Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1847)
- Date
- 1847-02-12
- Page
- Seite 55 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 55 - Streben nach Freiheit, eine wahrhaft liberale Gesinnung znschreibt, wollen' wir diese angebliche Liberalität mit wenigen Zeiten zu beleuchten suchen und zu diesem Zwecke nur eine Sache erwähnen , der Dr. Riesser seine besten Kräfte gcwidnn't hat — eine Sache, die allein hinlänglig wird zeigen können , daß die schleSwig'sche und Holstein'sch e Ständeversammlnttg hinsichtlich einer wahrhaft liberalen Gesinnung hinter den dänischen Versammlungen weit znrnckbleiben s wir meinen die Sache der E'maneipation der.Inden. Kurz nach seiner Thronbesteigung ließ König Christian Vlll. den Ständeversammlungen der Herzogthnmer einen von dem Geiste der Toleranz und Humanität, der ihn stets beseelt hat, ganz durchdrungenen.Gesetzentwurf verlegen, der die hinsichtlich der Juden in den Herzogthümern jetzt stattfindende Ungleichheit vor dem Gesetze — eine Ungleichheit, die in dem Grade wohl in keinem europäischen Staate herrscht — in den wesentlichsten Punkten zu heben beabsichtigte. Den Inden, die da in den Herzogtümern, wo es ihnen zu wohnen erlaubt ist, beinahe alle Bürgerrechte vermissen, sollten ihre natürlichen Rechte gegeben werden. Gerechtigkeit sollte endlich über Unrecht, Aufklärung über Finsternis;, wahre Liberalität über Intoleranz, Worurtheit, Bosheit und Engherzigkeit siegen. Welche Aufnahme wurde nun diesem Gesetzentwürfe bereitet? Mehre Koryphäen der „ sch l eo w i g-h o l st ein sch cn " Partei kämpften mit dem größten Eifer dagegen! Jeder, der an die Liberalität der gedachten Partei glaubt, wird sicherlich enttäuscht werden, wenn er die Ständezeitung zur Hand-nimmt und einen Blick aufdieMenge illiberaler,'inhumaner und vorurtheilsvoller Aeußerungeu wirft, womit viele von den Männern, die liberal genannt werden wollen, die fortdauernde Ausschließung der Juden von den Bürgerrechte;!, deren sie doch selbst genießen. wollen, zu vertheidigen suchte. Das Resultat wurde dann die beinahe einstinunig erfolgte A b ra t h u ng des Gesetzentwurfs! Hierdurch veranlaßt, ließ der König ihn nicht als Gesetz emaniren, erleichterte aber doch in einigen Punkten die Stellung der Juden in Altona und an mehreren Stetten. Bemerkenswerth ist es noch, daß Keiner der schleswig'schen oder holstein'schen Deputaten, Weder vor noch nach der Vorlegung des Gesetzentwurfs, mit einem Emaucipatiousvorschlage eiugekommcu ist. In den jetzt abgehalteuen 12 Sessionen der Stände der Herzegthümer hat also kein Einziger der sogenannten Schleswig-Holsteiner den Berns gefühlt, einen die Stellung der Inden betreffenden Vorschlag einzugeben! Dagegen haben aber die Beschlüsse der dänischen Ständeversammluugcu sowohl in dieser Richtung als .in andern, wenn von Gleichheit vor dem Gesetze die Rede gewesen ist, von wahrer Liberalität und Humanität gezeugt. Wir erlauben rws, nach dieser der Wahrheit gemäßen Schildmlng, die Frage au Dr. Riester und jeden Wahrheit und Gerechtigkeit liebenden Deutschen zu richten, ob eine liberale. Gesinnung der „Schleswig- Holsteiner" stch in dieser Sache knndgegcben hat, ob. endlich — noch ein Beispiel anzufi'rhren — eine liberale Gesinnung der „Schleswig-Holsteiner" sich darin krindgiebt, daß sie der Hälfte der Bevölkerung Schleswigs, dem dänisch sprechenden Theil, die Rechte, deren Genuß sie selbst fordern, vorenthatten wollen; daß sie der dänischen Sprache dasselbe Recht m der schleswig'schen Versammlung als der deutschen nicht einräumen wollen; baß sie in den Distrikten , wo die Volkssprache dänisch ist, den Gebrauch dieser Sprache in den Schulen, Kirchen und vor dem Gerichte zu schmälern suchen. Ein Däne. Verständigung* über die Ilrmcipicn der ThcolMN - Versammlung^ ein Beitrag zur Reform der Reformbestrebungen, von Hirsch B. Fasset, - (Rabbiner in Proßmtz). Lieber Freund! In Nr. 1 a. r. des „Orient" S. 5 ff. bat es dem würdigen Hrn. Rabb. Deutsch zu Beuchen gefallen, meinen ausgesprochenen Grundsatz, daß die taliriudische Lehre, den Weisen jeder Zeit gestatte, nach Zeit und Umständen manche Religionsgesetze zn modisieiren, oder auch für die Gegenwart abzuschaffen, zu bestreiten, und zu behaupten, daß ich die Takmudstelle, worauf dieser Grundsatz beruhen soll, unrichtig aufgefaßt habe. Da Sie dieses Mal gegen Ihre Gewohnheit, mich früher von dieser Einsprache nicht verständigt haben, kam mir die Kunde davon erst gestern, mit dem Anlangen des „Orient", und ich beeile mich Ihnen meine Meinung über diese seinsollende Widerlegung auszusprechen. Dieselbe bildet, eine Scholie eines großern Aufsatzes über die Bestimmung und die Aufgabe der Theol.-Vers., aus welchem zwar frommer Eifer und acht religiöses Gefühl spricht; doch kann ich mich zu'Allem und Jedem was Hr. Deutsch darin ausspricht nicht bekennen. Wir wollen die drei Pcr'ncipien, zu denen Hr. Deutsch die Th.-V. sich bekennen läßt, etwas näher ins Auge fassen, weil einerseits auch ich die Ehre habm will, als Mitglied der Th.-V. zu erscheinen, urrd anderseits weil die Widerlegung meiner Behauptung sich an diese Principicn knüpft. Eigentlich haben wir es nur mit dem 3. Princip zu thun; denn was die beiden ersten anlangt, bekenne ich mich zu dem 2ten, nämlich, daß neben der schriftlichen Lehre noch eine mündliche „ebenfalls göttliche. Tradition existire, in *) Aus einen Privatschrrlben entnommen.