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Der Orient · 1847-02-19 · Heft 8 (19.2.1847) · p. Seite 58

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 8 (19.2.1847)
Date
1847-02-19
Page
Seite 58 (sequence 3)
Language
German
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— 58 - und sollten sie auch Jeden hinein zwängen und ihn aufdringen. Es giebtcine Menge kleiner, moralischer Falschheiten, die man jetzt übt, yhne zu glauben, daß sie schädlich sind, so wie man ungefähr auS Gleichgültigkeit gegen seine Gesundheit — Tabak rauchtl Später — kommt oft eine Abzehrung davon. Die Gemeinden heißen doch nur so in religiöser Beziehung, ohne diesen Anhaltpunkt, konnten sie sich sonst alle in einander anflosen. — Jenem Einsender rufen wir schließlich zu, daß wer es gnt mit seiner Gcmcinde meint, seine Privatansicht in jeder Beziehung dem allgemeinen Besten unterordnen muß und würde so manches Mitglied des jetzigen Gemeinde-Vorstandes auf diese Art handeln, dann könnte er erst als Devise das quidquid agis, prud'enter agas cmnehmen l —; f* A. Z. Frankfurt a. M. , 20. Jan. (Israelitischer Frauen-Verein zu Frankfurt a. M.) Indem ich Ihnen die Statuten dieses Vereins übersende*), erlaube ich mir einige Worte hinzuzusügeu, um den Gesichtspunkt festzustellcn, von welchem aus diese neue Stiftung richtig 311 würdigen sein dürste. Schon der selige Dr. Cr ei z e nach und noch besonders seine überaus wohlthätige Frau äußerten oftmals den Wunsch, daß hier ein Verein, zu Gunsten derjenigen unbemittelten ^Mädchen entstünde, welche etwas lernen wollen, wodurch sie arbeitend und schaffend ihr Brot erwerben können. Die Zahl solcher armen Kinder aus der Umgegend ist hier ansehnlich genug, um bedeutende Kräfte in Anspruch zu nehmen, wenn eben der Zustand nicht so kümmerlich bleiben soll , wie er ist. Diesen näher darzustellen, nehme ich aus sehr einleuchtenden Gründen Anstand , nur will ich sogleich bemerken, daß von sittlicher Verderbtheit im gewöhnlichen Sinne des Wortes selbst bei dieser ärmem Klasse nicht die Rede sein kann, man muß vielmehr zugestehen, daß höchst selten Beispiele von solcher Gesunkenheit Vorkommen. Wenn der moralische Zustand der ärmeru Individuen weiblichen Geschlechts ein Bedenken erregt, so ist er eher in einer verkehrten Geistesrichtung zu suchen, . m einem falschen Streben nach äußerem Glanze, nach einer nicht angemessenen Stellung, nach einem Scheine von höherer Bildung und von Berechtigung zu höher» Ansprüchen, welche dann auch theils. in Hinsicht der Verheirathung geltend gemacht wird, theils zur Wahl solcher Geschäfte verleitet, die hin und da zufälligen Gewinn bringen (als Lotterie, Kleinhandel, Zwischenhandel, Makelei. re.) meist aber von der echten Häuslichkeit und gewerblichen Tüchtigkeit ablenken. Wer nun die Verhältnisse zu beurtheilen versteht, erkennt hierin die Quelle vielerFamilienllebel, Vermögens-Zerrüttungen, unrichtiger Bestrebungen, *) Wir werden in der nächsten Nummer Einiges daraus mittheilen. Red. und zu gleicher Zeit bei Vergleichung der arbeitenden Klassen unserer Mitbürger, eine Veranlassung zur Verkennung der Fortschritte unserer Bildung, denn diese müßten sich vorzugsweise darin zeigen, daß die fähigen Kräfte .endlich mehr auf ihre Arbeiten und Leistungen vertrauenals auf!die Mildthätigkeit - und daß sie in der Arbeit größere Ehre suchen als "im glänzenden Schein. Eine solche Umwälzung der Leben öanschauung ist nicht leicht zu bewirken ,; zumal in einer Stadt des' Wohlstandes und Luxus, wo der Wetteifer einander zu überbicten täglich zunimmt. Wie verdienstlich aber dieselbe sein muß, leuchtet von selbst eilt, denn es - wird dadurch eine große Menschenrasse auf den Weg des wahren Glaubens hingeführt, indem die Wenigen, welche man bildet, den Uebrigeu zu Mustern und zu Beispielen werden. Man leistet durch Einpflanzung der Liebe zur Arbeit und durch Begünstigung solcher Thätigkeit viel mehr als durch die, meist ganz vorgebliche, nur im Augenblick wirksamen Armen - Unterstützung , und durch die allerdings immer sehr anzucrkennende Krankenpflege, obwohl wir die traurige Erfahrung machen, daß wenige Kranke so genesen, daß sie bessere Zeiten erleben, da die meisten Nachmals durch Mangel und Entbehrung wieder erkranken. Man leistet schon dadurch bedeutend viel, daß die ärmere Klasse selbst sich überzeugt, daß die Bemittelteren auf ihre Arbeitsamkeit Werth legen, und sie zu unterstützen geneigt sind, wenn sie arbeiten wollen. Sie fühlt sich dadurch ermuntert und erkräftigt. Diese und ähnliche Betrachtungen haben denn endlich den alten Gedanken jüngst wieder ins Leben gerufen, und man. entwarf den Plan zu einem Vereine, der mit geringen Opfern für jedes Mitglied, so viel Mittel zusammenbringe, um den ebenbeschrLebenen und noch manchen damit eng'verbundenen Zweck zu erreichen. Am 27. Novbr. wurden 16 hiesige Frauen (man wählte unter den wohlthätigen Gebildeten und Einsichtigen, nur eben die, welche zunächst für die Ausführung geeignet erschienen, und so viel das enge Lokal faßte, sonst hätte die Zahl der edlen Frauen, welche dieselben Eigenschaften besitzen, vervierfacht werden können) unter dem Vorsitze des Hrn. .Dr. Heß und des Unterzeichneten zu einer Versammlmlg berufen. Die ganze Angelegenheit ward ihnen vorgelegt und begründet, auch wurde insbesondere der Umstand hervorgehoben, daß schon das Dasein eines Frau eu-Vereins, abgesehen von dem wohlthätigen Zwecke, eine moralische Kraft darbiete, welche für unendliche viele Gelegenheiten zu wohlwollendem menschenfreundlichen Wirken, die nicht ausbleiben werden, ciin'n gemeinsamen Mittelpunkt bilden werde. Der Plan fand sofort Anklang. Binnen 14 Tagen hatten die Frauen, welche sich zum provisorischen Komitv konstituirten über 400 Unterschriften, und außer-

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