Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1847)
- Date
- 1847-02-12
- Page
- Seite 49 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Stubien und Kritiken Loht» Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen lobt. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen -auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von vr. Julius FürS. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. Leipzig, den 12. Februar 1847. Inh ä l t. Deutschland. B r e s l a u. Petition und Iweckessen.. Gemeindewirren. Eine neue Zeitung. Breslau. Die Zusage zur Th.-V. Posen. Berichte über die Zustände der Provinz. Am Main.. Die Midraschisten unserer Seit. — Frankreich. Paris. Streit wegen eines Großrabbiners. — Dänemark. Jütland. Ueaer die Liberalität der „schleswig - holsteinscben" Partei. — Verständigung über die Pcincipien der Th.-V. Ein Beitrag zur Reform der Reformbeftrebungen. Von Rabb. Fasse!. — LB. d. Or. Deutschland. Breslau, 20. Jan. Meine diesjährige Korrespondenz eröffne ich mit trockner Aufzählung einer Reihe von Thatsachen aus dem hiesigen Gememdcleben, deren Zusammenhang zu .finden mir wohl schwer werden dürste. Hätte ich auch nur so viel Witz wie der F Korrespondent des Israeliten oder richtiger dessen wirklicher Redakteur, so könnte ich den Stoff zu einer Humoreske 1 gestalten, trotzdem der Präsident der dritten R.-V. den : Witz in den Bann gelegt und ifyiit nur dann eine Stimme einräumen will, wenn er sich zu seinem Gnn- . steu erhebt. Doch diesen Streit, über die Zulässigkeit des Witzes bei Beurtheilung von rabbinerversammlun- ’ giaNischen Albernheiten, überlassen wir einem andern Blatte zu schlichten, wir begnügen uns nur so viel Humor in unsere Relation einfließen zu lassen, als in den - Thatstchen selbst liegt» Wir beginnen die Reihe, wie billig mit dem Angelpunkt aller Interessen, mit Politik, oder richtiger mit dem Durchschnittspunkt, wo Politik 7 und Religion sich durchkreuzen. — Zum bevorstehenden % Landtag ließ der hiesige Vorstand an sämmtliche Gezc meindeu der Provinz Schlesien die Aufforderung cirkuli- H tCM; sich an einem bestinrmten Tage hier zu versammeln, Zum eure gemeinsame Petition dem hiesigen Magistrat zu überreichen, die Emancipationsfrage auch auf diesem ^Landtage anzuregen. Ich spreche hier nicht von der A büelkeii dieses Schrittes, da unser humaner, sogar eines R ■ zu heftigen Liberalismus verdächtige Magistrat, auch ohne diese Mahnung die Emaneipatiönsfrage auf die Registrande zu bringen gesonnen war, ja daß es vielleicht für die Sache selbst eher hinderlich , als forderlich ist, daß jüdischerseits ein Schritt gethan wird, indem hierdurch der Verdacht des christlichen Staatsoberhaupts, als sei der Wunsch der Stände wegen Emancipirung der Inden nicht die Volksstimme, neue Nahrung erhält. Ich spreche auch nicht davon, daß jetzt, wo die Emancipationsftage theoretisch erschöpft ist, wo sämmtliche Vorurtheile, Scheingründe, Sophismen gegen die Emancipatien selbst in gesetzgebenden Kammern Deutschlands aufs glänzendste widerlegt sind und Antipathie gegen dieselbe einen Staatsmann so ziemlich unpopulär macht, daß es jetzt eben so würdevoll wäre unsrerseits zu schweigen , als früher darüber zu sprechen; denn unsere Ehre ist durch die allgemeine theoretische Anerkennung unserer gerechten Sache ziemlich gerettet, und die materiellen Vortheile dieser Anerkennung verlangen, heißt gerade sich derselben unwürdig zeigen. Aber ich spreche' von dem Zweckessen für die Zwecklosigkeit, da's der Vorstand mit Berathung des RabbinatsaffessorS für die anwesenden Deputirten der schlesischen Gemeinden veranstaltet hat, wobei es natürlich nicht an ruhmredigen Toasten gefehlt hat, das Couvert a 2 Thaler. Nun ja man liebt die Emaneipation zum Fressen. Ein Zweck'essen das Couvert ä 2 Thtr. und kaum reichen die Kollekten, die täglich für die Armen auf eine aufopfernde Weise unter- 7