Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1847)
- Date
- 1847-01-29
- Page
- Seite 34 (sequence 3)
- Language
- German
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- 34 Eifer der Missionsgestllschaften entgegen. Diese hatten sich zur Realisinmg ihres humanen Strebens vorzüglich der Bibelübersetznngm bedient und es war ihnen ans jene Weise wirklich gelungen, das Evangelium in einzelne ferne Länder zu verpflanzen und daselbst heimisch zu machen. Allem weit häufiger stießen sie auf hartnäckigen Widerstand, den zu überwinden die größte Be-. harrlichk'eit nicht genügte. So glaubte England sich berechtigt, eine andere Macht, der es schon so Vieles verdankte, die alle seine Unternehmungen zu einer bewundernswürdigen Großartigkeit führte, auch auf dem religiösen Gebiete eine Rolle spielen zu lassen, und sprach offen den Grundsatz aus: das Geld ist die kräftigste Waffe der. Mission. Diesem Prinzip treu, konnte man den Wirkungskreis der 'Mission erweitern. In dieser Absicht erhielten die Bekehrungsgcsellschasten eine vollständige Organisation , so, daß durch Mitwirkung der Dänen und Deutschen, die sich bereitwillig dem Plane Englands anschlossen, zuletzt'in fast allen großen Städten Vereine entstanden, die, einem gemeinsamen Ziele entgegenstrebend, unter einander ^in engem Verkehr lebten. Ihre Hauptthätigkeit aber widmeten sie der Jndenbekehrung und unterhielten zu diesem Zwecke Reisende, die in die kleinsten Ortschaften geschickt wurden, wo sie in jüdische Familien sich cindrängten, nach nnd nach das Vertrauen derselben sich erwerben und so am sichersten ihre Beute zu machen hofften. Der Bibel konnten sie sich nicht bedienen, die Kenntniß dieser und ihr sorgsames Studium wurde den Juden nie bestritten. So suchten die Missionäre denn durch Geldspenden und Versprechungen Unbtmittette für ihre Sache zu gewinnen, unglückliche Opfer, die nur zu bald ihren Schritt zu bereuen Gelegenheit hatten, da sie sich nun, auf die Erfüllung ihrer Hoffnungen vergeblich harrend, noch verlassener fühlten, als zu- . vor. Durch solche Machinationen wurden Kinder den Eltern entfremdet, und das Unglück ganzer Familien herbeigeführt. Und diese Gesellschaften erfreuen sich der' Autorisation unserer Zeit, in einem civilifirten Staate, in unserer Mitte. Noch heute wird von den Kanzeln herab gegen das Judenthmn gepredigt, noch jetzt werden Betstunden für die Proselyten durch die Zeitungen bekannt gemacht, und selbst hochgestellte Geistliche widmen diesen Bestrebung m ihren Eifer. Wir leben ja in'einer Zeit, wo die Duellen des Wissens Jedem zugänglich sind, wo die Aufklärung ein gemeinsames Gut Aller und nicht der Adelsbrief einer einzelnen Klasse ist. Hat der Kampf auf religiösem Gebiete, der so viele Zerwürfnisse und Spaltungen hervorgebracht, die Juden nicht als Mitkämpfer austreten sehen? Sind sie so lässig dem Bildungsgänge gefolgt, daß es der Handhabe bedarf, sie nachzirziehen? Das Fortbestehen der V er e in e zur Bekehrung der Juden und die Jndenemancipatron schließen sich gegenseitig ans, möge daher die Regierung durch Aufhebung solcher Gesellschaften die erste Stufe der Toleranz betreten, damit die Hoffnung' auf bürgerliche Gleichstellung der christlichen und jüdischen Untcrthancn an Glaubw ü r d i g k e i t gewinnen, und die dafür sprechenden Petitionen derLandtage eine Wahrheit werde. Dr. M. I. Meyer. Emden, 18. Jan. Daß doch immer das Bittere an'ö Süße, der Schmerz an die Freude sich so gern ansttzt, so daß der Mensch immer weinen muß, in der Freude vor Schmerz, oder vor beiden zugleich. Die Nachricht, daß unser Rabbiner zu dem größten Rabbinat in Deutschland, nach Mähren , berufen worden, hat uns freudig und schmerzlich erschüttert. Freudig darüber, daß das Verdienst, eines so hohen und seltenen Mannes Anerkennung gesunden, und ihm nun ein größerer Wirkungskreis offen steht. Der Schnurz aber, einen' solchen edlen Rabbiner, Lehrer und Freund zu verlieren, ist nicht minder groß. Glauben Sie ja nicht, daß nur unsere Gemeinde allein diesen Schmerz empfindet; unsere christlichen Mitbrüder hier, die nnserm Rabbiner gleiche Hochachtung und Ehrfurcht zollen, nehmen auch jetzt den aufrichtigsten Antheil an unserer wehmüthigen Empfindung. Ja, die christliche Kaufmannschaft sandte eine Deputation an ihn, um ihn zum Hicrbteiben zu bewegen, und erbot sich als Vermittlerin dazu, die ihm von uns offerirte Zulage aufs Beste in Stand zu setzen. Aber der Edle mußte es zurückweisen. Geld ist überhaupt eines von den Dingen, die niemals auch nur das geringste Gewicht auf seine Handlungsweise üben kann. Nur einen Beweis von vielen. Bekanntermaßen ist er schon seit einem Jahre in Nikolsbnrg als Stadt-Rabb. pro forma angestellt, und auch als solcher bei der Wahl bezeichnet. Der Vorstand bot ihm auch Gehalt dafür an, aber er wies solche zurück. >. Daß er aber dem sehnlichsten Wunsch seiner ihm wie Kinder liebenden Gemeinde nicht Nachkommen kann, das lag darin, daß das große Mähren sich so sehr nach ihm sehnt, und weit er dem heiligen Eifer — den Gott in die Brust seiner Frommen legt — nicht widerstehen kann, dort eine größere Aussaat vorznbereiten. Und dennoch, wie schwer ward ihm dieser Entschluß! Er soll seine eigene herrliche Schöpfung, worauf er so lange all seine Geistes- und Körperkraft verwandt, nunmehr in ihrem Aufblühen verlassen! i Und wirklich fand er unsere Gemeinde, bei seinem Antritt, in verwahrloststem Zustande. An Ermahnungen, Predigten re. war nicht zu denken; die Knabenschule war so gut wie nicht vorhanden, und von einer Mädchenschule war niemals die Rede gewesen. Unser Nabb. verbesserte jene und begründete diese. An letzterer hatte seine geistreiche und wohlthätige Frau auch ihre ganze Thatkrast verwendet. Auch den Gottesdienst hat er gesetzmäßig regulirt, und billigte die von derGemeinde gewünschte