt dem König, dm Zweiten brachte der Präses (Herr D. L. Löwe) der Gesellschaft und ihrem Gedeihen (der alsdann wirklich auf die Gesundheit der Gesellschaft zu trinken hatte). . Joseph Lehma n n , für alle jüdische Interessen in Leben und Wissenschaft innig belebt, brachte als Ehrenmitglied in seinem Toaste einige treffliche Sprüche in die Gesellschaft und schenkte ihr die Verfasser derselben, alte Rabbiner, zu Genossen. Die Ehre des Handwerksstandes ist bei den Juden älter als man glaubt, nicht erst, seitdem die Reform entstanden ist, widmet man sich diesem Theit des Lebens. Das ganze Mittelalter ist davon Zeuge. Andere Trinksprüche galten dem Präses und dem bescheidenen Stifter Herrn Halle. Wir haben nicht nöthig hinzuzufügm, daß je größer der Verein, um so besser die Lage der Mitglieder werde. Er gleicht einer Assekuranzgesellschast gegen wirklich böse Zeit, gegen Krankheit. Makar. Oe st er re i ch. Aus Mahren, 1. Febr. Man Hai in jüngster Zeit viel von jüdischen Semknarien und Fakultäten gesprochen. Wer den Zustand der jüdischen Wiffenschast kennt, wird gewiß die Nothwcndigkeit von Seminarien elnsehen. Die Ausführung ist aber sehr schwierig, weil man die Freigebigkeit, die sonst den Bachnrmr zu Theil wurde, hat ganz verkümmern lassen. Außer Berlin,