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Der Orient · 1847-01-29 · Heft 5 (29.1.1847) · p. Seite 37

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 5 (29.1.1847)
Date
1847-01-29
Page
Seite 37 (sequence 9)
Language
German
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- 37 - wie der hochgesinnte Zindl vorsteht, gewiß die Jugend zu menschlichen Christen gebildet werden. . S. B. Paper , im Jan. (Die Verbreitung des M ag y aris mu s unter den npgarischen Is- > ra eliten.) Bei dem Stabilitäts-Geiste des in Ungarn uberruächtigen ultraorthodoxen Rabbinismus, der mit aller Kraft des Fanatismus gegen jede geistige Erhöhung und gegen jedes Bestreben nach Verbesserung des jämmerlich bestelltet: religiösen Kultus und Schulwesens eifert, dürfte die Verbreitung der ungarischen Sprache gleichsam den Wendepunkt .bilden, mit welchem dcm Fortschritte die Bahn erfolgreich eröffnet 'werdet: kann. So sehr auch manche verzärtelte suste-miUeu Männer gegen diese axiomartig klingende These das Haupt schütteln dürften, hoffen wir doch dieselbe durch thatsächliche Beweise feststellen zu können, deren Erörterung wir dem lesenden ungarischen Publikum gegettüber für um so nöthiger glauben, als wir seit einiger Zeit Ln den jüdischen Blättern über Magyaromame und Unterdrückung des deutschen Elementes mehrere Berichte lasen. Wer den in den letzt verflossenen Landtagen gepflogenen Verhandlungen der Judenfrage mit Aufmerksamkeit gefolgt ist, weiß es nur zu sehr, daß sowohl die konservative/ als auch die,Oppositions-Partei, die in manchen Gegenden Ungarns, besonders aber in vielen größeren Städten noch fehlende Sympathie, für die Landessprache als den gewichtigen Grund gelten ließ, der eine sociale Amalgamirung und gegenseitige Assimilirung Mit den andern Konfessionen früher nicht denken, läßt, bevor nicht die sprachliche Einheit sie aneinander kettet. Mit dem Germanismus hofft unsere wohlberechnende. Orthodoxie noch sehr lange die Konkurrenz zu bestehen; sie befindet sich trotz dem in-den Metropolen und andern Orten der Monarchie übliche:: deutschen Predigten und den in den letzten Decennien geschehenen Fortschritten in Schul- und Kultus-Regelung sehr behaglich, und weiß allem dem noch quasi zu imponireis. Sie krümmt sich more patrio unter dem Deckmantel religiöser Schwärmerei in ihr verknöchertes Schneckenhaus zurück, verwahrt sich gegen die germanische Reform-Propoganda, welche der Verbreitung der Landessprache — sehr pfiffig! — nur hinderlich ist, womit sie natürlich die Sache des Fortschrittes in den Augen der Behörden vom nationellen Standpunkte aus verdächtigt, und erlegt somit mit einem Schüße 2 Wölfe. . Wenn eseinerseits räthselhast scheint, wie die Pilpul-Derascha's, in denen sich das scimmtliche geistige und moralische Wirken der Ungar. Rabbiner: — mit weniger Ausnahme — koncentrirt, von welchen doch kaum der zehnte Theil der Geuleindeglieder was versteht, sit mihi fas jam audita loqui —, uub da dieselben gleichsam n:it dem Vorgefühle eines Box-Schauspielers, das dem Publikum durch den Rabbiner und dessen Bachurim gefeiert wird, mit ar:hörer:, sich, so bange erhalte:: können: . so scheint es andererseits um so unerklärlich er , warum in den Gemeinden nicht das Bedürfnis verständlicher, moralischer Vorträge rege wird, und rvarum die Ausführung eines derartigen Vorhabens, wenn es auch in Bewegung gesetzt wird, zumeist scheitert? Unseres Erachtens scheint dieses in der zu geringen Würdigung des sprachlich-ungarischen Verhältnisses zu liegen. Bekanntlich hat in Ungarn in Folge des sehr verwahrlosten Schulwesens und des hierdurch bedingten zurückgebliebenen Bildimgszustandes die orthodoxe Zahl, das Uebcrgewicht, wird nun. die Anstellung eines zeitgemäßen Rabbiners, welcher in der deutschen Sprache das Wort Gottes verkünden soll, beantragt: so stemmt sich die orthodoxe Ueberzahl mit aller Macht ihres Einflußes dagegen, Und die Behörde, welcher, dcS endloser:. Streites überdrüßig, es gleich ist, welche Sprache imm§r verwalten zu lassen, wenn es .einmal nicht die durch das Gesetz geheiligte Landessprache sein kann, läßt es endlich bei dem Lat juslitia et pereat .... ns bewähren. —- Wird aber einmal die Fahne des Fortschrittes vereint mit dem Principe sprachlicher Verbrüderung auSgesteckt, dann werden die Behörde:: mit allem Eifer ihrer bekannten National-Liebe unserer: Bestrebungen Nachfolgen, uns in denselben stützend zur Seite stehen und die noch so fein geschmiedeten Ränke der ,,Schloßberger" zu Schanden machen. Wer mit dem sprachlich-statistischen Verhältnisse der Ungar. Israeliten vertraut ist, weiß es, daß es in Ungarn , sehr viele Gemeinden gibt, in denen Theile der ungarischen Sprache, mächtig, eine im volksthümlicheu Style abgefaßte ungarische Predigt sehr gut und viel besser verstehen als eine deutsche. Ja wir behaupten mit Zuversicht, daß in unserem Westprimer, so wie in den angrenzenden und naheliegenden Raaber- Stuhlweißenburger-Komorner- Sümcgher -Konlitaten und in einem großen Theile Uuter-Ungarns tmx äußerst wenige Gemeinden sich vorfiuden, in denen nicht ^Theile der nngerrischen Sprache ebenso wie der italienische, englische und französische Jude ihrer Landessprache vollkommen mächtig sind. Es wiederlegt sich hierdurch die.irrige Meinung mancher, die vor: dem enger: Kreise ihres Horizontes ausgehend die ungarische, Predigt vom Standpunkte des Rechtes als eine aufgedruugcne, ans ein Haschen um Honorationeu —- Gunst berechnete und eitle Chimäre betrachten; es wird vielmehr hieraus klar, daß . die Verbreitung der ungarischen Sprache unter den ungarischen Israeliten eine auf natürlichem Boden wurzelgefaßte, in Mark und Saft übergegangzone und weiterverzweigte ist. (Beschluß folgt.) Polen und Rußland. Wlitüii, Ende Deebr.. 1846. Ich beeile mich Ihnen den Auszug aus dem Rechenschaftsberichte' des Ministers des öffentlichen Unterrichts für das Jahr 1845

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