Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 6 (5.2.1847)
- Date
- 1847-02-05
- Page
- Spalte 91-92 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Isaiah 1× ep/1005097
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62 Studien. Won deu Darstellung der Messiasidee 91 Geschichtsdaten Anknüpsungsfädcn genug zur Aufhellung mancher in der Geschichte selbst gelassenen Lücken, um so mebr aber, da die Wahrheit dieser gleichsam '2^ rrDO ausgesagten Daten jedem einleuchtend sein muß.. Die Verfasser der hier eitirten hebräischen Werke dachten am wenigsten daran, einstens Stoff zur Geschichte zu liefern und sie nahmen in ihren Abhandlungen nur so viek auf, als sie zu den gege-' denen Umständen für nothwendig erachteten, rurfubren aber dabei, ich will nicht sagen gewissenhaft, denn das seht Bewußtscin voraus, sondern mit der Naivetät eines lindes. -(Beschluß fttgt.) : HI. Von der Darstellung der Messiasidee. (Fortsetzurig.) Es gehören die besprochenen Stellen messianisä^er Prophezeihungen zu den wichtigsten der ganzen h. S.^ die zugleich die Belege für die Charakteristiken des christlichen Unterscheidungsglaubens mit abgeben, wie die Geburt des Messias durch eine unverletzte Jungfraufchaft (7, 14), seine Göttlichkeit (9, 5), feine davidische Abstammung zc., — und es ist, wie. aus dem Obigen deutlich, nicht ein einziger stichhaltig. Wir haben das Verständnis der Stellen als ein ganz anderes, fern von allen, der Vernunft und der bisherigen Weltregierung widersprechenden Erwartungen kennen gelerntunb vielmehr dasselbe auf ganz vernunftgemäßen Anforderungen und eine regelmäßige Entwickelung voraussetzenden Prophezeihungen beruhend gefunden. Was namentlich die auch im Iudenthum sestgehattene Erwartung der Abstammung des Messias von dem Hause David (ui p) betrifft, so haben wir es schon'früher angedeutet und werden auch später bei der Besprechung des Thema's über die Persönlichkeit des Wessias noch einmal darauf zurückkommen, daß diese'Idee nur in der verschiedenen Beziehnng des Messiasglaubens auf das Volk oder das Königthum ihren Grund habe. Dum es wird der politische und religiöse Verfall,, welcher eine Erlösung daraus durch den Messias nothwendig macht und die Idee desselben, gegründet auf die allgemeine Wahrheit des Iudenthumö und die darin liegende Kraft geistiger und sittlicher Erhebung, hecvo-rgerufen hat, sowohl in der Unsittlichkeit-des Volkes, wie dern schlechten und gottlosen Regiment der Könige gefunden und als dadurch verursacht dargestellt. Hiermit ist zugleich die messianische Erlösung sowohl von der sittlichen und religiösen Erhebung des Volkes, wie der Könige abhängig gemacht, und -die darauf bezüglichen. Prophezeihungen sind für jenes, wie für diese von Wichtigkeit, wie sie auch bald diese, bald jenes zum Mittelpunkt ihres Inhalts haben. Die Bedeutung der messianischen Erfüllung, welche das Volk in der Wiederherstellung seiner untergegangenen Selbstständigkeit mit der Realisirung aller - sich daran knüpfenden politischen und religiösen Ideen hat, hat das Königthum darum in der Erhaltung seiner Dynastie, der Befestigung und ewigen Begründung seines Thrones. Zwar ist, wie überhaupt das Königthum ohne Volk nicht besteht und der Begriff des einen auch den des anderen fordert, so auch die messianische Prophezeihung vom Königthum nicht ohne Beziehung auf das Volk, sondern vielmehr um dieses willen nur gegeben; aber die Idee von'der Abstammung des Messias aus dem Hause Davids, die Erwartung eines solchen als -j.n p ging mehr aus den Hoffnungen des Hofes , , als des Volkes hervor, und har auch mehr eine individuelil-nätionale, als allgemein-ideale Bedeutung. Jesaja lebte unter der davidifchen Dynastie und wirkte undprophezeite für diese, wie sie auch die einzige und rechtmäßige war, welcher die göttliche Verkündigung ewiger Erhaltung bei Bewährung einer stets frommen Gesinnung zur Seite stand (2 Sam. 7. 1 Kön. 9, 4 und 5). Obgleich die Messiasidce des Christenthums mit der jüdischen auf demselben Grunde und Boden ruht und durch dieselben Prophezeihungen veranlaßt ist, so ist. doch die Auslegung derselben eine so sehr' verschiedene^ daß sie nicht nur dem ursprünglichen und eigentlichen Sinne entgegen ist, sondern den Charakter der Me>siasidee > auch ganh verwischt. Denn wie das Iudenthum, als die wahre Religion, von den Erd'mverha'ltnissen des Menschen ausgeht, diese als das nothwendige Substrat betrachtet, welches die Religion als das geistige Element zu beleben und nach den Thäten und Bewegungen des Menschen zu bestimmen hat: so läßt auch die Messiasidee dies materielle Element des Lebens, das politischweltliche, nicht fahren, sondern hält es ebenfalls als ein nothwendiges Moment ihrer selbst fest. Es.ist dies die Einheit des politisch-weltlichen und geistig-religiösen Moments im Iudenthum, die principielle Durchdringung und Gehör, akeit des Staatlichen und Kirchlichen durch und zu einander, 'welche, die Darstellung der Messiasidee nach ihren beiden Seiten, der politisch-nationalen oder materiellen und allgemein - idealen oder geistigen, nothwendig macht und fordert. Es ist eine gänzliche Verkennung der Principien des Judenthums> wie.der inneren.Wahrheit der Messiasidee von dieser Unterscheidung zu abstcahiren oder sie gar zu verwischen. Es ist nun freilich wahr, daß das (Jhristenthum gerade sein unterscheidendes Merkmal in der Trennung des' Staatlichen und Weltlichen vom Kirchlich-Religiösen oder vielmehr in der vollständigen Abstrahirung von jenemhat; aber die Beur- . theitung über die wahre oder" falsche Auffassung der Messiasibie und die richtige oder willkürliche Erklärung messianischcr Bibelstellen wird eben deßhatb auch von der Zustimmung ab- ' hängen, die man jenem charakteristischen Untecscheidungsprinzipe des Judenthums angedeihm läßt. oder verweigert. Das Urtheil hierüber wird aber sicherlich zu Gunsten des Judenthums ausfallen, sowohl weil dieses Prinzip die innere, philosophische Wahrhrit und Nochwenbigkeit sür sich hat,. als weil die Nichtbefolgung und — Geltendmachung desselben