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Der Orient · 1847-02-12 · Heft 7 (12.2.1847) · p. Seite 52

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 7 (12.2.1847)
Date
1847-02-12
Page
Seite 52 (sequence 7)
Language
German
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- 52 — das zu erwägen wollen wir dem Leser überlassen. — Mit dem'Religionsunterrichte-, haben wir bereits in unserem vorigen Artikel (Nr. 2) gesagt, ist es hier nicht gut bestellt. Denn abgerechnet, daß die meisten Kinder gar keinen genießen^), so wird selbst in denjenigen Schulen, wo welcher ertheilt wird, weiter Nichts gethän, als Jahr aus Jahr ein H erx hei m-er's fades Buch Jesode ha-Töra von A bis Z (mit allen Anmerkungen und allen schlecht übersetzten Bibelstellen, mit allen Dunkelheiten und allen Unrichtigkeiten) durch d iktirt, und daß die Kinder auf diese Weise mehr in der anhaltischen Orthographie als in der ,,Glaubens- und Pflichtenlehre" geübt werden, wird wohl Jedem, wenn er auch kein Schulmann ist, leicht einzusehen sein. Man steht also, daß die Schuld auch an den Lehrern liegt, wenn unsere Kinder groß werden, und nicht wissen, was ihnen als Israeliten obliege. -— So soll neulich ein hiesiger jüd. Lehrer, von seinen Zöglingen über die Bedeutung des Chanukka-Festes gefragt, ganz einfach geantwortet haben, das Fest hätte weiter Nichts zu bedeuten, als daß man Abends mehr Lichter anzünde und bessere Speisen genieße. So hat ein hiesiger jüd. Lehrer neulich den kuriosen Einfall gehabt, seinen Schülerinnen, die er kaum zwei Monate in der Religionslehre inftruirt' und die vorher noch n ie Religionsunterricht genossen, eine Ausarbeitung anfzugeben, welche zuin Thema hatte (Nichts mehr als) den Spruch unserer Weisen: „pi KllDl □''Di# iOlDD'V — Solcher Anekdötchen zur Charakteristik unserer ReligionStehrer könnten wir hier noch so manche erzählen, fürchteten wir nicht, das den Orient lesende Publikum dadurch mehr zu cnuuyren als zu unterhalten. Also von etwas Anderem. — Das hier erst seit 3 Jahren bestehende Institut der israel. Haudlungsdiener gewinnt täglich mehr an Ausdehnung und Wirksamkeit. Da ich nicht weiß, ob dieses Institut je im Orient oder sonst in einem jüd. Blatte erwähnt worden, so erlauben Sie mir, hier mit kurzen Worten wenigstens seine Hauptzwecke zu zeichnen. Diese sind: a) durchreisende Commis zu unterstützen; d)dimstlosen Commis (wenn diese Mitglieder des Vereins sind) zu Konditionen zu verhelfen; c) erkrankten Mitgliedern des Vereins mit Pflege und Wartung entgegenzukommen; d) Handlungslehrlinge mit Unterricht im Rechnen, Buchführen, kaufmännischen Styl re. zu versorgen1 * * * * 6 * *). — Aber auch für die Belehrung und weitere Ausbildung der zum Verein gehörenden Commis wird Sorge getragen, und das durch die Vorträge, welche allwöchentlich im Vereins-Lokale zwei Mat gehalien werden, einmal (und zwar Sonnabend) von dem Redakteur unserer Zeitung, Herrn Prof.. Müller, am Gebiete der Geschichte, 'Geo- 5) Vergl. unfern Art. Nr. 2. Note 4. 6) An Hrn. Jak. To eplitz, der-Mich. v. I. von hier abgegaugen, hat das Institut einen tüchtigen Lehrer verloren. graphie und Statistik, und das andere Mal (und zwar Mittwoch) von dem PrivatgelehrtenHedm Dr. Lo w enthalt im Gebiete der klassischen Literatur. — Bei dieser Gelegenheit können wir nicht umhin des Mnemotechnikers, Herrn Mathias Hamburger^) ans Königsberg zu - erwähnen, der neulich (am 11. d. M.) im Saale des genannten Instituts vor einem zahlreichen Auditorium aus dem Gebiete seiner Kunst einen Vortrag gehalten. Hert H. hat sich hier auch im Fr.- Wilh.-Gynmasium, so wie in der Königl. Luisen-Schute und dem Priester-Seminar hören lassen, und überall höchste rühmliche Zeugnisse erhalten. Man sieht , wie Juden in jedem Fache sich auszeichnen. — Ich sehe mich nun nach allen Seiten um, ob ich Ihnen vielleicht von hier noch Etwas mitthcilen könnte, aber vergebens; ich finde nichts, gar Nichts, was Sie und die Leser Ihres Blattes im Geringsten nur interessiren möchte. Da ich aber heute einmal berichten will, so erlauben Sie mir, Ihnen das, was von den andern Gemeinden unserer Provinz zu meiner Kenntniß gelangt ist, mit kurzen Worten wicdergeben zu dürfen. Mit kurzen Worten, sage ich, und Sie sollen es sehen, ich kann mich ganz kurz fassen. — Eine Meile von hier liegt die Gemeinde S ch w ersens, welche wohl an 300 jüd. Familien zählen mag. Ihr Seelsorger ist Herr D. H. Joel, ein Mann der Mitte9), ausgezeichnet als Talmudist wie als Prediger. Schw. hat an ihm eine bedeutende Acquisition gemacht. Er ist . kaum 5 Jahre angestellt, und man muß es sagen , er hat schon Viel, sehr Viel geleistet. — Etwas weiter nach Osten liegt Kurn i k, eine Gemeinde, die schon über ein Decennium des geistlichen Oberhauptes entbehrt. Vor 2 Jahren ist daselbst -ein Schulhaus erbaut werden, wie deren nur sehr wenige in den Gemeinden des Großherzogthums zu finden sein dürften. Die Schule selbst soll auch zu den bessern in der Provinz gehören. Doch mag Ihnen etwas Bestimmtes darüber der dortige Oberlehrer mittheilen. — Noch weiter östlich finden Sie Wreschen, bekannt durch die Schicksale G.'s, den es wohl aber bald am längsten wird gequält habenlü). — G. hätte in Wr. viel wirken können, wenn er nur Ruhe gehabt hätte. Als Redner gehört-G. unstreitig zu den Seltenheiten. Männer vom Fach, die ihn gehört, versichern, daß er sich im Gebiete der Rhetorik den S al om on s und den Man n herm ers würdig anreihen 1) Rühmlichst bekannt als Verfasser des Buches:;,bte Physiologie des freien Willens" <Glogau, bei H Pransnitz, 1844). 8) Ein Israelit, gebürtig aus Schrimm im Großherz. Posen. 9) Vergl. die Extra-Beil, zu Nr. 40 t>.' I. 10) Vergl. unfern Art. in Nr. 51 v. I. die Anmerk, zu Gnesen.

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