Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1847)
- Date
- 1847-01-29
- Page
- Seite 35 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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35 A UM U A Chor-Einführung, weil er weder Finsterling noch Heuch- - lerist. Freilich konnte Alles nur mit großer Anstrengung durchgeführt werden; aber was ist d e m unmöglich, der sein ganzes Wesen diesem gottgefälligen Streben weihet? Dem Seelenhirten, der den Lohn schon in diesem Streben findet? — Verlangen Sie, l. F., kein ausführliches Bild seiner Handlung. Ich will der großen Bescheidenheit unseres Rabbiners nicht zu nahe treten; und wo die That spricht, da ist jeder Federzug überflüssig. Schließlich noch Einiges über dessen Leben. S a mson Raphael Hirsch, jetzt zwischen 34 und 40 Jahr alt, ein geborner Hamburger, stammt aus einer biedern und geistreichen Familie. Sein Großvater war der bekannte Rabbi Mendel, s. Z. als großer Talmudist und mehrseitig gebildeter Mann berühmt. Unter andern milden Stiftungen begründete er auch die Talmud-Schule, und bauete vermittelst reicher Beiträge, ein großes Haus, wo mehre hundert Knaben Unterricht, Speise und Bekleidung erhalten. Am Abend seines Lebens ward er Rabbiner in Altona. Alle seine Leistungen verrichtete er unentgeldlich, obschon er sein Brod nur sehr mühsam erwarb. Der Bruder dieses Großvaters war der Verfasser von nypn1? D'onn und n*W'-bip. Der Onkel unsers Rabbiners ist Hr. Moses Mendelsohn in Hamburg, Verf. mehrer. hebr. und deutscher Schriften' und auch den'Lesern dieses Blattes bekannt. Als Herr Bernays nach Hamburg kam, da ward Hirsch dessen Schiller; als aber Herr B. die kleine Jeschiba bald auseinander gehen ließ, da ging H. beim jetzigen ältonaer Rabbiner Hrn. Ettlinger nach Mannheim. Dort und in Halle vollendete er auch seine andern Studien, worauf er das Rabbinat in Oldenburg antrat, und es zwölf segenreiche Jahre verwaltete. Von da kam er zu uns, und nur fünf Jahre genossen wir das Glück, von ihm das Stadt- und Land-Rabbinat verwaltet zu sehen. Die Stunde des Scheidens, die Trennung von unserem Rabbiner wird uns herbe, sehr herbe werden; aber er lebt hier fort bei uns durch die Früchte seiner Pflanzung, und auch von dort aus, wohin er sich begiebt, werden wir durch ihn Trost und Belehrung finden. Geh' hin dn Hohepriester des ewigen wahren Glaubens! Geh' hin in das Land, das Dir Gott gezeigt, und Du sollst ein Segen werden, und sie werden gesegnet werden, die Dich segnen. Berlin, 18. Jan. Unser Berlin will etwas Appartes haben. Hr. G. L i c p m an s s o h n, der sich, seine literarischen Sporen an der hiesigen Genossenschaft verdient hat, will im März eine Monatsschrift unter dem Titel: Der Volksvertreter des Judenthums im ultrareformistische»: Sillne erscheinen lassen. Sie soll das Organ der Resormgenossenschaft werden. Nach einer andern Version soll sie den konservativen dienen und 1 zwar als Sklavin für ewige Zeiten. Ja Berlin ist eine Residenz und die Juden wollen ihr Organ im Orte haben. Bald wird es dahin kommen, daß jede Gemeinde ein Journal gründen wird und zu den Chargen eines Chasan, Schochet, Lehrer und Prediger in einer Person wird noch die eines Redakteurs hmzukommen und in Erfüllung wird gehen das Wort: Nach Anzahl deiner Städte sind deine Journale, Israel. Oesterreich. Aus Prag vom 14. Jan. schreibt man der augsburger Allgemeinen Zeitung: ,,Vor einiger Zeit wurde ein Dekret erlassen, welches den Bezirk der Judenstadt (die viel zu eng geworden) um 245, fortan auch au Juden verkäufliche Häuser erweitert, doch dabei bestimmt, daß alle Juden, mit Ausnahme der Großhändler und Fabrikanten, die bisher in der Altstadt und Neustadt gewohnt (auf der Kleinseite und auf dem Hradschin durften sie niemals wohnen), in die Judcnstadt ziehen, müßten. Um Abänderung dieser Verordnung baten nicht nur die Juden, sondern auch viele christliche Hauseigenthümer, deren Gebäude an Werth verlören, wenn ihnen nicht gestattet wäre, Juden in Mlethe zu nehmen. Die Ausführung des Dekrets wurde nun bis zum Galli-Termine d. I. sistirt. Uebrigens ist zu bemerken, daß in den vom Gesetze bezeichneten 245 Häusern ohnedies schon sehr viele Israeliten wohnen, und daß Prag die einzige Stadt der Monarchie ist, wo noch ein eigenes Judenviertel — diese mittelalterliche, auch in Gesundheitsrücksichten schädliche Einrichtung —.besteht". Pecrg, im Jan. (Ueber ein Lehrerseminar.) In einigen Nummern Ihres geschätzten Blattes wurde über den Franceseonischen Skandal, den man unlängst an der hiesigen Universität zum Verdruß und Aerger aller Gedenkenden erlebte, berichtet. Ich bin vollkommen überzeugt, daß Ihr Blatt um viel lieber das Geschäft übernimmt, Ehrendenkmale der Humanität, als Schandsäulen der Engherzigkeit zu stellen; daß es lieber der Lobredner der Liberalität, als ein Pranger der Intoleranz ist. Ich zweifle daher auch-nicht, daß Sie willig diesen wenigen Zeilen eine Spalte in Ihrem Blatte einräumen werden. Ich gehöre zwar nicht zu denjenigen, welche jedes herablassende gnädige Kopfnicken der toleranten christlichen Großmuch schwatzhaft und plaudernd zur öffentlichen Sprache bringen, wie Kinder, die — doch wer wollte da vergleichen? Machen es doch diese erkenntlichen Leute, ganz unvergleichlich! Ich zähle mich aber auch keineswegs zu denjenigen, welche sich darin so gut gefallen, jede gehässige Aeußerung, auch die des Beschränktesten aufzuschnappen und flugs sie zu einem respektablen Zeitungsartikel zu befruchten, ohne zu bedenken, daß mancher gläubige Christ Heide genug ist, dem bekannten 5 * M