Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1847)
- Date
- 1847-01-22
- Page
- Seite 31 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2360092-2360472-2360477--5773-3532889- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Elijah 1× ep/1004307
OCR text
31 vier Handschriften Ln Europa bekannt sind. Die vorliegende gehört zu den vollständigsten und arrsgezeichnet- S flau DaS Werk ist auf 468 Großfolio Pergament- Blättern, in einem sehr schönen zierlichen und korrekten | Quadratzuge geschrieben, und es ist Leicht zu ermitteln, j daß die Handschrift ans der Zeit der Verfassung stammt; denn der Schreiber neimt sich Elija ha-Levi, welcher im -t dreizehnten Jahrhundert in Italien lebte, und als das Todesjahr Maimuni wird das Jahr 1204 angegeben.? Vor vielen Handschriften hat diese noch den Vorzug, l daß sie einen unschätzbaren Beitrag zur hebräischen Kaj ligraphie liefert, was wir umsomehr hier hervorheben, als die k. k. Hefbiblioihek in dieser Beziehung gewiß die seltenste und schönste Sammlung Europas besitzt. (Senntagsblätter.) Proßnitz, 6. Jan. Viel Enthusiasmus erregte hier die Nachricht, daß Hirsch primo loco znm mährischen Landrabbiner vc-rgeschlagen wurde. Die Glieder unserer Gemeinde haben besonders hinreichende Grunde, j sich über diese Wahl zu freuen, indem durch den Ein-! tritt Hirsch's in Mähren, die Kräfte unsers Fasset,! der so segensreich nicht dies in seiner Gemeinde, sondern j im ganzen Vaterlande gewirkt hat, einen bedeutenden Sukkurö erhalten. Wir können es mit Stelz sagen, Z daß unsere Rabbiner die meisteThatkrast in der Förde- A rung jüdisch-mährischer Interessen entwickelt, und ihre .i bisherigen Amtsbrüder in Mkolsbnrg — der größten 3 mährischen Gemeinde — an Einsicht und Sachkenntniß s.r übcrtroffen haben. Nun haben wir wenigstens dieHoff-! nung, daß unsere größte Schwestergemeinde nicht hinter s uns zurückbleiben werde, da Hirsch—der Schwerpunkt I mährischer Hoffnungen — als ein thatkräftiger Mann Ä bekanrrt ist, dessen Wirksaurkeit besonders im Schulfache s und Synagogenwesen sehr rühmlich ist. Nicht neidisch richten wir unsere Blicke auf Nikolsburg, sondern hoffnungsvoll und den Wunsch äußernd, daß es sich! nicht znnftmäßig, nach Art der alten Reichsstädte, abm sperren und nicht von dem barocken Einfälle beherrscht sein möge, in allen Beziehungen nur Privilegien gel- |g tend machen und bei jeder Gelegenheit als tonangebend 3 und herrschend erscheinen zu wollen. Bis jetzt war unsere Gemeinde die erste; in Zukunft wird sie sicherst lich nicht die letzte sein. Den Weg haben wir gebahnt und das wolle man gebührend anerkennen. 3 Aus Muhren, 4. Jan. Hirsch ist Land- H rabbiner. Diese einfache Thatsachc bietet ein so bedeu- ' > tendes Terrain für die Betrachtung über mährische VersH hältnisse und Zustände, daß es wohl der Mühe verlohnt neu dürste, diese Betrachtungen in Gegenwart der Leser sO zu machen und sie nach den verschiedensten Seiten hin H zu erschöpfen. In diesem Artikel wollen wir die Wahl X| an und für sich beleuchten. Sechs Rabbiner, theils mit H alten nngcschichtlichcn Anschauungen, theils mit sehr ge- Ä mäßigten Grundsätzen^ vereinigen sich in der Wahl des 3| Emdncr Landrabbiners. Wenn — nach dem Talnnrd — nicht einmal 5mi Propheten inN weissagen, so ist wohl der Schluß richtig, daß unsere Rabbiner keine Propheten sind; allein der Preis der Klugheit muß ihnen zuerkannt werden, und seit der Zerstörung des Tempels siegt ja die Klugheit über die Prophetie. Wir müssen es öffentlich anerkennen, daß das doppelte Triumvirat sehr klug zu Werke ging und durch die Wahl Hirsch's sich die ganze mährische Jndenheit verpflichtet hat. Eine kleine Moral mögen aber die Leser aus der Wahl des mährischen Lemdrabbiners ziehen, und diese ist: die Oeffentlichkeit ist ein mächtiger Faktor in der Regulirung jüdischer Verhältnisse. Wir meinen zwar nicht jene zarte herzegthi'unliche Sitte, den Konkurrenten nach einer mit Beifall aufgenommenen Rede mit einigen journalistischen Peitschenhieben davon zu schicken; dieses Privilegium überlassen wir gern den Bürgern des intelligenten Staates. Allem wer mit unsern Zuständen genau vertraut ist, wird den langen Sinn der kurzen Rede leicht begreifen. Die Oeffentlichkeit hat wieder einmal ihre wohlthätige Wirkung bewiesen. Der Leser gestatte uns für heute noch eine kleine Fiktion. Setzen wir den Fall, die mährischen Gemeinden hätten in dieser Wahl Probepredigten zur Bedingung aufgestellt —° was wären wohl die unausbleiblichen Folgen gewesen? Die Dragoner und Uhlanen hätten sich an der Wahl betheiligt, wie wir es in einer vergilbten Chronik von Anno 1846 gelesen haben. Soviel können wir. aber mit Bestimmtheit versichern, daß die intelligenten Preußen in Mähren weniger Intelligenz, aber mehr Humanität, mehr Gastfreundschaft, mehr Redlichkeit und weniger Dennncianten vorgestmden hätten. Wenn ich ein 'Judenfeind wäre, so würde ich ausrufen: ,,Jhr Herren von St.-Gteiwitz und St.-Krotoschin! Mähren hat sich Euch znm erhabenen Vorbilde, zum leuchtenden Muster erkoren; es wird eine rühmliche Opposition beginnen, weil Hirsch zufällig nicht ans Mähren ist." In Mähren wird aber eine solche Sprache nicht geführt, man fragt nicht nach dem Vaterlands, sondern nach dem Manne und dessen Fähigkeiten. Wir nehmen die Frucht und fragen nicht erst, an welchem Baume sie gewachsen. Aus Mähren, 5. Jan. Sie sollen die Ueberzengung gewinnen, daß ich ein emsiger Berichterstatter bin. Heilte komme ich Ihnen wieder mit zwei Betrachtungen über unsere Regierung und über Hirsch entgegen. Die ausländische Journalistik bat nicht gerlug Kehlen, die sich über den Mangel an Fortschritten heiser schreien. Nun denn, unsere Regierung hat wieder einmal den Staat der Intelligenz nbertroffen. Dekanntlich hat das preußische Ministerium des Kultus, auf die Insinuation einiger Delatoren, einen mährischen Rabbiner als Ausländer znrückgcwiesen und unsere Regierung wird ein ei: Ausländer als Landrabbiner genehmigen! Während der Staat der Intelligenz nichts von fencrn