Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1847)
- Date
- 1847-01-29
- Page
- Seite 36 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 36 - Spruche jenes Griechen zu huldigen. — Fürwahr, es ist wunderlich , wie leicht es in dieser aufgeklärten Zeit einem Christen wird, eine öffentliche Person, d. i. eine solche, von der man in Zeitungen zu lesen bekommt, zu werden. Er muß nur aufgeklärt genug sein, sich von den Alltagsphrasen: Emaneipation, Toleranz, Liberalität und was dergleichen Schnickschnack noch mehr gibt, nicht beirren zu lassen, einen Juden nur einmal Jude nennen, und er kann seiner Sache gewiß sein; e? kann 100 gegen 1 wetten, daß, wenn auch noch unbedeutender/ noch unansehnlicher als ein Franeeseoni ist, man dennoch seinen Namen, bevor der Hahn dreimal kräht, tu dreimal drei Zeitungen zu lesen bekommen wird! ■— Wenn ich Ihnen nun von einer Thatsache berichte, die des Berichtes werth ist, so erwarten Sie keineswegs, daß ich von erfreulichen Anzeichen, von einem D ä m m e rl ich t e der H u m a n i t ä t re. äm allgemeinen Himmel des Obskurautisurus, der Unduldsamkeit und des Judenhasses, der so heidnisch-christlich, so mittelalterlich .düster, so majestätisch schrecklich uns umgibt,, sprechen werde. Denn wahrlich ich glaube, es wurden der Klagen nicht die Hälfte erschallen, wenn der Jude nicht so ganz verkehrt dem Christen wäre, daß er die billige HandLnng Eines guten Christen als Folge der allgemeinen Gesinnung ansieht, wodurch er, einmal enttäuscht, wieder die niedrige Handlung eines Einzelnen auch der ganzen Nation vorwirst. — Doch mm zur Sache. Es dürste Ihnen kaum unbekannt scin, daß die Judenfchaft im österreichischen Kaiserstaate Nr och kein Lehrer-Seminar, aber doch Lehrer in Hülle mrd Fülle hat. Wie das möglich sei? Nun das ist doch ein leichtes Räthsel. Die Sache verhält sich nämlich so: Oesterreich zählt einige Hauptstädte, in denen sich Hcinptschuten und in einigen derselben auch 'Muster-Hauptschulen sich befinden. Letztere jedoch sind alle christliche Anstalten; was man schon vom Namen schließen könnte, wenn man nicht verschlagen genug ist, so absurd zu denken, der Jude könnte ein Muster sein. Mögen sie 'doch froh sein, daß man ihnen nicht das Haupt abschlägt! Jünglingen nun, die in sich Beruf fühlen, oder was häufiger der Fall ist, die um der leidigen Uniform zu entschlüpfen, sich entschließen , Lehrer zu werden, sieht es frei, nach dem Grade ihrer Fähige feit, in den Haupt- oder Musterhauptfchulen zu solchen sich zu bilden; jedoch mit dem Unterschiede, daß, wenn sie den Kurs in jenen gehört, dieselben nur als Gehil- »fcn, in die sin aber als Hauptschullehrer beattestirt werden. Doch kann ein solcher legitimer Gehilfe auf bcm Lande, wo die Kinder eine frugalere Kost vertragen können, anch als selbstständiger Lehrer auftreten. Wer offene Augm hat, der wird alles das leicht einsehen, was ich hier bemerken könnte, wenn es der Raum gestattete. Genug damit, daß an dm Hauptschulen nur sehr selten sog. Lehramtskandidaten.sind, die etwas anderes als Gehilfen zu werden, fähig wären; denn cs gehört das Mininum von Wissen dazu , um da ausgenommen zu werden. Und warum sollte denn auch der fähigere, der etwas Tüchtiges leisten will, diese besuchen? Freilich sollte derjenige, der nicht rangsüchtig ist, denken, es fei gleichviel, ob Gehilfe oder Lehrer, wenn mau nur ein unterrichteter Pädagog werden kann! Allein/ weiß er cs denn /nicht, daß man hier im Vortrage der Pädagogik so bequem nachlässig ist, wie es nur ein Vortrag für werdendeGehilfen gestatten mag? — Das Ucbrige mögen Sie selbst sich ergänzen. Anders ist es, wenn ein Jüngling die Musterhauptschule besuchen will. Hier muß er wirkliche Fähigkeit mitbriugm, hier wird ihm hinlänglicher Unterricht und hier wird er auch streng .geprüft und gerecht beurtheitt. Der Direktor der hiesigen Muster-Hauptschule ist gegenwärtig Herr Georg Zindl, ein ehrwürdiger, als- Gelehrter und Mann vom Fache durch seine Schriften allgemein bekannter Greis. Dieser wahrhaft edle Mann ist cß, von dem ichmit Ihnen sprechen will, und Sie mögen mir es verzeihen, wenn ich nicht sogleich damit angesangen habe. —- Herr Georg Z indl, ein Mann, den man nur kennen muß, um ihn im höchsten Grade zu achten, hat auch dieser Tage, wie schon oft, einen schönen Beweis seiner edlen Gesinnung an den Tag gelegt. Die Müsier- Hauptschule nämlich hat einen Fond, von welchem jene .Lehramtskandidaten, die sich durch besondere Fähigkeit, Fleiß und Talent auszeichnen, stipendirt werden. Die Wahl der Prämianten ist streng, so daß verhättnißmäßig fr auch Heller nur wenige dieses ansehnlichen monatlichen / Stipendiums theilhaftig geworden sind. Aber unter diese Wenigen setzte der parteilose Hr. Zindl auch einen Juden! Wenn man nun auch nicht irrig auf die besondem Fähigkeiten dieses jüdischen Kandidaten — er ist ein Ungar Namens Großmann'— schließt; so ist doch die / Parteilosigkeit des Herrn Zindl sehr lobens- und airerkcnnungswerth! Denn es dürfte, selbst im Auslände, nicht häufig der Fall Vorkommen, daß ein Jude an einer christlichen Lehranstalt stipendirt würde, um wie viel weniger also hier? Und doch verdankt Hr. GroßmaiM' diese Ehre blvs der gerechten Anerkennung seiner Talente von Seiten des Hrn. Direktors , der mit Recht in die- |f sem jungen Mann ein bedeutendes und vielversprechendes / pädagogisches Talent sieht! Fürchtete ich nicht Hrn. H Zindl zu beleidigen, indem ich einen Franeeseoni.' als Maßstab an ihn lege , ich würde die älteste Universität | Deutschlands bitten, die falsche Schaam abzulegen, und die Vergleichung anzustellen, welches Mitglied sie, und welches die Muster-Hauptschule zählt. Gewiß würde '1 sie dann das ekelige Geschwür ihres, schönen Lehrkörpers uur noch mehr anwidern! —- UebrigenS können Sie sich auch denken, daß in einer Schule, der ein Mann