Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1847)
- Date
- 1847-02-05
- Page
- Seite 45 (sequence 9)
- Language
- German
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45 unbedeutender Kosten. —- So macht man in neuester Zeit viel Aufhebens von der Aufhebung unnöthiger Formalitäten bei zu leistenden Bürgerciden Seitens der Juden. Dies ist in Baiern schon längst geschehen. Den Bürgererd leistet der jüdische Bürger wie der christliche vor seinem zuständigen Gericht, sogar ohne Zuziehung eines Rabbiners. Nur in Prozessen, die das Mein und Dein betreffen, in denen der Gegner, besonders wenn er Christ ist und die Scheu der Juden vor solchen mit vielen Formalitäten umgebenen Eid kennt, wird solcher in den Synagogenmit Zuziehung eines Rabbiners, mit' der Tora ütt Anne re. abgeleistct und die übliche große Admonition auS dem preußischen Landrechi verlesen. Ob aber die Heilighaltung des Eides durch die Entkleidung; von aller Feierlichkeit einer gewissen Oeffentlichkeit, bei! den Inders besonders, auf dem Lande, erhöhet wird, ob j wir uns zu einer Zeit, wo man bei den Gesetzgebungen i sich anschickt, den Eid der Christen feierlicher zu gestal- \ ten und ihn mit Aeußerlichkeiten zu umgeben, Glück j wünschen dürfen, daß bei uns der Eid zu einem kalten \ Akt im stillet! Amtszimmer sich gestaltet, das möchte ich l Tieferblickenden zur Entscheidung überlassen! Ich möchte ' mich nicht dafür aussprechen. —- Aus unserm literarischen Gebiete folgendes: Zu den zahlreichen vorhandenen deutschen Gebetbüchern für Israeliten ist noch eines bei Frank in Sulzbach erschienen , und zwar verfaßt von einem sich nicht nenncnbm Gelehrten mit Beihilfe vieler.gelehrten ebenfalls ' nicht genannter Mitarbeiter. Ist das nicht ein Wunder tu unserer Zeit? Ein sich nicht nennender jüdischer Gelehrter. Hat man das noch erhört? Das Wunder löst sich aber, .wenn man bedenkt, daß die Gebete zum Theil ganz aus andern Gebetbüchern zusammengetragen sind», wozu bekanntlich weder Name noch Gelehrsamkeit gehört. K. Oesterreich. Prag, 20 Inn. Meine erste Korr, für das neue Jahr kann ich leider nur mit einem Räsonnement beginnen s denn es giebt bei uns der Thaien oder Thätigs keiten nur wenige und Stoff zu Klagen ist reichlich da. - Unsere Alma mater, die Universität, macht bedeutende \ Vorbereitungen zu ihrer vierhnndertjährigen Feier und f; lim wünschen herzlich, daß sie mit Frarrcesconi für im- Mer die alte Zeit abgeschlossen habew möge. Wie ich höre, soll anchDr. Wessely ein großes Werk über das jüdische Recht zur Ehre der Säkularscier ausarbeiten, | und wir wünschen uns im Voraus Glück dazu, da sich m ihm juristisches Wissen und Liebe zur Wisseuschast Iudeuthmns vereinigt. Die Aushebung oder Erbreiterung des Ghetto sind bekannte Fragen, die auch in vi ume Jahr herübergenommen wurden, und dieses ^lück, Mittelalter wird wahrscheinlich auch im nächsten Ä if Jahre noch nicht seine Endschast erreichen; es scheint mit den Anschauungen des mittelalterlichen Christenthums verwachsen, und wo dieses herrscht, da ist jenes als Folie nothwmdig. Die andere Frage ist die Steuer, die auch im nächsten Jahre noch nicht gelöst sein wird, und wir behalten vorläust'g wahrscheinlich noch die jüdischen Pächter. Alle diese Fragen mag ich weiter nicht berühren; es sind und waren Themata, die schon vielfach hier diskniirt worden» Aber einen Punkt muß ich berühren, der unsere große Gemeinde äugelst, nämlich der unerhörte Jndifferentismus, der sich wie eine schwarze Wolke ans ihr lagert. Die religiösen Kämpfe in der Judenheit Deutschlands, der Kampf der Reformer gegen die allmalige historische Entwickelung, der hinreißende Muth, die überströmende Begeisterung von beiden Seiten, alles das ist nicht im Stande, die stumpfsinnige Gleichgiltigkeit in unserer Gemeinde auszurütteln; jeder Funke eines religiösen Interesses scheint erloschen, jede Regung für ein gesundes Leben der Zukunft erstorben, und diese todtengleiche Gleichgiltigkeit beherrscht alle, unsere Rablmer, unsere Prediger, unsere Literaten u. s. w. freilich nur wenn es Juden und Judenthmn betrifft. Wiele unserer jungen Leute, die sich als wer weiß wie gebildet geriren, denken, daß sie das europäische Gleichgewicht erhalten, wenn sic einige säst- und kraftlose Recmsionen in einigen der dunkeln Tageöblätter geschrieben, oder wenn sie ein Koncert bekrittelt und einer Sängerin geschmeichelt. Und unter den Größeren, Würdigeren ist kein Einziger da, der eine Anregung zum Bessern geben will, Keiner der Muth hat, irgend einer bestimmten Meinung zu heben. Es giebt freilich einige Ausnahmen, ich will, wenn auch nur in einer Beziehung, die Namen Przibram, Epstein u. f. m. nennen, allein was ist dies in einer so großen Gemeinde und noch dazu wo gar keine Anregung ist? — Unter den hiesigen jüdischen Studierenden hat sich hier ein kleiner Verein gebildet, nach Kräften den Kollegen beizustehen; aber was'vermögen einzelne junge Leute? -— Hr. v. Läme( rst zum ersten Direktor der hier zu errichtenden Filialbank, Gr. Roscnthal ist zum zweiten Direktor ernannt worden. — W. Wien, im Jan. (Ein Bruder Meyerbeers.) 'Die Anwesenheit Meyerbeers in Wien gibt mannigfache Gelegenheit sich der früheren Trimnphe, der bleibenden Verdienste dieses berühmten Künstlers zu erinnern; sie ist aber auch dazu geeignet, Erinnerungen, Gedanken und vielleicht Hoffnungen auf einem andern, dem Reichender Töne nahe verwandten Gebiete zu wecken. Derselbe Stamm, dein M e y c r b e e r s hervorragendes Talent entsproßt ist, hat noch einen zweiten köstlichen Zweig getragen in. einem jüngeren Leider zu frühe verstorbenen Bruder des Komponisten, Michael 'Beer. Während jener die sprühenden Empfindungen seines Herzens in melodischen Rhithmus wandelte, hat