Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1847)
- Date
- 1847-02-19
- Page
- Seite 59 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2360092-2360472-2360481--5805-3532957- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
- 59 - dem ansehnliche Zusagen, so daß mar: zur Ausführung schreiten konnte. Das Uetrige besagen die Statuten. Ich behalte mir vor, über den weitern Fortgang zu berichten. . I. Leipzig, 8. Februar. Die rohen Scenen in Galaez erfüllen den größten Theil der deutschen, französischen und. englischen Journalistik mit Unwillen und Abscheu. Selbst die „Augsburger Allgemeine", die sonst nicht allMudenfreundlich ist, hat einen sehr scharfen Bericht darüber erstattet. Der „Oonslitutionel", das Organ des E.rministers Thiers, hat auch einen Bericht darüber ausgenommen. Wir schreiten fort. Man schämt sich doch, daß die christliche Liebe mit Mordschlägen der rohesten Art gepaart sein soll. Berlin, im Februar. Die hiesigen Reformer sollen auch, irr Angelegenheit der Falkson'schen Ehe, ein Gutachten abgegeben haben, das aber vorn hiesigen Rabbinatskollegimn unberücksichtigt blieb. Wahrscheinlich ist Hr. H o l d h ei m der Abfasser des Gutachtens, da§ aber von seinem Standpunkte aus überflüssig - ist. — Die ,,Angsb. Altgem." rath dem Staate die Zulassung gemischter Ehen au, da solche Ehen die beste Bekehrungsgesetlschaft wäre. In Deutschland muß Alles vom kirchlichen Standpunkte au§ beurtheitt werden! Berlin, im Febr. Das OberlandeSgericht zu Königsberg hat an das hiesige Rabbiuat die Frage gestellt, ob ein Jude als solcher sich den christlichen Ehegcsetzen * unterwerfen könne. Die Antwort ist bejahend ausgefallen, insofern unter dem Ausdruck der schriftlichen Ehegesetze" Vorschriften derjenigen ehelichen Pflichten, denen sich der Jude als Mensch zu unterwerfen habe, verstanden würden; entschieden verncinend dagegen, insofctn damit die christliche Form der Trauung und was damit zusammenhängt gemeint wäre. Berlin, 4. Februar. Das so eben veröffentlichte Patent des Königs in Betreff der Stände, welches das Reich der Hoffnungerl aufgelöst hat, läßt wohl hoffen, daß das vielbesprochene Jndeugesetz ohne Zweifel bald Nachfolgen werde. Das Jahr 1847 kalur mit einem Schlage einen neuen Geist, neue Verhältnisse und Zustände in unserer Monarchie geltend machen. — Ein Artikel aus Frankfurt a. M. in Nummer 6 Ihres Blattes hat hier Aufsehen erregt. Ein Deist erhebt seine Stimme in einenr Blatte , das sonst den mäßigen historischen Fortschritt vertritt, und will allen Nnancirungen des RabbinerthumS ein Zenguiß der Ueberftüssigkeit ausstellen. Wenn Gebetbücher überflüssig, Rabbiner deraltet und Predigten nicht mehr angemessen sind, so ist auch der Kampf in politischer und socialer Beziehung eine vergebliche Mühe. Wer sich in einem solchen Paradies der Aufklärung bewegt, wie der Frankfurter Deist, der thäte wohl besser, eine speciell jüdische Journalistik für ein Vorürtheil zu erklären, das der spätem Aufklärung weichen werde. — Das Literarische Leben friert bei uns ein. Weder Vorlesungen noch schriststellerische Arbeiten verrathen , daß hier die Metropole der jüdischen Wissenschaft sei. — ■ Berlin, 12. Februar. Ein Berliner Stern ist im Begriffe, Ihnen einige jüdische Verhältnisse beleuchtende Strahlen zuzuwersen. Weniger egoistisch als die Franzosen, die ihren Leverrier in den Himmel versetzen welken, will er gern sich nach seinem ersten Entdecker nennen, sollte dieser auch ein Engländer sein. Wenn Ihr Stern-Korrespondent von sich in der dritten Person spricht, so hat er sich Moses, Samuel und den Redakteur der „Allgemeinen Zeitung der Chinesen" znm Muster genommen, die aus Unparteilichkeit in ihren parteii- : scheu Orgauen von sich reden, als wenn sie's nicht wären, und sich selbst Weihrauch streuen, wie ein anspruchloscr Berliner. Aus diesen Zeilen werden Sie bereits ersehen, daß Sie es mit keinem Kopfhänger, mit keinem frommen Mitglied der R.-V., noch mit einem Radikalen der T.-V., sondern mit einem lustigen Matrosen zu thnn haben, der sein Schifftein unter Lust und Scherz in den Hafen des „Orient" cinlanfen läßt. Wenn der Korrespondent sich einen Matrosen nennt, so will er das wässerige Element andeuten, das er zu befahren gedenkt. Wasser ist das Bild der jüd. Zustände, denn die vom leichten Caliber schwimmen obenauf, AtleS bewegt sich auf der Oberfläche und selten gelangt mau auf den G r u n d. Wind wird gemacht , damit die leichten Fahrzeuge ihren Fortgang nehmen können, Nothsignale werden gegeben, damit dieser und jener Kahn nicht uutergehe. Ich trete meine Reise an; folgen Sie. mir. Wir gehen in die Buchdruckerei, um eine neue Allsgabe des „B iur" zu bestellen. Es haben nämlich jüdische Pädagogen das Bevürfniß gefühlt, der zarten Jugend die Erklärungen eines Salomo Dubno, eines Hartwig W e ss c t y re. . vorzutragen. Welch' ein reizender Anblick, einen 10jährigen Jungen den Levitiens mit der Erklärung Wessely'ö lesen zu sehen! Sollen, wir aber den „Biur" so einfach und schlicht, wie es nur ein bescheidener Berliner sein kann,.-in die Welt hinausschickcn? Da kommtmir eine Nummer der,,Sonntagsblättcr" zu Statten, die uns die erfreuliche Nachricht mittheilt, daß der hebräische Petrarca, Hr. Stern m Wien, den „verkauften Schlaf" von Saphir in'S Hebräische, in die Sprache Jesaja's, übersetzt. .Vielleicht verkauft uns Hr. Stern den „verkauften Schlaf", dm wir den Kindern als Appendix gratis mittheitm. Unsere hebräische Literatur sterescirt! In Wim läßt man die Manuskripte alter Gelehrten in der Bibliothek sanf entschlafen und übersetzt Hrn. Saphir in's Hebräische! Vielleicht haben wir noch die Freude, des Humoristen Akademien in hebräischer Sprache zu leseu, oder die berühmte Reisebeschreibung von Eisete und Beisele. — Nun höre»! <&ie einmal einen großen Fortschritt, größer als der des . „Chinesen des 19. Jahrhun- 8 *