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Der Orient · 1847-01-22 · 4 (22.1.1847) · p. Spalte 55-56

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
4 (22.1.1847)
Date
1847-01-22
Page
Spalte 55-56 (sequence 4)
Language
German
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58 55 Studien. Ueber die Sprache der Mischna. Auch die alten Griechen, bei denen weder die Religion, noch die Familie,-noch auch die Ehe eine sichere, geistige Entwicklung erlangt hatten, die den Staat als geheiligten Bund anerkannten, sprachen ähnliche Grundsätze aus; — Sokrates sagt im Phaedon: — „wer gesehen hat, wie es bei uns zugeht, und wie wir Recht und Gerechtigkeit handhaben, und dennoch bei uns geblieben ist, der ist stillschweigend einen Vertrag eingegangen, sich alles gefallen zu lassen, was wir ihm befehlen; und wenn er ungehorsam ist, so begeht er eine dreifache Ungerechtigkeit, — er ist ungehorsam gegen seine Eltern, ungehorsam gegen feine Zucht- und Lehrmeister, und er Übertritt den Vertrag, den er mit uns eingegangen ist." — So weit jene göttlichen Bündnisse, deren Erfüllung eine ewige Pflicht ist, deren Verletzung eine strenge Bestrafung zur Folge hat, wenn auch kein eidliches Versprechen vorangegangen war. — Die Lehre unsrer Tradition stimmt daher in dieser Beziehung nicht , mit der der modernen Philosophen überein; sie steht im Gegensatz zu dem phantastischen Gemälde eines Rousseau über den Ursprung der Ungleichheit der Menschen; sie weiß von keinem Contrat sociial, als Grundlage aller geselligen Verhältnisse; sie tritt denn sogenannten Nüturrechte der Philosophen des achtzehnten Lahrhunderts entschieden entgegen. — (Beschluß folgt.) liebet bic Sprache der Mischna von Scrm. Dav. Luzzatto. (Schluß.) E) Der neuere poetische Hebraismus, in dem die Gedichte geschrieben sind, die in gereimte und freie, in gemessene und nicht gemessene zerfallen. Die letzteren theilen sich wiederum in a) solche, die dir Gesetze des Metrums (^p^Q) beobachten, nämlich solche, bei denen die Vokale und Halbvokale (NpM und D5?), ihre bestimmten Stellen haben. b) solche, in denen die Halbvokale, wie nicht vorhanden betrachtet werden (Siehe mein Philoxenus S. 92—94). o) solche, in welchen die Senivokale wie Vokale und mit diesen abwechselnd gebraucht werden. Dieser Hebraismus gebraucht gern bei den alten italienischen und deutschen Dichtern selten vorkommende und unregelmäßige Wörter; bei den Spaniern und Afrikanern ist er regelmäßiger und reiner. Im 17. Jahrh. hatte er sich zu sehr mit Wortspielen und Zweideutigkeiten befreundet, die ihn dunkel machten. Den gesunden Geschmack hat der berühmte Mosche Chajim Luzzatto von Padua wiederhergestellt. 1) Der neuere nachahmende Hebraismus, der in sich folgende 3 Arten faßt: a) Den, der historisch-biblischen Sprache nachahmenbeu neuern Hebraismus. Beispiele dafür gewähren die Bücher p’H-liTJIjl , D2D und die Geschichte der Franzosen und Ottomanen von Joseph Kohen. b) Den, der biblisch-poetischen Sprache nachahmenden neuern Hebraismus. Beispiele davon sind einige Psalmen von neuern Verfassern und rpft von Satanow. c) D«m, der Mischnaspcache nachahmenden neuern Hebraismus. In diesem hat Maimuni sein großes Werk min verfaßt. So weit aus meinem Werke Prolegomini. Nun will ich noch einige Paragraphe aus meiner „Kritischen Grammatik", die ich schon vor vielen Jahren in italienischer Sprache für meine Schüler geschrieben, ausziehen, so weit sie die Mischna-Sprache betreffen. §. 908. VIDIS* heißt sowohl mein Hüter, als mich hütend; es hat nämlich bisweilen eine nominale Bedeutung, und das Suffix ist .possessiv, und bisweilen eine verbale, und das Suffix ist objektiv (§. 1305). §. 909. Nur im männlichen Participio sing, des tymB, verbunden mit dem gleichfalls männlichen Suffix sing, der zweiten Person, findet man manchesmal die verbale Bedeutung durch ein ttfrj im?|y angedeutet, welches das, dem verbalen Suffix ausschließend eigenthümliche epenthetische Nun, vertritt. So bebeutet■ er ist dich zurechtweisend, das heißt: er zurechtweiset dich, nicht aber: er ist dein Zurechtweiser. §. 910. In demselben männlichen Participio singularis (aber des bp und nur in den rfr bDJ) verbunden mit dem Suffix fing, der ersten Person, erscheint das in (Hiob 31, 15 und 32, 23) der mich machte und in pft (Jesaja 47, 10) es ist keiner, der mich sieht. §. 911. Dieses y von objektiver Bedeutung ist bei den Rabbinen häufig, z. B. mEplD Drift (Menachot 65, und (Meg. Taanit Kap. 5 und 8 DDft (Ab. Sara 18), (Jebamot fol. 69), oSpNötJf* (>>''<!. fol. 70), ^Nity'nriN (Kamma fol. 55), Mi!2 71Ü (Schebuot fot/45). T §. 912. Ebenso pflegen die Rabbinen im weiblichen Parti cipio sing, das objektive Suffix durch die besondere Form auszudrücken z« B. -1DDY1D) (Abot Kap/ 3) lDDy'lDY-1 (id. Kap» 6 , eine Form, die von der verbalen herstammt, und somit eine objektive Bedeutung hat, während z. V. nur einen possessiven Sinn zulaffen (seine Gebährerin, Ernährerin, Rathgeberin). Diese Bemerkung ist des Rabbiners David Corinaldk, der in seinem /in (NOft Kap. 3) die alte Leseart solcher rabbinischen Wörter, gegen die Meinung des Hanau, (welchem dann Satanow und Ben-Se-eb folgten), nach der man IPTlfpy) u. s. w. lesen soll, in Schütz nimmt. Hierin aber irrt Corinaldi, wenn er zur Bekräftigung der ßefeart •'irVDpiyi das biblische Wort frlDDDh (Ezechiel 31, 4) anführt, wel-

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