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Der Orient · 1847-02-05 · Heft 6 (5.2.1847) · p. Seite 46

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 6 (5.2.1847)
Date
1847-02-05
Page
Seite 46 (sequence 11)
Language
German
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46 dieser die cdcln Gedanken seines Geistes, die warmen Bilder seiner Phantasie dein schreitenden Kothurn vertraut. Vergessen wir für heute den Tonsetzer, er überlasse wie Pollux dem Kastor seine Stelle unter den Lebenden dem Schatten seilles Bruders. Michael Beer, im Jahre 1800 zu Berlin geboren, hatte, obwohl er auch mehreres Lyrische und Epischlyrische zurückgelassen hat, seine vorzügliche Stärke im Drama. Man erinnert sich, mit welchem Wohlwollen der alte Goethe in jener Zeit, wo ihn das dichterisch erwärmende Feuer zu verlassen begann, aber sein Verstand noch in majestätischer Klarheit das literarischeWeltgebäude durchmessen, den Paria begrüßte. Für ein anderes Werk des Dichters, das Trauerspiel „Struensee", hat die neuere Zeit Zeugniß abgelegt, da dasselbe vor kurzem, durch M e y er b e er s treffliche Musik cingeteitet, zu Berlin aufgeführt wurde. Diese beiden Schöpfungen, der ,,Paria" und der „Struensee", sind es vorzüglich, welche die Augen seiner Zeitgenossen aus Michael Beer gezogen haben. Der Paria, dieses schreiendste Bild der Unterdrückung, diese furchtbarste gleichsam auf die Spitze gestellte Anklage gegen den Egoismus einzelner Kasten, war ein willkommener Vorwurf, mit die Neste von Barbarei , die dem Betragen unserer Zeit gegenüber dem jüdischen Volke ankleben, in einem grellen Lichte zu zeigen und der Widerspruch, in welchem wir uns dadurch mit dem Geiste unserer eigenen Religion befinden, poetisch empfinden zu machen. In dem schmalmRaume eines einzigen Aktes erfüllt sich die ergreifetlde Tragödie, wie das Dpfer eines ans blindem Kastenstolze hervorgegangenen Haffes gräßlich verblutet und durch die Rache, die dem Bösen ans sich selbst einwohnt, ohne es zu wollen, ein Glied aus der Mitte seiner Verfolger mit sich in dcn Abgrund zieht. So erhebt sich auf indirekte Weise das Ideal der Menschlichkeit ans dem dunkeln Grunde bitterer Ereignisse. Wenn Lessing im „Nathan" aus der unparteiischen Höhe des gereiften Denkers seine milden, klaren Sprüche herunterwirft, so begegnen wir in Beer einem glühenden Jüngling, der aus den Reihen der Betheiligten selbst fechtend hervortritt; in jenem erkennen wir die Ruhe des klugen Anwalts, in diesem die Leidenschaft des sich unschuldig fühlenden Angeklagten. Was sich aber auch über die verschiedene Form und Fassung solcher-Analogien sagen lassen mag, so viel ist gewiß: sie haben weit mehr gewirkt und wirken weit mehr für die Sache der Menschheit, für die billige Stellung der Juden, als das Gold in den Händen jüdischer Bankiers-, nicht als ob die vielen und großen Privatwohlthaten, die von hier auSgehen, zu verkennen wären, aber diese sind nichts tut Vergleich zu der allgemeinen Wohlthcit gerechter, menschenfreundlicher. Gesetze; hätte nicht zu diesem Ziele der. denkende und herrschende Theil der europäischen Bevölkerung seit einem Jahrhundert hingestrebt, es ist sehr zweifelhaft, ob es so manchem glänzenden Hause mög- .lich gewesen wäre, die vollsten Treffer ans dem Glücksrade zu ziehen; man vergleiche nur die Gesetzgebung in Betreff der Inden vor Josef II. Das bedeutendste Werk, das Michael Beer geschaffen hat, ist sein „Struensee"; kein. Erzcngniß einer : jugendlichen Tendenz, aber ein Werk, durchdrungen von ruhiger Kraft und voll gediegener Schönheit; hier schildert er „das Schicksal, das gewaltig von Tag zu Nacht -die Erdenachse dreht;" der Held, als edler politischer Charakter auftretend mit der Absicht, eine wohlthätige Freiheit in Dänemark, das er als allmächtiger Minister beherrscht, zu verbreiten, verwickelt sich in eine Leidenschaft für die Gemahlin seines Königs; jene seine Stärke und sein Edelnurth eriveck'en ihm Feinde, diese seine j Schwäche gibt ihren tückischen Waffen Macht über ihn, i und getroffen sinkt er unter ihren Streichen. Mit Würde, Ernst und Zartheit sind diese Verhältnisse dari gestellt und da das Faktum hinter dem breiten Graben der französischen Revolution liegt, so dürfte eine öffentliche Darstellung dieses historischen Stückes wohl keinen Anstoß findett, ein solcher könnte sich nur bei einigen vereittzelten Stellen ergeben, die sich bei dem Reichthum des Gattzen wohl entbehren ließen. Die tragische Ver- - wicklung ist spannend, ohne daß das Räderwerk der Jntrigue allzukomplicirt wäre, die Effekte sittd meister- £ hast gehandhabt. Die Sprache ist schön, gerundet, die ' I Fassung der Charaktere erinnert hie und da an Göthes; „Egmont", au Schillers „Wallenstein", .aber der Eindruck des Ganzen, die Wirkung des Stückes bleibt \ original. Der Ruf dieses Dichters ist fein Geschöpf f' der Familienkottterie, davon würde man sich überzeugen, j wenn man dieses Stück, zu Gesicht bekäme: es ist mir p nicht näher bekannt, wie es zu Berlin ausgenommen p wurde, die dortige Aufnahme wäre auch für Wien nicht l maßgebend, denn-man weiß ja, daß von diesen beiden jp Augen Deutschlands^ gar oft das eine für blau ansieht, p was dem andern grün scheint. ' In den zwanziger Iah- | tot lag das historische Ereigniß noch näher, als heute, dies war der, jetzt wegfallettde Grund, warum die Ans- | sühntng sich von Muttchen aus tticht weiter verbreitete, | jetzt empfiehlt sich eine solche noch durch die von Meyerbeer komponirte musikalische Einleitung. Freuen wir p uns, daß wir neben den glänzettden Leistungen lebender Dichter immer noch Erzeugnisse sinden, die aus J dem Schlummer der Vergattgettheit erweckt, neben c jenen auf uns zu wirken vermögen. Wie unsere Werk- .«• stättelt das Elfenbein vorweltlicher Geschöpfe zu ihren * mannigfaltigen Knnstgebilden verarbeiten, so haben wir, um unseren vielfachen Ansprüchen genug zu thun, in - einer ich weiß nicht, ob klassischen, ob romatttischen Ani - Wandlung sogar die antediluvianischen Tragödien deö :j griechischen Alterthums auf unsere Scene gerufen, ver^

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