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Der Orient · 1847-02-12 · Heft 7 (12.2.1847) · p. Seite 53

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 7 (12.2.1847)
Date
1847-02-12
Page
Seite 53 (sequence 9)
Language
German
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könne. Ist es nicht Schade, daß so ein Mann in Wreschm seine Zeit dahinbringen soll? — Nordöstlich von Posen finden Sie 2. sehr alte und ziemlich starke Gemeinden: Rogasen und Gnesen, die aber von einander so verschieden wie der Altonaer Wächter von der A. Z. d. I. — Während Ln Rogasen noch immer der stabilste Orthodoxismus die Herrschaft behauptet, wird in Gn. das Streben nach Reformen mit jedem Tage größer und mächtiger, aber nichts desto weniger giebt es auch hier eine orthodoxe Partei , die den Reformsnchtigen feindlich gegenüber steht— und wer weiß, ob nicht bei den gegenwärtigen Wirren in der Gemeinde die orthodoxe den Sieg davon tragen werde? — Schlimm genug wär's. — Gerade auf der entgegengesetzten Seite von Posen liegt Gr ätz, ebenfalls eine sehr alte und ziemlich starke Gemeinde, wo es aber noch bei weitem finsterer aussieht, als in dem genannten Rogasen. In Gr. wird noch lange nicht an Fortschritt zu denken sein, denn man ist dort wenigstens, noch um' ein halbes Jahrhundert zurück. Der fanatische.Rabbi j würde, wenn er nur so könnte, gewiß noch der Waffe! des Cherems sich bedienen, um seinen mittelalterlichjüdischen Theorien Eingang zu verschaffen, was ihm übrigens auch so gerade nicht zu schwer fällt"). — Nicht so in dem nahegelegenen Wöllstein. Da sieht? es ganz anders aus. Schon in der Wahl Dr. H.'s; zu seinem Rabbiner hat W. seine Sympathien für das Nützlichere und Bessere deutlich genug an den Tag gelegt, und was ist nicht Alles seit H.'s Anstellung in jener Gemeinde geschehen! Was Friedlichkeit und Ordnung betrifft, verdient W. allen Gemeinden deö Großherzogthumö als Muster vorgehalten zu werden. — Zum Sprengel des Dr. H. gehört auch das ganz in der Nähe gelegene. Rakwitz, eine kleine und höchst friedliche Gemeinde, von der ein Korr, des Or» neulich (Nr. 43 v. I.) behauptete, daß sie sich wieder Grätz in die;; Arme werfen wolle. Diese Behauptung ist durchaus aus der Luft gegriffen. Denn die Rakwitzer sind viel zu intelligent, als daß man ihnen einen solchen Rückschritt zumuthen dürste. Die Konflikte, welche sie unlängst mit Dr. H. gehabt haben sollen, werden wohl bald wieder ausgeglichen sein, oder sind es vielleicht schon. — In Kosten wird der Choralgesang mit jedem Jahre um ein Stück besser geübt. ' Auch gut. — Schmieg el hat in der Person des Hrn. Feldblum (ehemals Lehrer zu Filehne) sich einen Rabbiner und h Prediger engagirt. Und F. predigt Deutsch. Was will £ man wehr? — In Lissa herrscht jetzt wieder Windstille. Es ist wieder Alles im alten Gleise und wird es g wohl so bleiben, bis sich wieder einmal ein Ungar, oder i ——— . 11) Von der im vorigen Sommer hier stattgefundenen U Rabbiner - Versammlung en miniature schweigt die Presse :Jj 2st das nicht Unrecht? — mähr. Prediger dorthin verirrt. — Fr au stad t steW' Wollstein nicht' viel nach. Rabbiner ist Herr M. Löwenstamm, ein Mann, der alle Achtung verdient- und solche auch in seiner Gemeinde in vollem Maaße genießt. — Wir sind jetzt an der schles. Grenze, nicht weit von der Stadt der Intelligenz, Glog au, wo die Francesconi's des intelligenten Preußens ihr Wesen treiben (siehe Or. Nr. 1). Fort von dieser Intelligenz. Der Ghilani-Geruch betäubt, die Eise n men g er sch e Luft droht zu ersticken, zurück in die heimathliche Provinz, da ist es doch noch behaglicher« — In Ra wicz hat ein jüd. Lehrer sich geweigert, den Eid more judaico zu schwören, und das giebt der Br. Zeit« Stoff zu langen und breiten Artikeln^). — Von Krotoschin wollen Sie ja Nichts hören. Sonst hätte ich Ihnen so Manches Histörchen zu erzählen. — Kempen, die zweite Gemeinde in unserer Provinz, hat (wie allgemein behauptet wird) den größten Talmudisten unserer Zeit zum Rabbiner (Malbim), was aber durchaus nicht wahr ist. Au Fortschritt ist noch nicht zu denken. — Ostrowo hat einen Doctor phi~ losophiae13) zum ersten Lehrer und dessen ungeachtet soll die dortige Schule zu den mittelmäßigsten im Großherzogthume gehören. — Plesch en ist eine friedliche Gemeinde. — Für heute genug. Wenn Sie erlauben, wollen wir in unserem nächsten.Artikel diese Revue fortsetzen * *). — W. Am Main, 20. Jan. (D i e M i d r a s ch i st e n unserer Zeit.) Man hat oft mit nicht zurückgehaltener Sprache über die talmudlsche und midraschische Schriftdeutung Klage geführt und den Heroen jüdischer Schristguellcn bald eine absichtliche Verdrehung zum Vorwurf gemacht, bald vornehm über ihr ,,getrübtes exegetisches Bewußtsein^ gespottet. Wenn es nun aber irgend einem Irrwische im Dunstkreise des Neurabbinismus einfiele, die treue Schriftdeutung und ungetrübte Exegese, die unter dem Namen einer Paraphrase in der Synagoge zu F... allsabbatlich vorgetragen wird, der Vergessenheit und Unachtsamkeit der Zuhörer durch eine Veröffentlichung zu entreißen, so würde mau sicherlich über den unsterblichen Geist des Rabbinismus staunen, wie er noch jetzt in so manchen hohlen Köpfen 12) Ueber die Gemeindezustände R.'s lies sich Manches sagen. Doch glauben wir die Geduld des Publikums heute schon lange genug in Anspruch genommen zu haben. Ein andermal mehr von dieser großen Gemeinde. (Wir ersuchen um nähere Mittheilungen. Red.) 13) Wenn wir nicht irren, so ist's derselbe, dessen Namen Herr Tr—tz auf dem Melblatte seines neuem Kalenders siguriren läßt. *) Wir ersuchen den geehrten Herrn Korr, recht bald gefälligst diese Revue fortzusetzen.' Füx die Leser des „Orient", namentlich für die in werter Ferne ist dies von großem Interesse. Red.

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