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Der Orient · 1847-02-12 · Heft 7 (12.2.1847) · p. Seite 54

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 7 (12.2.1847)
Date
1847-02-12
Page
Seite 54 (sequence 11)
Language
German
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Wemmspnkt und wie er als überkleistertcs Pschätche den geistigen Gehalt der heiligen Schrift niederdrück't. Moreml-Käppchen oder Mönchskutte, Zebelmütze oderTalare, sobald ein Rabbi darii, steckt, so ist es inuner Ein Geist, der ans ihm spricht und nur die Form hat eine moderne leicht flüchtige Folie angenommen. Wenn, wie wir hoffen und wünschen^ die- Kenntniß der h..- Schr. ein Gemeingut Aller werden und die Deklattiationen über dieses Thema nicht ein leerer Schall , eine Redenbnng oder gar Heuchelei sein sollte, so müßte die Paraprase wenigstens den Sinn der h. S. treu und wahr wieder-. geben; man dürfte z. B. alsdann nicht die Worte rr^'iniori norm und. mins nwx mW ,,genießbaren und nicht genießbaren Vieh" übersetzen, oder Hagar als eine verfolgte Unschuld und Sara als eine tyrannische Hausfrau darstellen und diejenigen Schriststellcn, welche auf Hagars Charakter einen Schatten werfen, wie z. B. 'nrrr»n.1 '-^pm mit Stillschweigen i tbergehe n. Die h. S. muß, wenn man im Ernste ihre Kenntniß befördern will, im Geiste des G e s etzg eb ers undim Geiste der damaligen Zeit anfgefaßt und dargestellt werden. Unser modernes Bewußtsein..darf, hierbei keine Rolle spielen und am wenigsten darf mail, um gleichsain Alles mundgerecht zu machen, die schlichten Erzählungen deuteln und allegosiren. — WaS hat aber die h. S. nicht .Alles erdulden müssen! Philo hat sie platonisirt, Ararna hat sie mit peripathetischen Elementen gesättigt, das Christenthum hat sie mit seiner vernunftwidrigen Dreiheit geschwängert, und in unserer Zeit bemächtigt sich ihrer, ein Geist der Verkehrtheit und des UnsinnS, dem keine Idee zu abgeschmackt,. keine Extravaganz zu albern ist (wir erinnern nur an die in diesen Blättern und im „Israelit" ansposaunte Erklärung von biNU? mit„Jsis" und die Beschneidung nut dem Pballnsdienst, welches letztere übrigens schon früher Nork als seine LieblingSidee Hinlänglich verarbeitet hat), die.man nicht in der h. S. hineinlegt. Und das heißt jetzt Bibelkenntniß verbreiten! M-a. Frankreich. Paris, 24. Jan. Ich will Ihnen heute eine interessante Begebenheit mittheilen, die sich gestern früh in der Synagoge zugetragen hat. Der Platz eines Greßrabbiners von Paris ist vakant, seitdem der bisherige Großrabbiner zunr Großrabbiner von -Frankreich ernannt wurde. Das Konsistorium von Paris hat also, vor vier Wochen einen Hrn. Charleville, Rabbiner von Dijon Herkommen lassen, um denselben interimistisch funktioniren zu lassen. Der Großrabbiner von Frankreich wollte. eö nicht haben „ aber das Konsistorium von Paris (nicht zu verwechseln mit dem Central-Konsistorium) kehrte sich nicht daran nlld ließ gestern vor dem Heransnehmen der Tora, ein Manifest pnblieiren, worin das Interim.an Charleville./übertragen ist. Kaum ist dieses geschehen,, besteigt Hr. Mar ch a n d (der Großmbbincr) den Almemar, und legt persönlich Protest ein, mdem er sagt, , daß ihm zwar nicht znstehe, das Interim nicht anznerkennen, er aber kraft Art. 38 der königl. Ordonnanz das Recht habe in allen Synagogen Frankreichs zu predigen und zu funktioniren, also daß bis zur definitiven Ernennung' eines Großrabbiners vonPariS er selbst in der. Pariser Synagoge funktioniren werde. Dieser Schritt rief allgemeine Approbation hervor, und nicht allein, daß man ihm gleich alle die er selbst nehmen konnte, verehrte, trat noch eine Gesellschaft zusammen, um alle anderen Mizwot zu seiner Verfügung zu stellen. Seine Bescheidenheit war so groß, die. erste gleich dem Rabbiner Charleville selbst zu verehren, um dem Publikum zu zeigen, daß er nur gegen das System, nicht aber gegen die Person sei. N—m. D ä ne mar k. Jütland, 30. Jan. (Ein Paar Worte v o n d er a n g e b l i ch en L i b e r a l i t ä t d e r ,,sch l e sw ig-h o l st e i n sch e n" P a r t e i.) Der. talentvolle Vorkämpfer für die Emaneipation seiner israelitischen Glaubensgenossen in Deutschland , Dr. G. R i c ss e r, hat bei der am verwichenen 18. Septbr. in Hamburg stattgefnndenen Feier unter Anderm geäußert, daß Schleswig und Holstein von der Verbindung mit Dänemark nicht viel Freiheit zu erwarten haben, und scheint damit crndeuten zu wollen, daß sie in dieser Hinsicht von Deutschland mehr, erwarten föunciu In sofern er damit im Auge gehabt hat, daß Dänemark..keine freie Verfassung hat, muß dieses zwar zugegeben werden, ob er dann gleich-auch eingestehen muß, daß die meisten deutschen Staaten eben so wenig eine freie Verfassung haben. In jedem Falle scheint er aber übersehen zu haben, daß schwerlich ein deutscher Staat größere bürgerliche Freiheit besitzt als Dänemark; daß das Prinzip: „Gleichheit vor dem Gesetze" in Dänemark gewiß mehr gilt als in manchem deutschen Staate; daß (um einige. Beispiele zu nennen) Dänemark beinahe eine vollkommene Preßfreiheit besitzt, wahrend alle deutsche Bundesstaaten C e nsur haben; daß Deutschland -einen mit einer Menge Prärogativen ausgestatteten Adel hat, während in Dänemark der Adel zwar nicht ganz abgestellt ist, aber beinahe gar keine Privilegien hat; endlich, daß seine Glaubensgenossen in Dänemark der allgemeinen Bürgerrechte genießen, Aemter bekleiden und .bis auf ein Paar Änsnahmen völlig emaneipirt sind, wahrend sie beinahe, in allen deutschen Staaten die meisten Bürgerrechte entbehren müssen. Wenn es ans dem bei der obenerwähnten Gelegenheit Geäußerten hervorzugehen scheint, daß Dr. Riesser mit vielen Deutschen den „Schleswig-Holsteinern" ein

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