Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1847)
- Date
- 1847-02-05
- Page
- Seite 47 (sequence 13)
- Language
- German
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geffen wir darüber nicht, das nahe liegende Schöne nach Pflicht nnd Möglichkeit zu nutzen! Es bleibt mir noch übrig, einige Worte über Michael Beer im Allgemeinen zu sagen. Im Wohlstand ausgewachsen lind in den reiferen Jahren seiner Entwicklung in einer friedlichen Zeit lebend, verbreitete sich sein Geist über ein weites Gebiet, aus dem er eine reiche, vielseitige Bildung zog; noch ehe er zwanzig Jahre zählte, ward ihm der später wiederholte Genuß ' Italien zu sehen ) das Feld der Literatur durchwanderte er mit rüstigem Fuß und zog von den Alten, Griechen und Römern, zu der Muse Italiens, zu S h a k e sp e a r e und Calderon. Auch die Geschichte der Kunst zog ihn an und ein Beweis von diesem Interesse ist die geistreiche kurze Novelle: ,,Rafaels Schatten". Im; Frühling 1833 ereilte ihn der Tod zu München, wo er sichfrüher längere Zeit aufgehalteu hatte und jetzt nach mehreren Reisen in Frankreich und Deutschland, Sammlung zu neuen Schöpfungen gefunden hätte. Heber seinem frühen Grabe ließ die Muse geistverwandter Dichter rührende Lieder erklingen. Man stndet sie in den gesammelten Werken. Diese hat der im Jahre 1841 gestorbene Eduard von Schenk, mit einer trefflichen biographischen Einleitung, Leipzig , bei B r o ck h a u s 1835 heransgegeben. Zum Schluffe geben wir hier eines seiner besten Gedichte, das zugleich von seiner dra- /; matischen Anschauung zeugt: Der schweigende Vesuv. Dich grüß' ich, Berg, der aus den ew'gen Schlünden So oft die flammende Verheerung goß; Dem in den plötzlich aufgerißnen Schooß > Der Forscher sank, ein ruhmvoll Grab zu finden. Pompeji kann's und Herkulanum künden, Wie Städte brennend Deine Lava floß; Doch, wie ein Held nach Schlachten friedlich groß n Verheerst Du nur, um herrlicher zu gründen. ■ j So wälze denn aus Deinen dunkeln Reichen;; Hervor die Gluthen mit des Donners Schlägen, /: Die ätherdürstend Deinen Schooß bewegen. '! Cie schrecken nicht; doch mich entsetzt Dein Schweigen, - Denn wie Du trotzest mit verhaltnen Flammen, Stürzt unter Dir der Freiheit Bau zusammen. (Sonntagsblätter.) . Papa, im Jan. (Schluß.) Nicht minder arg ist es mit der ungarischen Sprache als Unrcrrichts-Sprache bestellt. Die ungarische Sprache ist seit dem letzten Landtage die diplomatische, sie ist durch das Gesetz die Unterrichtssprache in den hohem und Niedern Schulen geworden. Wollen die ungarischen Israeliten es beweisen, daß sie in dem todten Buchstaben des Gesetzes den Geist desselben ehrew und verwirklichen; wollen sie den separatistischen Geist vollends entwurzeln, so müssen sie ihr Augenmerk vorzi'iglich auf die Landessprache als Unterrichtssprache richten. Betrachten wir die verkehrte Richtung, welche die ungarische ErziehungSi und UnlerrichtSwege genommen, so gewahren wir deutlich, wie die ihr angewiesene und im Drange der Zeit unentbehrlich gewordene Ausschließung an das nationale Element mit Füßen getreten und wie die Orthodoxie jedes Mittel, welches eine nähere soeiale Kommunikation befürchten ließ, zu verrammeln bestrebt war. In allen oberwähntm Komitaten erlernt das Kind, sogar das des Orthodoxesten mir der Muttermilch nur einzig und allein die ungarische Sprache. Es klingt oft recht Possirlich, wie der langbärtige Talmudist, der gegen die Anstellung eines ungarischen Lehrers Zeter schreien würde, mit seinem Söhulein ungarisch konversirt, welcher die Muttersprache von der christlichen Amme erlernt hat, und den er, um ihn gegen den Verfall der Zeit zu retten, sehr bald in die Schule zu schicken sich entschließt. Erst in den Schulen, die die Pflanzstätten der bürgerlichen und staatlichen Pflichten sein sollten, wird das Kind genöthigt die Landessprache mit dem babylonischen Jargon zn vertauschen, und ans Mangel der Landessprache kundiger Lehrer diese — größtenthcits zu vergessen, die es erst dann nach dem Austritte aus den Schulen als die ihm unentbehrliche Kommunikations-Sprache wieder praktisch erlernt. Wollen wir daher dem zweckwidrigen Unterrichts- Systeme, daß uns jede Hoffnung für eine durch die gegenwärtige, lernfähige Generation zu gewärtigende bessere Gestattung des argen Bildungszustandes benimmt, vollends steuern: so halten wir die. ungarische Sprache als Unterrichts-Sprache für das Lösemittel des gordischen Knotens, vor welchen! die. Orthodoxie als dem unerbittlichen noli me tangere tic Waffen strecken wird. Mögen daher die ungarischen Israeliten überzeugt sein, daß in der Würdigung ihrer Landessprache sich ihnen das gedeihlichste Feld darbietet, sich den Fortschritt in Schule und Kultur dauernd zu sichern. Sie entwaffnen hierdurch einerseits die zu allen Verdächtigungen stets bereite Orthodoxie, und sichert sich andrerseits die Anerkennung und das Wohlwollen des Landes, dessen Söhne die nationellen Bestrebungen ihrer 600,000 Mitbrüder mit aller Liebe nnd Schutzteistung würdigen werden. Moldau und Walachei. Der Schlesischen Zeitung wird aus Jassy vom 14. Jan. geschrieben: „Aus.- G alaez sind traurige Nachrichten eingegangen; dieser Ort war nämlich in den griechischen Feiertagen der Schauplatz tmnnltarischerRuhestörung. Es wurden hierbei die Juden nicht nur ans der Straße gehöhnt und gemishandelt, sondern es drang auch ein ans 2000 Menschen angewachsener Volkshaufe am zweiten Feiertage Nachmittags vor das jüdische Vethans, demolirte dasselbe und trug die Blätter der zerfetzten Schulbücher und der Tora als Trophäen in den Wirthshänsern herum. Am dritten Feiertage war der