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Der Orient · 1847-02-05 · Heft 6 (5.2.1847) · p. Seite 44

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 6 (5.2.1847)
Date
1847-02-05
Page
Seite 44 (sequence 7)
Language
German
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44 befindet, da' nach Gesetzen über katholische Verhältnisse und dort nach solchen über protestantische Verhältnisse*, oder ob sie, wie bisher lec der allerhöchsten Stelle einem sogenannten Juden-Depntator, wie dermalen dem eisernen Gesetzesmann, Baron Dnprell, überantwortet bleiben, wird die nächste Zukunft lehren. Das Jgnoriren der ganzen Sache ist in jeder Beziehung kein gutes Omen. Und doch bedürfen unsere kirchlichen Verhältnisse einer obern Leitung, einer festen gleichmäßigen Handhabung bestehender Anordnungen und der Einführung zeitgemäßer Institutionen, denn wie die Sachen jetzt stehen, wenden die Gebildetem, besonders unter der Jugend, den Fragen der Zeit sich zu, sie dispensiren sich selbst von dem Bestehenden und arbeiten so der Zersetzung in die Hände, während die Masse, das Volk, also die große Mehrheit sich mit aller Kraft au dem Bestehenden und wäre es auch noch so veraltet und widersinnig anklammert und hierzu noch in vermeintlicher Begünstigung von oben hierzu eine Aufforderung erblickt. Des gänzlichen Verfalls der. Synagogen-Ordnungen, /des Strebens auf die erledigten Rabbinatsstellen unbebedcutende, uustudirte Subjekte zu bringen u. dgl. nicht zu gedenken, will ich aus vielen ein Beispiel anführen, das so kleinlich und lächerlich es scheinen mag, doch von dem Geiste Zeugniß giebt, der die Landgemeinden und oft ihre geistlichen Führer beherrscht. Eine nicht kleine > Gemeinde, welche ihre Todten nach einem entfernten Orte führt, begleitet diese immer über eine Viertel-, stunde weit über einen Weiler hinaus, in dem früher Juden gewohnt.,' die sich der Begleitung angeschloffen hatten. Der Lehrer machte die Gemeinde auf dasUeberflüsstge und Störende dieser weitern Begleitung bei geänderten Verhältnissen, da in jenem Weiler jetzt keine Juden mehr wohnen, aufmerksam und daß selbstin alten Zeiten gar vieles frODSH *mü QWD abgeändert worden sei. Es leuchtet ein, man will aber doch erst bei dem Gewissensrath, dem Rabbiner anfragen, da im Punkte Lebens und Sterbens nicht gut eine Äenderung vorzunehmen sei. Dieser erklärt nun: Weil man sich lange Zeit so -jnu gewesen habe, so müsse es dabei verbleiben, und die ganze Gemeinde begleitet fortwährend die Leiche über eine Viertelstunde und erst darüber auf öffentlicher, sehr frequenter Straße wird Halt gemacht und das D'D'n gesagt. Aehnliche und tiefer greifende Beispiele könnte man noch mehr an führen. Es kommt gar viel auf die Leiter der Gerneinden an, denn unsere jüdischen Landsleute gleichen hierin ganz unfern deutschen Bauern und ein Sprichwort sagt: Wenn der Bauer nicht muß, . . ') Die israclit. Schüler werden in solchen Orten, in welchen ein katholischer Pfarrer die Inspektion hat, mit dem 12. Jahre entlassen und in solchen, in welchen ein protestantischer'ihr vorstehl, mit dem zurückgelegten 13. Jahre erst entlassen. rührt er nicht Hand nnd nicht Fuß! — Auf der andern Seite ist der Jndifferentismus leider so weit schon eingedrungen, daß man Alles, Synagoge nud Schule so gestalten möchte, daß sie nur wenig oder gar nichts kosten. Es e.ristirt ein Begriff, den man bisher nur auf Wahnsinnige und Spitzbuben anwendete, sein Name ist ,,Anschließen". Der hat sich null auch vieler Landleute bemächtigt nnd kaum hat ein Rabbiner die Augen geschlossen, so spricht man schon vom ,,Anschließen" all ein anderes Rabbinat, wodurch natürlich das bisherige Rabbinat aufgehoben nnd also die größere Ausgabe für einen Rabbiner erspart werden kann. Dieses Gespenst, welches bislang nur in der Rabbineuvelt seinen gräulichen Spuck trieb, drohet nun auch in das Schulwesen überzuspringm. In Lellkeröheim in Mittelfranken starb kürzlich der Religionslehrer Lippmann und siehe da! auch dort will man die Religionsschnle auflösen und sich einem entfernten Orte anschliesien. Hier tritt aber ein Andres dazwischen. An ein Rabbinat können sich leichtlich noch mehre Gemeinden anschließcn. Der Rabbiner wird dadurch mit Amtsgcschäften nicht überbürdet und die Gemeinden vertieren nichts. Eine Predigt jährlich kommt doch noch auf jede. Aber die Schule soll nicht übervölkert werden und der für eine Schule augestellte Kehrer nicht deren zwei übernehmen. .Daher danken jene Gemeinden höflich für einen Zuwachs, der des „Anschließms" bedarf! — Der Lehrer und Vorsänger Jondorf in Dictenhofen, welchem von der allerhöchsten Stelle, wie bereits gemeldet, die Nach-Matrikel zur Ansässigmachung verweigert worden ist, hat sich in einer ehrerbietigsten Vorstellung an Se. Majestät unfern König deshalb gewendet und ist dem Erfolg demnächst entgegen zu sehen. — Wenn es solcher Schritte bedarf, um sich einen eigenen Heerd zu gründen, so kann es nicht Wunder nehmen, daß bereits in Mittclsranken ein Mangel an Israel. Lehrern eintritt, der sich bald recht fühlbar Herausstellen wird. Unterfranken jedoch hat an diesem Artikel zur Zeit noch Ueberfluß und ist allezeit bereit uns einen Lehrer-Schub — in der Weise gesprochen, wie man in Frankreich von eitlem Pairsschub spricht —, zukommen zu lassen. Dort gedeihen sie wie die Pilze. Ans dem Rechiöboden hingegen sehen wie dagegen unser gutes Recht immer fester» Fuß fassen. Wo eine Rechtsfrage zu entscheiden, da wird bei unfern Gerichten, wenn nicht klare, geltend gemachte. Gesetzesbestimmungen in Frage stehen, nicht nach Ansehen der Person, nicht nach der Konfession entschieden. Zeuge dessen mag aus der neuesten Zeit ein kleiner Vorfall in dem Markte Treuchtlingen fein. Dort hatte man mehre isr. Jünglinge von dem bestchellden Gesangverein ausgeschlossen. . Auf erhobene Beschwerde wahrte das kön. Landgericht Heidenheim die Rechte der Ausgeschlossenen und verurtheilte der! Gesangverein zur Tragung sämmtlicher nicht

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