Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 6 (5.2.1847)
- Date
- 1847-02-05
- Page
- Spalte 85-86 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/8555529-9890729-9890775--4841-3532929- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
86 85 Kritiken. Schlesinger, die damalsbei Luden und Christen nidfjt sehr hoch stand, nicht unwichtig. Diese Polemik, die im Laufe der Zeiten zu einem nicht, unbeträchtlichen Umfange gediehen ist (wie' De Jl ossi’s Bibliotheea judaica antichristiana beweist), da die Juden genöthigt waren, durch die häufigen Angriffe auf ihre Religion sich zur Wehr zu setzen, oft auch angreifend aufgetreten, und einige spätere Werken dieser Art, sind die Vorläufer des Wo lfen büttelisch en Zragmentisten geworden 6). Diese Religionsgespräche traten zuweilen aus dem Dunkel deä Privatlebens heraus in die Oeffentkicbkeit, sie wurden oft von - der geistlichen oder weltlichen Behörde angeordnet, und nahmen daher oft einen solennen Charakter an, . wobei nicht selten Kirchenfürstcn und der vornehmste Adel sich eingefunden haben, um— nach unfern jetzigen Begriffen crusgedriickt. — Zeuge von menschlicher Schwachheit zu sein, und durch ihre Gegenwart, schwachen Beweisen eine Stütze zu geben. Eine solche.Versammlung war im Jahre I4t3 zu Tortosa, vom Pabst Benedikt XIII. zusammenberufen, wo die Juden eine lange , und ^hartnäckige 'Konferenz gegen den Ex- Juden, Leibarzt des Pabstes Geronymo de santa F6 (früher Zosua Lorki), zu bestehen hatten. Josef Albo war bei dieser Konferenz als Abgeordneter der jüdischen Gemeinde von Monreal zugegen. Derselbe oertheidigte standhaft den Lalmud- * ■ Albo 's Werk Ikkarim ist der Versuch , die jüdischen Glaubensartikel zu vereinfachen unv zu verallgemeinern. „Seine eigentliche Stärke.— wir lassen unfern Verfasser (<S. Xlll) selbst sprechen — bestlhet darin, die Grundlehrcn des Glaubens, soviel nur irgend thunlich, einzuschränken und zu -verallgemeinern, d. h. sie auf solche zu reduciren, die von jeder andern Konfession als wahr anerkannt werden müssen. Da- 6) 3. 33* •.&£>& DJIDN* pllN von Serach ben Isaak Troki, welches 'Voltaire nach seiner eigenen Angabe, . fleißig benutzt hat. 7) Diese Versammlung nebst den summarischen Inhalt ihrer Sitzungen hat der Verfasser in der Einleitung iS. 8 f. f.) sehr genau mit vielem kritischen Flciße behandelt, worauf wir den Leser verweisen müssen. Gelegentlich mag hier bemerkt sein, daß das (S. 9 unten) erwähnte Mar M a r Jesu mit' dem Toledot Je sch u identisch zu sein . scheint. Das Mar Mar scheint uns korrumpirt für Mamar (~iqn?3) 8« sein. Das wird unseres Wissens zuerst in einem anonymen Kommentar zum Pentateuch erwähnt, dcssen Verfasser im Jahr 1241 lebte. Es befindet sich diese Handschrift auf der Hamburger Bibliothek (Nr. 52, Folio) Wir lesen dorr (S. 5) folgende Stelle:' nid ,n>3pi w/'-v -hu b’Jjj ncbtb n'W'n.rmci v pnnn ihn d\w n"'n ^02^ nn apt? '■> w irrvaso nny j*jid uw psa 4 naa'nv pm — .aus- Thn (Das i’juty schrillt ein Schreibfehler des Kopisten zu sei«, in. Sx~b nbbp heitzc rw wn 'ui w 'i -iüdji nnatPb nbtt'nj. Einige Zeile» später, lesen wir n'rt )r>l — mbina iVfi’N-a nsbc.T'jSt'ca Eiiileitling zu Ikkarim. durch ziehet er fernem Glauben alle jene morschen Grundlagen,. die seine Gegner als leicht zu unterminiren beständig angriffen, in ihrer Bedeutung als Pfeiler und Stützen weg, und basirt ihn auf-Wahrheiten, die sobald eine positive d. h. geoffenbarte Religion Zrrgcstanden ist, augenscheinlich die jüdische als solche vor allen andern anerkennen lassen. Der M cf fia s z. B. diele Achilles-Ferse des später» Judenthums — wohlverstanden, der individuelle, persönliche Messias, nicht die einstige Erlösung aus dem Druck ■— war zu jeder Zeit ein Punkt, der dieser Religion in allen möglichen Beziehungen die größten Nachtheile, gebracht hat. Nach Innen verhinderte diese Lehre die Vergeistigung des Glaubens, knüpfe ihn. an .irdische Stützen, zog den Kultus von seiner Fortbildung ab, abgesehen davon, daß sie im Vereine mit der Auferstehung den eigentlichen Begriff des Gl.au b ens auf dm Kopf stellte und demoralisirte. Nach Außen hat uns keine- Liebhaberei je soviel, so unermeßlichen Nachthell gebracht, als die am Hause Davids. Sie verderbte und verfälschte das ursprünglich von der Idee einer Reli.gionsveredlung ausgehende Christenthum in seinem Keime, sie gab ihm die vorwiegend heidnische Richtung, die zu bekämpfen seine Mission als Absenker des Judenthums war, sie schuf die Klerisei und gab ihr Stoff zu ewiger Verfolgung, und girbt sogar jetzt, wo sie doch gänzlich sublinürt, wo sie in der prophetischen Lehre von der allgemeinen Anerkennung eines einigen Gottes und der endlichen Durchdringung des Gottesbegriffs beinahe gänzlich aufgegangen ist, sogar jetzt giebt sie noch^dem christlich sein wollenden Staate vielfach zu Ausschließungen wenigstens die Ausrede. Sind nun auch Verfolgung und Ausschließung gewiß keine Gründe zum Ausgeben eines wahren Retigionsprinzips, und können sie daher ebensowenig einen Gründ zum Verlasse11 eines auch nur a h r gehaltenen Prinzips abgeben, und haben und hätten gleich christliche sowohl wie muhammedanische Vorurtheile auch ohne dies Stoff zu Verfolgungen gefunden, so kann doch das unbefangene Wissen und Gewissen nicht umhin, solche Steine des Anstoßes aus Dem Wege zu räumen. A l bo - har nun das Beispiel dazu gegeben, indem er die Messiashoffnung aus der Reibe der ReUgionsprincipien in die zufällige, nicht entscheidenden Glaubenssätze verwies und somit , indem er den jüdischen Religionsinhalt läuterte, zugleich den mit Vorurtheilen behafteten Gegnern einen Angriffspunkt abschnitt.^ Alb o 's direkte sowohl als indirekte Polemik gegen das Chri'stenthum wie es demals war, und wie es zum Theil noch jetzt ist, war schlagend und incisiv, und hat das Verdienst, daß die neuere freiere Kritik unbefangener christlicher Theologen, ohne sie vielleicht gekannt zu haben, in den wichtigsten Punkten ganz mit ihr übereinstimmte." Wir werden auf diese Stelle bei einer andern'Gelegenheit zurückkommen. (Fortsetzung folgt). 6