Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1847)
- Date
- 1847-02-05
- Page
- Seite 43 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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43 V 4 1 1 i I Theilnahme an der Entwick'.lnug und Bildung, hat selbst die Unzufriedenheit entfesselt und so den Entschluß hervorgerufen." Posen, 22. Jan. Sie werden die Kunde aus den Zeitblättern vernommen haben, daß unsere Stadtverordneten für völlige ungeschmälerte Emanzipation der Inden gesinnt und daß in Aussicht steht , unsere Provinzialstände werden dafür ein Gesuch an den König stellen. Aber alles dies ist nur eine leere, trügerische Hoffnung für uns, so ehrenvoll es auch für die Ständemitglieder und Stadtverordneten sein mag. Wie vor 10 Jahren die von unseren Ständen beantragte Beschränkung der Juden von Seiten der Regierung unbeachtet geblieben, eben so wird auch wahrscheinlich dieses bleiben, und bei dem unvollkommenen Institut unseres Provinzialständewesens kann es nicht anders sein, da die Regierung ganz und gar ihren eigenen Weg geht. Das seit Jahrzehnten ersehnte Judengesetz, welches nach Angabe der Regiernngöorgane noch bevorsteht, ist die stereotype Antwort auf alle Anträge, sowohl von Seiten der Stände als auch der Gemeindckorporation, und wir zweifeln sehr, ob das, was vor einem Menschenalter vielleicht von Segen war, noch jetzt eine Anwendung haben würde. Die Noth ist immer noch sehr groß, trotz der enormen Unterstützungen, welche gewährt werden; aber weit schlimmer daran sind' die armen Juden in den kleinern Städten der Provinz, wo eine gräßliche und herzzerreißende Armuth herrscht. Solches erfahren wir von den Gemeinden zu Neustadt an der Warte, Mi las law, Zerkow o, Jarothin , Misch kowo , Santomisch l u. s. w., wo selbst in den besten Jahren eine traurige Armuth herrscht. — Won dein Rabbinate zu Krotoschin ist es mit einem Mate still geworden; der Anfang der Reform ist bereits gemacht, denn cs war Skandal. Wie man vermuthet, wird wahrscheinlich Dr. Hirschfeld ans Wollstein dahin kommen, was gewiß sehr passend wäre, und Grätz soll dann nach W oll stein berufen werden. Doch mag ich dies nicht verbürgen. — Wie das Literaturblatt zum. Israeliten des 19. Jahrh.'s ciugegangen, eben so die hier in der Provinz erschienene jüdische Monatsschrift, die ohnehin kaum gesehen wurde. Dr.. Gebhard ist noch in Wreschen, in dieser Stadt seiner großen Leiden, und seine Berufung anderswohin scheint in Stocken gcrathen zu sein. Er verdient aber, schon seiner schönen Redegabe willen, aus dieser Sklaverei befreiet zu werden. lieber unsere jüdische Schule hier in Posen, da Sie genaue statistische Notizen wollen, mag Ihr anderer genau unterrichteter Korrespondent mittheiten. — Dresden, 22. Jan. Für die Leser des Orient werden vielleicht folgende Mitthcitungen von Interesse sein. In unserer Gemeinde waren im Jahre 184.6 24 Geburten, 20 Todesfälle (exel. einiger fremder Israeliten) und 9 Paare (incl. 3 ausländische Paare) wurden j getraut. — DaS jüngst erlassene Gesetz, die Bestellung von Friedensrichtern im Königreiche Sachsen betreffend, macht die Befngniß zum Friedensrichter erwählt zu werden nicht von dem Bekenntniß der christlichen Religion abhängig, und läßt mithin auch Israeliten zu dieser Funktion zu. Auch ist der für die Friedensrichter vorgeschriebcue Eid ganz allgemein, ohne konfessionelle Färbung. Da nun in Preußen den Inden die Uebernahme von Schiedsrichterstmktioncir noch versagt ist, so erscheint diese Mittheilung wohl nicht ohne Interesse.— Leipzig, 27. Jan. Seit dem neuen Jahre sind einige jüdische Blätter, die man gerade mit großem Interesse gelesen, nicht angekommen. Unter diesen ist: 1) Der Jude in Deutschlands Gegenwart von Eduard Cohn; 2) Uniyers IsraeLite, von S. Bloch; 3) die Monatsschrift von Ben - Barnch (Crehange). Wir wissen nicht, ob blos die Unfahrbarkeit der Wege schuld ist, oder ob der Grund anderswo liegt. — Das schöne Trauerspiel Gutzkow's „Uriel Acosta" haben wir hier dreimal über die Bühne gehen sehen; cs wurde im Ganzen würdig und gut gegeben und die Ausstellungen, welche die Kritik etwa hie und da machen konnte, sind ohne Schaden des Stückes, eigentlich leicht zu verbessern. Ueber eine einzige Seene desselben, nämlich über die de§ Akiba, wo er die Geschichte des Elischa b. Abuja erzählt, ist so eben eine kleine Broschüre von Ad. Jellinek erschienen, worin die Geschichte dieses Apostaten nach den Quellen erzählt wird. — In der statistischen Notiz über die hiesige jüdische Bevölkerung, die durch alle Zeitungen die Rlrnde machte und auf einmal recht ansehnlich erschien, ist der Jrrthum vorgekcmmen, daß auch die Fremden mitgezählt wurden. —- Baiern, im Jan. (Monatsbericht.) , Man trug sich bei uns lange mit der Nachricht von der Errichtung eines eigenen Kultllsministeriums und knüpfte die Hoffnung daran, daß auch unsere kirchlichen Verhältnisse dadurch einer Regelung entgegensehen dürsten. Etwas derartiges ist nun geschehen, aber die Art und Weise, in der es ins Werk gesetzt wurde, läßt jener Hoffnung wenig Raum. Das neueste Gesetzblatt enthält eine Verordnung, wonach vom 1.. Jan. 1847 an, eine eigene Abtheilung für die kirchlichen Verhältnisse, mit dem I u st i z- M i n i st er i u m vereinigt, in Wirksamkeit treten und welcher zweiRäthe, ein katholischer und ein protestantischer, vorstehen sollen. Weitläufig wird darin bestimmt, was zum Ressort dieser allerhöchsten Behörde gehören soll, aber der Verhältnisse von mehr als 200 jüdischer Kuttgemeinden mit ihren SynagogennndRcligionsschnlen undmitihren vierundvierzig Rabbinate» wird mit keiner Sylbc gedacht. Ob unsere kirchlichen Verhältnisse hinfort vom katholischen oder protestantischen Rath behandelt werden, oder wie unser Schulwesen, je nachdem sich die jüdische Gemeinde in einem katholischen oder protestantischen Orte 6* .