Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1847)
- Date
- 1847-02-12
- Page
- Seite 50 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2360092-2360472-2360480--5795-3532938- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
50 nommen tverden, hin, der Noth der allgetueinen Theurnng zu steuern, und noch dazu sollen, wenn der Frieden in der Gemeinde nicht bald vermittelt wird, die Unterstützungen für die Armen auf die Hälfte redneirt werden! — Einen Passus in der Petition brachte der Präsident der N.-V. zu Gunsten seiner Grundsätze durch, der wohl nicht unangefochten bleiben wird. Das Absendernng'osystem durch die Scheu . vor Mischehen, so heißt es, rühre weit eher von Seiten der beschränkenden herrschenden Gesetze, als v on S c i t e n der j ü d i s ch e n 3l cligion övorschrifteu her. Wie nun, wenn das Berliner Rabbinat die Falkson'sche Mischehefrage, die ihm jetzt vvrliegen soll, nach jüdischem Ritus gewissenhaft beantwortet, so dursten die schlesischen Petitionäre.' nicht wenig kompromitlirt sein. Die Wahrheit darf mit der Lüge auch nicht.euren Augenblick konspiriren, wenn sie sich Anerkennung und Liebe erringen will. Uebrigens soll die Ausarbeitung dieser Petition ein Meisterstück sein und hat einen jungen hoffnungsvollen jüdischen Juristen zum Verfasser. — Sie wundern sich gewiß, daß ich Ihnen noch nicht von einem westphälischcn' Frieden j berichte, welchen die beiden hiesigen Religiensfraktionen neben ciitanbcr in nu gekränkter Gleichheit sicherstelltc. Nun der Friede, der vor einigen Monaten ganz nahe -war, ist nun wieder, in weite Ferne gerückt und der Gemeindezustand ist hiermit einer unbeschreiblichen Trostlosigkeit verfallen. Fragen Sie die Oberflächlichen, die Geigeriancr, warum ist der Friede bei allen Versuchen noch nicht wiederhergestcllt, so werden sie mit der Antwort bei der Hand fein: nur die Orthodoxen, die Gottcsgarde, die sind daran Schuld, sie sind die Friedensstörer! Sie wollen noch immer ihre Beitrage zu denGemeindebcdürsnisftn nicht zahlen und dadurch gcrathen alle Verhältnisse in Verfall! Diesen! oberflächlichen, parteiischem Urtheile ist aber wenig zn trauen, denn die Opponenten gegen Geiger, die jetzt zn einer Gemeinde konstituirt sind, erboten sich in den FriedenSbedingungcn, ihre Beiträge zu dm Gemeiudebedürfnisftn vollständig zu geben, wenn nur der Kultus, dem Ressort deS Vorstandes entzogen wird, wofür jede Religionspartei unabhängig vom Vorstande zu sorgen habe. Und ist es ihnen zu verargen, wenn sie ihre Beiträge verweigern für einen Geistlichen, den sie nun einmal nicht leiden mögen, und der es auch nicht an thatsächlichen Beweisen fehlen'ließ, daß ihre Antipathie gegen rhu nicht aus der Luft-gegriffen sei? Ihre Hanptbedingnng ging also nicht mit Unrecht dahin, daß Geiger statntenrnäßig nur das gelten soll, was er faktisch ist, Parteirabbiner für . Ncformlttsiige. Allein diese Bedingung ist aber dem geistlichen Herrn nicht genehm5 er, der bisher so viel gethan, den' Schein zu retten, soll des Friedens und des Glücks der Gemeinde willen, diesen Schein -aufgeben, und den Titel Geuwinderabbiner fahren lassen? Aber lieber Herr Doktor, was sollen für die Dauer die hilflosen Nothleidenden anfangen , wenn ihnen die Hälfte ihrer Unterstützung und bei größerer Erschöpfung der Gemeindekasse vielleicht zwei Drittel und noch mehr geschmälert wird? Sollen diese wegen einer Kaprice Hungers sterben?" Was kümmert mich das? Bin ich. Armenvater? Beziehe ich dafür meinen Jahrgehalt? - Soll ich für diese Lappalie meinen Rabbinertitel, wofür ich Jahrelang mit den mannigfaltigstm Waffen gerungen, und der mix noch streitig gemacht wird, aufgeben? Was kümmert mich die Noth der Armen? Mögen sie sich am Samstag an meinen Reformalions- und Emancipations- Predigtcn sättigen , an Werkcltagen können sie ihren Hunger stillen an meinen polemischen Vorträgen, die ich von Zeit zu Zeit gegen dieTheologenversannntung, gegen Frankel, überhaupt gegen Eclebritäteu, die nicht mit mir übereinstimmcn, halte, oder.sie mögen meine Traktätlein lesen, die Protokolle der Niabtnnerversanunlnng, die zum großen Theil die Fassung von "mir haben, oder meine ,,vorläufigen Berichte"/, voll Ostern ab werde ich eine neue Zeitschrift heranSgcben, welche durch Hilft meiner reichen Freunde einen größern Absatz finden soll, als meine ci-deYant theologische Zeitschrift. ■— Sie werden hoffentlich mir glauben, daß der Inhalt dieses singirten Dialogs kcinesweges fingirt ist. — Die neue Zeitschrift, die Dr. Geiger heranSzugeben gedenkt, hat wahrscheinlich die Noth zu ihrer Mutter. Denn die bestehenden Blätter scheinen ihm nicht.zu konveniren: Der Orient ist in seiner Unparteilichkeit zn strenge und nimmt kein Blatt vor dem Mund, die Zeitung des Jndenthnrns persislirt die Berliner Rcformgenosscnschaft und wer gegen meine Freunde ist, ist auch gegen i mich, der Israelit ist jetzt auch unausstehlich und will! nicht nur Altes an ihm lobcnswcrth finden, sondern die Kühnheit hat, manchen bittern Tadel gegen sein ehemaliges unfehlbares Idol laut werden zu lassen. Darum eine eigene Zeitschrift. Gott schenke ihr langes Leben! — Indessen verfolgen die Konservativen zwar geräuschlos ohne Zweckessen und Trompetenktänge aber auch langsam und schleichend ihren Weg, suchen jetzt, da sie nicht mehr den Chikanen der Lokalbehörden auögesetzt sind, das Versäumte nachzuholen. Eine Religionsschnlc ist im Entstehen begriffen , worin mehr gelehrt werden soll, als die große Wahrheit, daß die Ceremonialgesetze für uns keinen Werth haben. Auf das neue Judengesetz, worüber seit Jahren von Zeit zu Zeit Bülletins erscheinen, die dessen Promulgation mit Gewißheit verkünden, warten beide Parteien mit Spannung. Das Judengesetz wird aber erst wahrscheinlich einen Tag nach der Einführung einer Konstitution edirt werden und ft können wir uns .bis dahin in der germanischen Tugend üben, um der Verbrüderung mit den.Deutschen entgegen zn reifen. L.....S. Breslau, 1. Febr. In der A. Z. d. I. hat ein Korr, sich und feiner Partei die Unwahrheit eingercdet,