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Der Orient · 1847-01-29 · 5 (29.1.1847) · p. Spalte 71-72

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
5 (29.1.1847)
Date
1847-01-29
Page
Spalte 71-72 (sequence 4)
Language
German
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71 Studien. Geschichte der jüdischen Literatur m Babylonien v. Z. Fürst. 72 (Ne^ila) ebenfalls verfaßt, da sein Sohn /U l l a es schon vorgetragen ^^3). Zu der Beracha nach dem Vorlesen der Ester- Megillä, beginnend r „Gott, der unsere Streitsache führt x64j", wie zu dem Pijjüt „die Rose Jakobs" J65) hat nur R a b den Grund gelegt 166), wie er überhaupt fast das ganze Ritual reyidivt, ergänzt, berichtigt und bereichert. Und wie er in Bezug aus die Liturgie selbstthätig und schöpferisch war, eben so sind von ihm Vorschriften und Regeln, die Liturgie betreffend, ausgegangen. Er bestimmte die äußere Form und den nothwendigen Inhalt jeder Eulogie ^7) , die legale Pflichtrnäßigkeit oder Freiwilligkeit irgend eines Gebets168), er substitm'rte ausziigliche kürzere Schemen für längere ^>^), oder ec . schuf neue kurze für andere lange Gebete (Tesillot Kezarot) 17°). —. 3. Minder thätig für die Liturgie war jedoch sein-Genoffe Mar Samuel, obgleich dieser in Festsetzung des Kalenders vieles vor ihm voraus hatte. Wie Rab nach der aus sieben Eulogien bestehenden abendlichen Sabbat-Tefilla ein eigenes kurzes Gebet verfaßte, eben so hat Samuel ein kurzes für die täglichen achtzehn Eulogien gemacht, beginnend: „Gieb uns dasVerständniß, deine Wege zu begreifen1Ein Schlufgebet für den Sühnetag, beginnend: „Aus des Herzens tiefsten Gründen hat er ebenfalls verfaßt, nur befindet es sich nicht mehr in der Liturgie. Bei manchen Hymnen und Gebeten wich Samuel von Rad nur in einzelnen Formeln ab, von geringerem oder größerem Umfange 173), oder er hat ein eigenes Stück^mir eigenem Brauche gewählt l74) In seinem Namen wurde auf die Segenssprüche von den zu genießenden Dingen viel gehalten 17S), und die Gruppe von den sieben Benediktionen bei der Trauung, welche sein Schüler Jehuda mittheilt, ist wahrscheinlich auch von ihm, wie auch der Segen über den Neumond 176). —. 4. Mit diesen zwei Liturgisten oder Hymnendichter ist das Seder Tefillot oder die gesammte synagogale Liturgie in ihrem kernhasten und unveränderlichen Theile fast geschlossen: denn was nach diesem Lehrerpaare Babyloniens in Babylonien wie in Palästina noch hinzugekommen, ist unbedeutend, und um so unbedeutender, da vor ihnen schon die 163) Soma 27 b. — . 164) unn m Din ^n. — 165) Dpyv rww..— 166) Megilla 20; j. Meg. e. 4 h. 2; Sostrim 14, 5. 167) Berachot 60. — 168) ibid. 27. 169) Sabbat 24 Ra schk; j. Pesachim e. 10 b. 2. — 170) Z. B. ein kurzes ,'filr u. s. w. Berachot 14; ib. 29. 171) Berachot 29 a; j. Ta'anit c. 2 ,h. 2. Rab hatte eine andere Abkürzung. Vergl. j. Berach. c. 4 b. 3. — 172) Soma 87 b (afo ^OMv).— 173) Berachot 60 b; Sota 8. 174) Soma 87 b. — 1?5) Berachot 35; Tosista e. 4. 176) Ketudot 7 b; Sofrim 20, 1. 2; Sanhedrin 42 a Liturgie mit ihren' erhabenen Liedern und Gebeten, mit den Lektionen und Segensformeln, bereits streng vorgezeichnete Normen und Gesetze hatte. Um 200—250 n. Ehr. hatte die Liturgie demnach schon einen großen mehr als sechshundertjährigen Entwlckelungs - und Läuterungsproeeß darchgemacht, deren Anfangspunkt bekanntlich, die erhabenste religiöse Lyrik, der vielstimmige Psalter , war, und an eine Herausbildung nach fremdem Einflüsse ist nicht zu denken. Die vier Gebetstücke in der Teki'ata de-Rab 7 ) sind schon fast eingeschaltete Pijjütim, und wenn der Talmud die Bestimmung giebt, daß jede der drei Klassen von Hymnen zu M usaf der Neujahrs-Tesilla'78) nicht 10 übersteigen soll^), st ist das ein Aeugniß von der bereits bestandenen Freiheit, Hymnen (Pijjutim) einzuschalten. Und in der That sind auch schon früh religiöse Poesien mit eigenthümlichen Formen entstanden, wenn sie auch von spätern Schöpfungen verdrängt worden und dadurch ganz der Vergessenheit verfallen. Die Aufreihung der Strophen oder Verse nach dem hebräischen Alfabet, hatte man den alfabetischen Psalmen abgelernt, und es gedenket der Midrasch bereits dieser Form der liturgischen Poesie.1 8°) Der Akrostich hat sich aus .der alfabetischen Form herausgebildet und findet sich bereits vor Rab und Samuel, und in Palästina war kaum nach diesen Lehrern ein Jahrhundert vergangen, als auch jene liturgischen Poesien (Pijjutiw) mit den gekünstelten Formen, wie Reim, Akrostich u. s. w. und in hartem schwerem ©t^le *81). 5. Ein nicht unwichtiger Bestandtheil der Liturgie war d i e E i n t h e i l u mg d e s Ges e tz e s (Pentateuches) inPerikope n, zum Behufe der sabbatlichen und festtägigen Vorlesungen tKeri'at Ha-Tora), in welchem Punkte Rab und Samuel bei ihrer Heimkehr nach Babylonien schon eine eigenthümliche von der palästinischen Praxis abweichende Einrichtung vorgefunden, zu deren weiteren Ausbildung sie ihrer Stellung' wegen gewiß beigetragen. Sie fanden nämlich nicht nur den pentcueuchischen Text zum Behufe der Perikopen- Lektionen bereits in Kapitel getheilt, sondern sogar schon eine genaue Zählung derselben vor, und diese Eintheilung hielt man bereits für uralt, fast von Moses herrührend 183), wie man überhaupt gern alles Alte auf diesen größten Gesetzgeber zurückführte. Eben so war die Zerfällung der Kapitel in Verse als etwas Uraltes angesehen, worin man nichts zu andern wagte ia3). 2Cber ob schon in dieser Beziehung der -Gegenstand als-Ufas oder Reception angesehen wurde, über dessen Ursprung man kein klares Bewußtsein mehr hatte, so war es doch den Babyloniern, (Heils schon früher, theils durch 177) S. Anm. 156 und 157.— \ 178) nnDW, nurof, nwta. —, 179) Rosch Ha-Schana 32. —' 180) Mid. Schir 3 a; Mid. Kob. 86 b. 181) Ausführliches darüber habe ich in meiner „Geschichte der jüdischen Literatur in Palästina" gegeben. —. ■ 182) Berachot 12 b. — 183) Megilla 22 a. —

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