Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 5 (29.1.1847)
- Date
- 1847-01-29
- Page
- Spalte 75-76 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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75 Studien. Die biblische - Bedeutung des/ Bundes^ : Bon Friedenthal neuen Offenbarung heraus. Da gab ihm in dem Noachitischen Bunde die Grundlage der staatlichen Vereine den wahren Contrat soeiai der Menschheit, der den gesetzlichen Zustand aller civilisirten Nationen begründet hat. Mit Abraham schloß er dann den Fannlienbund; und mit dem Bünde am Berge Sinai führte Gott endlich die Anordnungen herbei, in denen der legal-moralische Zustand der Theokratie besteht, und gab dadurch den Nationen das Vorbild, dem sie , um das höchste Ziel der Menschheit zu erreichen, nachzucifern haben. Dieses sind die vier großen Bündnisse*), welche Gott dem Menschengeschlechte in der Reihenfolge offenbarte , als die Völker zu deren Empfängnisse reif geworden waren. Die früher geoffenbarten gehen in mancher Hinsi ch L an GiLtigkeit für alle Menschen und an Wichtigkeit den späteren voran. Sie ffind' keineswegs blos dem israelitischen Volke geoffenbart, es finden sich vielmehr Spuren davon bei allen Völkern, von den Wilden, bei denen sich noch kein geordneter Zustand der Familie und des Staates gebildet hat, — bis zu den civilisirten Völkern der alten und neuen Zeit heran; zwar vielfach durch Wendungen und Zusätze entstellt; — aber ohne das heilige, wenn auch durch die Barbarei der Menschen gar sehr getrübte Licht der Offenbarung kann sich keiri Staat, keine Familie, ja nicht einmal ein einzelner Mensch aus dem thierähnlichen Zustande erheben, der wahren Idee der Menschheit nahe treten. Ganz verschieden von jenen von Gott eingesetzten Bündnissen, sind nun diejenigen, welche aus * eine freiwillige Uebernahme von wechselseitigen Pflichten beruhen. Sie stehen zwar jenen Ln allen Punkten nach, und sind, wo sie ihnen widersprechen, an und für sich ungiltig; meim jedoch dieser Fall nicht eint'ritt, so ist auch ihre Erfüllung ein heiliges Gebot, und ihre Verletzung mit strenger Strafe verpönt. — Auch bei diesen, aus Gegenseitigkeit der Pflichten beruhenden Verträgen ist der Eid unnöthig. Der Bund (Deut. 24, 1) wurde ohne Eid geschloffen, und hatte demnach deffcrr Giltigkeit und Unverletzlichkeit. Nach der Ansicht des Tam, pöD und Mardchai wird schon die Handlung bei Bündnissen als Eid betrachtet; ja bei den Geonim ist ein Bündniß sogar noch wichtiger als ein Eid; nur Salomo ben Aderet setzt es dem Eide nach, und wie ich glaube, mit Unrecht, denn: wo Gegenseitigkeit der Pflichten verabredet ist, gilt der Kontrakt und Handschlag dem Eide gleich. (Ezechiel 17, l8.) — Solche Bündnisse kommen in der Bibel an mehren Orten vor, z. B. zwischen Josef und-seinen Brüdern über die Fortführung seiner Leiche nach Palästina sExod.13. .Gen.4M, 4) Die Grundlagen dieser Bündnisse sind also die Erhaltung der Menschen im Staate, und der. Glaube an einen einzigen Gott, deren Verletzung wir mit Selbstaufopferung nach dem Traditionsgesetz vermeiden müssen, und zu deren Aufrechterhaltung wir uns jeder Gefahr aussetzen können. — 76 Jakob und Josef, Jetro und Moses, David und Jonatan, Sam. 120. — > So wie diese Bündnisse und Gelöbnisse den alten von Gott eingesetzten nie widersprechen dürfen, so können auch spätere niemals die Wirkung der früher» aufheben. Wenn die Frau ins Ehebündniß tritt, so übergiebt sie sich dadurch der Gewalt des Mannes, ihre Gelübde sind nur unter dessen Genehmigung verbindlich. Auf gleiche Weise ist das Gelübde eines minderjährigen Mädchens ungiltig, wenn der Vater als Familienhaupt widerspricht (Rum. 20, 5—8} und nur wegen des Leichtsinns, mit dem sie gelobte, bedarf sie Verzeihung von Gott (rb r6b' '-n) — Es kommt zuweilen vor, daß Pflichten einander zu widerstreiten scheinen, indem die Erfüllung einer eingegangenen Verbindlichkeit einem sonst löblichen Zwecke nach theilig wird. An dieser Klippe scheitern oft sonst sehr ausgezeichnete Männer. Zidkijahu ließ sich durch seinen Wunsch für die llnab-. hängigkeit feines Landes verleiten s), den mit Nebukadnezav eingegangenen Vertrag zu brechen. — Ahron war bei dem Dienst des goldnen Kalbes nachsichtig gegen das mit Aufruhr drohende Volk,-zu wasdessen. gänzlicher Auflösung geführt hätte. Moses fehlte bei den Streitgewässern und Saul ließ sich bei Behandlung der Gibeoniten und des Königs '.von Amalek, hier durch unpassende Milde, dort durch. Strenge, beides wider den Willen Gottes zu einem Fehler verleiten. Jene Männer neigten sich in der Kollision der Pflichten zu einer Unrechten Entscheidung, und ist ihnen augenblicklich aus dem Gedächtnisse entschlüpft, baß das Gesetz nun; zur Verherrlichung des großen Namens Gotres gegeben ist. (njn.3 sh 1DW ttnpb -rnm.) Und nur die Erfüllung der Bündnisse seinen Namen verherrlicht, sowie deren Nichterfüllung ihn entweiht; und so kräftig die Entschuldigungen dieser Männer auch waren, das Vergehen wurde an ihnen doch streng bestraft. — Wenn nun jeder Staatsverband als ein von Gott eingesetzter Bund betrachtet wird, und seinen Ursprung in dem Bunde Noah'ä hat, so ist daraus zu entnehmen, daß derselbe jedem seiner Mitglieder heilig und unverletzlich ftin muß *); die von den Staatsbehörden anferlegten-Versicherungen und Betheuerungen bedürfen weder des Eides, noch der Anrufung Gottes', und sind letztere nicht nur unnöthigsondern sogar unzuläßig. — Zuweilen werden auch bei Bündnissen Flüche und Verwünschungen ausgesprochen; dies ist jedoch ein Misbrauch; 5) Nach der von Mardechai rODD angeführten nhSdo. . 6) Die Männer der Mischna sagen: Bete ftic daS Gedeihen der Landesobrigkeit, denn wäre nicht die Furcht vor ihr, so würde Einer den Andern lebendig verschlingen. Auch die großen Propheten Jeremir und Ezechiel strebten dahin, besonders aber Gedaljahu, dessen Tod durch Mörderhand wir noch durch feierliches Fasten und Beten beklagen (Reg. 2- 25, 22). - >