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Der Orient · 1847-02-12 · Heft 7 (12.2.1847) · p. Seite 56

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 7 (12.2.1847)
Date
1847-02-12
Page
Seite 56 (sequence 15)
Language
German
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— 56 - vollem Sinne, d. h. sowohl den Wesen, als den Worten nach; zu dem Isten Prinzip der unmittelbaren Offenbarung aber, bekenne ich mich blos dem Wesen, aber nicht den Worten nach. Ich glaube nämlich, daß sich Gott unfern Vorfahren unmittelbar, auf eine übernatürliche Weise geoffenbart, wodurch sie die evidenteste, über alle Zweifel und Bedenklichkeiten erhabene Ueberzeugung erlangt — nicht das Gott es ist, der mit ihnen rede, sondern — daß Gott die Befolgung der geoffenbarten Ge- und Verbote verlange; und daß — nicht sie haben vernommen, sondern — es zu ihrem unbezweifelten und sichersten Bewußtsein gekommen, daß Gott den Mose bestimmt habe, ihnen allo Gebote , Gesetze und Rechte, zu lehren, die er ihm' beibringen werde *). Wir haben es daher nur mit dem 3ten Prinzip zu thnn. *) Um dieses deutlicher zu machen, gestatten Sie mir Ihnen eine Stelle aus meiner in Gleiwiz gehaltenen Predigt, über die Grundsätze des Mosaismus, wörtlich mitzutheilen. — „Hier müssen wir noch den Glaubensgrundfatz „Offenbarung" anerkennen. Dabei darf man sich freilich nicht denken, daß Gott herabgestiegen fei und gesprochen habe, wie ein Mensch mit dem andern spricht; dagegen streiten schon Maimüni und andere Weisen. Gott kann sich unter -keiner Bedingung verkörpern, und kann daher auch mit den Sinnen in kerne Verbindung treten; das Geistige kann wieder nur von dem Geiste ersaßt und wahrgenommen werden; und so war es auch, daraus deutet die heil. Schrift hm. OpN rrfpiprj hN DWT heißt es: „ Das ganze Volk hat gesehen (und sieht noch O'drN als die Stimmen auf Sinai-. Sie haben nicht mit dem Ohre gehört, sondern mit dem innern Anschauungsvermögen gesehen. Und das meinen auch unsere Men wenn sie sagen: „„Alle zehn Gebote sind in einem und demselben Augenblicke gesprochen worden, welches ein Mund nicht sprechen, und ein Ohr nicht hören kann."" nnV nDH'.'pNtf no'-nDM ine* ot -mm -»oi plNH TOV Der Mund kann blos durch Worte sprechen,'und das Ohr blos die Laute hören, alles was der Mund dem Ohre mittheilen will, muß daher nacheinander geschehen. Aber das innere Anschauungsvermögen, kann alles ihm Gezeigte auf einmal sehen.' Und da die Sprache auf Sinai keine aus Worten und Lauten bestehende, sondern eine Mittheilung war, der inneren Anschauung des menschlichem Geistes gemacht, so ist alles hier Mitgetheilte, auf einmal dem Geiste gegeben worden. — — — „Und das ist, nach meiner Ansicht, die über allen Zweifel erhabene Evidenz, daßnämlich eine Million Menschen in einem und demselben. Augenblicke eine, und dieselbe Wahrnehmung hatten. Einen anderen Beweis haben wir doch nicht für die Wirklichkeit der Außendinge, als daß auch aridere Menschen, auf eben dieselbe Weise, von den Dingen assicirt werden, wie das eigene Ich. Ich spreche es daher mit voller Ueberzeugung aus: Ich glaube, daß es der Wille Gottes sei, die Ge- und Verbote der h. Schrift zu beachten; aber wie, und. auf welche. Weise Gott diese Gebote offenbart habe, gehört in das Gebiet der Forschung , und kann daher nicht als Glaubensgrundsatz ausgesprochen werden. Was übrigens die Erzählungen der Schrift anbelangt, so ist es schon längst.anerkannt, daß □"IN rnirr rnm. Und eben so wie. sie spricht von dem Aus-, und Niedergang der Sonne, obwohl die Sonne Hr. Deutsch sagt 3. „Wir glauben an die Autorität des Talmudsdaß männlich alle Traditionen in Betreff der Gesetzesbestimmung gesammelt und im Talmud niedergelegt worden, — und daß selbst rabbinische Anordnungen, nur unter gewissen vom.Ta.lmud selbst gegebenen Bedingnngen modificirt oder aufgehoben werden können". Und kommt dadurch zu dem Schlüsse: „daß bei so bewandten Umständen von Koncessionen durchaus die Rede nicht sein kann, und erklärt endlich in der Schotte: „daß wer mit Fasset vermeint der Talmud öffne eine Pforte, durch welche man jede beliebige Reform sobald sie als Zeitbedürfniß erkannt wird, einführen könne, befindet sich im Jrrthume." Run der würdige Hr. Deutsch möge es mir vergeben, wenn ich den Satz umkehre, und behaupte, Hr. Deutsch befinde sich im Jrrthume. Er sagt (sub 1 wo er von den Geboten der Tora spricht) : „Alle veränderten Zeitverhältnisse können uns nicht berechtigen, irgend, ein göttliches Gebot aufzuheben"; und sagt hier (sub 3): „ Selbst rabbinische Anordnungen können nur unter gewissen Bedingungen aufgehoben werden." Hr. Deutsch scheint also, hinsichtlich der Aufhebung einen Unterschied zu machen, zwischen mosaischen und zwischen rabbinischen Gesetzen. Aber was will Hr. Deutsch unter „aufgehoben werden" verstehen? Meint er eine Aufhebung für ewige Zeiten, d. h. eine Anordnung oder einen Ausspruch, daß dieses oder jenes , Gebot nie und nimmer wieder bindende Kraft gewinnen soll, so zu sagen eine Auslöschung des Gesetzes aus dem Bereiche der Gesetzgebung, auf eine Art wie irgend ein Staatsgesetz, von einem später» Gesetzgeber ein für alle Mal aufgehoben wird; nun. dieses kann unter keiner Bedingung auch nur mit einem rabbinischen Gesetze geschehen. (Jebamot 102 a) „Wenn der Prophet Elijahu käme und verordne: pN fyj.DDy ürfen wir ihm nicht gehorchen." Maim. H. Jesoda ha-Tora 9, 4: „Ein Prophet, der irgen ein Gesetz, selbst ein rabbinisches für. irn mer abschafft, ist ein falscher Prophet, u. s., w." Ferner H. Mamr.lm 213: „Alles was die'Altrabbinnen verboten haben , als Umzäunung der Lehre, so dieses Verbot von ganz Israel angenommen wurde, kann von keiner ReligionebehLrde in der Welt wieder aufgehoben, und für immer, erlaubt werden *). [g. f.] weder auf noch niedergeht, nur weil es dem Menschen so zu sein scheint; eben so erzählt sie auch die Offenbarung, wie sie nach der subjektiven Wahrnehmung der- Söhne Israels war; was aber das Objekt gewesen ist, die diese subjektive Wahrnehmung hervorgebracht, gehört zu dem Tcanscedentalen, und kann daher höchstens vorgestellt, aber keineswegs ausgesprochen werden.- *) Ich finde diesen Grundsatz sehr vernünftig. Me kann ein Mensch wissen, was im Schooße der Zukunft verborgen liegt. Sehen Sie einmal das Institut der Meturgemirn; weil es zwecklos erachtet, wurde es aufgehoben; nun strebt die R. - V. es wieder ins Leben zu rufen und so können wir nimmer wissen, ob nicht dasjenige, was in der Gegenwart lästig und für die Religion als schädlich anerkannt wird, nicht einst zur Ausrechthaltung der Religion, und zur Belelebung des religiösen Gefühles, wieder nothwendig sein dürfte. Darum soll kein RrLigionsgesetz annullier, d. h. als für immer aufgehoben erklärt werden. Werlcrg von C. L. Fr i tz sche. Druck von I. H. Nagel.

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