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Der Orient · 1847-02-12 · Heft 7 (12.2.1847) · p. Seite 51

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 7 (12.2.1847)
Date
1847-02-12
Page
Seite 51 (sequence 5)
Language
German
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daß-Hr. Rabbiner G. T i kt in sich von der Theologen- Versammlung losgesagt habe und aus Trägheit nicht die nöthige Erklärung abgegeben. Nach genauer Erkundigung kann ich Ihnen die Versicherung geben, daß dem nicht so ist, daß vielmehr Hr. Tiktin nach wie vor sich für die TV. intercssirt. Ueberhaupt durste das Publikum den mannigfachen Prophezeihungen und Klatschereien/ welche die Blätter der Reformgmossen und der Rabbiner-Versammlung zuweilen bringen, keinen Glauben schenken, da es wohl voraussetzen kann daß Männer wie Rapaport, Sachs, Frankel, Hirsch (in Emden), Ad l er (in London), W olff 11/A. Charakter genug haben, einer Zusage Folge zu leisten, die man im Interesse des JudenthnmS gegeben. Nächstens erhalten Sie Ausführliches über dieses Thema, worin ich auch einige Neuigkeiten mischen werde. > Posen, im Jan. Gern hätte ich Ihnen wieder einmal Etwas über unsere Kolonisationsangelegenheit mitgetheilt — wenn ich nur Etwas gewußt. Aber man hört Nichts, man sieht Nichts. Die Sache scheint auf einmal wie eingeschlafen. Leute, die täglich um den OR. sind, die zu seiner Umgebung gehören, wissen seit Kurzem-so viel als gar Nichts von dein Projekte. Was wird aber im Ernst aus der Sache noch werden? —- Gebe der Himmel, daß das Prognostiken, welches diesem Unternehmen von gewissen Korrespondenten gewisser Blätter von vornherein gestellt worden, nicht in' Erfüllung gehe *). — Die Meldungen zu den DarlehuSunterstützungen (siehe Or. Nr. 2) waren so zahlreich, daß man genothigt war, die zu verabreichenden Summen von 10—40 Thlr. auf 5—25 Thlr. zu redueiren. Keirr schlechter Maaßstab für den. in hiesiger Gemeinde herrschenden Pauperismus. — Die Kanzel der Brüderschule hat das Schicksal, noch immer verwaiset dazustehen, und ist auch nicht abzusehen, wie lange noch dies Vcrhältniß dauern werde. Die Leute sehen sich vor, und daran thun sie sehr recht. Wenn bei jedem Unternehmen, so ist besonders bei der Wahl eines neuen Predigers oder Rabbiners heutzutage'große Vorsicht nothig, was die jüngste Vergangenheit, wie Jeder von uns weiß, an nicht wenigen Orten klar und deutlich gezeigt hat. — Die Vorsehung, diese zärtliche Mutter der Menschenkinder, sorgt aber freundlich dafür, daß die hundert Mitglieder unsers Brüdervereins nach und nach nicht ganz vergessen, was es heißt: „Erbaut werden, durch das Wort Gottes erbaut werden". Denn sie schickt ihnen von Zeit zu Zeit einen ihrer begünstigten^) 1) Und wenn's auch in Erfüllung geht, so wird die Schuld davon Niemanden weniger, als unserm OR. beizumessen sein; denn dieser Mann thut wahrlich das Seinige. (Man vergl.. übrigens unsere früheren Mittheilungen über diesen Gegenstand.) 2) Man muß Hierunter nicht immer Mammons-Fürsten verstehen. Jünger zu, der sie, .die nach Erbauung und Belehrung Lechzenden, mit göttlicher Speise und göttlichem Tranke so weit versorge , daß sie wieder auf eine Zeit laug genug haben. — Und ist es nicht ein Sachs, so tfTö ein Krakauer, und ist's nicht ein Krakauer, so ist's gar ein Herzogthümer, ein Kind des Landes. So hatten wir vor einigen Wochen, ich glaube, cs war am Sabbat wa-Jechi, das Vergnügen, einen gewissen RK. Dr. I. aus Schw. a. d. 38. in der Bruderschule predigen zu hören, wenn anders ein stundenlanges Vorträgen gedrechselter (bald mehr, bald minder im Zusammenhang stehender) Phrasen predigen genannt werden soll. Und wissen Sie, worüber Herr I. gesprochen? — Ueber dm verheißenen Messias. Nicht wahr, ein - höchst origineller Einfalt? Er versuchte nämlich die Frage zu erörtern, warum der Herr den künftigen Erlöser ans dem Hause Davids und nicht aus der Nachkommenschaft MofiS verheißen? Ich sage: er suchte. —Was Wahrheit ist, belesen ist Herr I. / das hat er deutlich genug au den Tag gelegt; auch weiß er recht gut zu übersetzen. Doch sein Accent und noch mehr das ängstliche Suchen nach hochtrabenden Ausdrücken, nach außergewöhnlichen Redeweisen re. ließ bei ihm noch zu sehr den ehemaligen Bocher hervorschimmern , und das wissen Sie, bringt heutzutage durchaus keinen guten Eindruck hervor^). Uebrigeus ist Herr I. noch jung, und Fleiß wird bei ihm viel vermögen. — Am verflossenen Fasttag den 10. Tebet hat unser wackerer Herr Pleßner in der Nellen Schule durch einen höchst angemessenen Vortrag das Alldenketl einiger im letzten Jahre dahin geschiedenen j üd. Frommen gefeiert. Zullächst galt die Trauerrede (Hesped) -den Manen des jüllgst hier verstorbenen Nabbinats-Assessors, Herrn S. L. Vogelsdorf, durch dessen Tod unsere Gemeinde wahrlich feinen geringen Verlust erlitten. Dann aber erinnerte Herr Pt. auch an dm zu Frankfurt a. M. unlängst verstorbenen Rabbiner, Hm. Salomen Trier, (ges.A.) und endlich noch au zwei andere Rabbinm*), die beide in unserer Nähe gelebt und gewirkt und vor gallz kurzer Zeit zu ihren Vätern heirngegangen. Der Vortrag war höchst ergreifend und hat seine Wirkung auch nicht verfehlt. . Aber eine ganz originelle Erscheinung in diesenr Vortrage war das feurige Eifern Pl.'s gegen die Sucht nach Amerika ausznwandern, namentlich, wenn sich diese Sucht, wie es bei-uns.nur zu häufig geschieht, auch solcher Leute bemächtigt, die hier ansäßig, bereits Frau und Familie haben. — Inwiefern Hr. Pl. Recht hat, oder nicht, 3) . In Nr. 24 v. I. haben wir über eine ähnliche Erscheinung berichtet. 4) Nämlich: Hrn. Abr. Wreschner, weil. Rabbiner zu Filehne und Hrn. M. Lißner, .weil. Rabb.-rlsseffor zu Santomisl. 7*

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