Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1847)
- Date
- 1847-02-19
- Page
- Seite 57 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken Achter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen Löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. ' sür jüdische Geschichte und Literatur» Herausgegeben v»» vr. Julius Für«. Don dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig-. Leipzig, den 19. Februar 184V. Inhalt. Deutschland. Frankfurt a. M. Religiöse Zustande der Gemeinde. Frankfurt a. M. Israelitischer Frauenverein. Leipzig. Die Journalistik über die Gräuel in G a l a c z. Berlin. Reformer und gemischte Ehen. Berlin. Gutachten des Rabbinats über die gemischten Ehen. Berlin. Das Patent. Der Deismus. Literatur. Berlin Harmlose Bemerkungen eines jüd. Beobachters. Berlin. Der Verein jüdischer Gewerbtreibenden. — Oesterreich. Aus Mahren. Seminarien. Raab. Kulturverhältnisse, in Ungarn. Prag. Die Jndenfteuer. Hoffnungen und Wünsche. — Verständigung über die Principien der Th.-V. Ein Beitrag zur Reform der Reformbestrebungen. Von Rabb. Fasse!. (Schluß.) — LB. d. Or. Deutschland. Frankfurt a. M., 5. Februar. Der „Orient" bringt uns in einem Artikel aus Frankfurt die einseitigen Ansichten eines hiesigen Korrespondenten. Mit vielen Worten, sagt er das Wenige, daß man heutigen Tages in Frankfurt, keinen Gottesdienst, keinen Rabbiner und kein Gotteshaus mehr bedürfe; ja es behauptet dieser, legale gute Schulen, Krankenhäuser und sonstige Wohlthätigkeitsanstalten seien da. Hierauf erwiedcru wir ganz einfach folgendes: Wir gehören keiner Partei an, weder der orthodoxen, jv8te milieu, noch eraltirt radialen. Allein jener Einsender sehe sich doch in der Mainstadt ein Wenig um, und er wird finden, daß unsere christlichen Mitbürger auch Krankenhäuser, gute Schulen, Wohlthätigkeits-Anstattett in Hülle und Fülle besitzen, und dennoch sieht man jeden Sonn- und Festtag die 3 katholischen, 5 protestantischen und 2 reformirten Gotteshäuser augefüllt von Betenden. Wo in aller Welt giebt es eine Gemeinde, gleich der hiesigen israelitischen, die so gebildete, vermögende und bürgerlich wohlerzogene Massen besitzt, die-- aber kein Gotteshaus besitzt diesen ihren Zuständen angemessen. — In dieser dem Materialismus geweihten Zeit thut es vor Allem oft Roth, wenn die blasirte Jugend, und das von Dünkel oft heimgesuchte Mannesaltcr, . einigemal nur des Jahres Gottes Wort an geweihter Stätte vernimmt. Geschah dieses doch seit 3 Decenuien in dem deutschen Andachtsaale zum Frommen der Gemeinde durch unsere Lehrer Heß, Johlson, Creizenach und Jost. — Was sollen denn die Vorträge des charakterfesten Rabbiner Stein's anders bezwecken?! Freilich hört man in der Synagoge noch etwas hebräisches hie und da, so etwas übersieht man aber, wenn der Hauptzweck nicht ganz verfehlt werden soll. Wahrlich dieser hierher berufene gute Kanzelredner Stein hat eine schwere Aufgabe zu erfüllen, die auch demselben sehr erschwert wird von Unberufenen. Wir müssen aber zu seinem Lobe sagen, daß dieser Rabbiner mehr Geduld mit uns hat — als wir mit ihm! Das Endresultat, deß sind wir überzeugt, fällt zu seinem Gunsten d. h. zum Besten der G e m e i n d e a u s l —, Stein steht in der vollen Mauneskrast jetzt da, erglüht (nicht erheuchelte Gefühle sind es) von seiner inneren Glaubenssonne , in deren wärmende Strahlen sich so Mancher als er hierher kam wohl befand. — Sein Judenthum ist ihm Alles. Hätten die so wohlthätigen und menschenftenndlichen und frommen Freiherr» von Rothschild seiner Zeit das Gotteshaus, im frommen Sinne ihres Vaters erbaut, wie es zum Unglück der Gemeinde nicht geschehen ist! —. der Gemeinde hätte der Bau ohne die von Rothschild* scheu 100,000 fl. doch noch 150,000fl. Extra-Ausgaben verursacht. — Heutigen Tages giebt es gar viele Leute, die Religion und Moral wie eine Modesache betrachten, solche Leute wollen auch haben, daß ihr Moderock jedem passe, 8