Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1847)
- Date
- 1847-01-22
- Page
- Seite 32 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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32 Scheidungsproceß bei der Besetzung von Professuren weiß, macht er bei den Juden eine Einteilung geltend, die allerdings von den Juden selbst hervorgerufen ward. Es ist eine merkwürdige Thatsache, daß die preußischen Sprösslinge des auöcrwähllen Volkes nur in den beschränkten Grenzen ihres Vorthcils liberal sind. Wurde der deutsche Bund plötzlich den Staatenunterschied aufhebcn, so wurden die preußischen Juden dagegen petionirm, damit sie sich über die österreichischen Juden noch ferner, dünkelhaft erheben könnten. Unsere Regierung wird in der Bestätigung Hirsch's den humanistischen Grundsatz befolgen, daß wie die Wissenschaft so auch die Träger derselben nicht an die Scholle gebunden sind und wird einen befähigten Rabbineu nicht zu einem gFeluie adscriplus machen. Soviel über unsere humane Regierung. Was Hirsch betrifft, so können wir versichern, daß er mit freudiger Sehnsucht in Mähren erwartet' wird. Selten wird einem Rabbiner das Glück zu Theil, von 30,000 Juden eines ganzen Landes mit offenen Annen ausgenommen zu werden. Dem Verdienste seine Krone. Hirsch wurde in Deutschland hart angegriffen und doch hat er das Vertrauen eines Landes und einer mächtigen Regierung gewonnen. — Man spricht davon, daß ein hoher Staatsbeamter, von einergroßartigen Korrespondenz aus Oppeln in der A. Z. d.J. angeregt, auf den Gedankengekommen sei, Hirsch habe nicht auf einer inländischen Universität promovirt. Es sotten in dieser Angelegenheit eine Anfrage an den Oppelner Korrespondenten gerichtet werden, ob seine erleuchtete Ansicht, man müsse an einer inländischen Universität promovirt haben, blos für Preußen oder auch für andere Staaten maaßgebeud sei. Man ist auf die Antwort allgemein gespannt und gtebt sich der Hoffnung hin, der Oppelner Korrespondent werde seine Engherzigkeit blos auf sein Vaterland beschränke«. Ueber den poetischen Werth der Pijjuiintf harrpsächlich der deutschen und polnischen. Eine S ti mm e d ag eg en. Wenn noch vor zwanzig Jahren Jemand sein Urtheil über irgend einen Gegenstand der hebr. Literatur abgeben wollte, Mußte er Bibel und Talmud kundig sein, um seine Behauptung aus der Quelle herzuleiten. Heut zu Tage ist's anders. Alles ist jetzt übersetzt, Bibel, Talmud, Poskim scheinen dem Unkundigen dadurch zugänglich, und er wagt sein Urtheil über alle diese. Sehen wir nur, was alles jüngst über die Meziza gesprochen wurde; da traten mitunter Verlag von C. L. Fritz sch e. allerdings sehr gelehrte Männer auf, aber sie wußten so viel von der hebr. Literatur, wie der Talmudist von der Heilkunde. Alle ihre Citate sind aus sekundärer Quelle geholt» Aber was schadet es, ob man seine Waare aus erster oder zweiter Hand bezieht? O! es schadet sehr. Oft hat dieser Unkundige diese sekundäre Quelle misversianden, oft weiß er nicht einmal wie diese Quelle so trübe sek, indem diese selbst die Urquelle nicht begriffen hatte. Auf ähnliche Weise sehen wir in der A. Z. d. I. eine Recension über „Manna". Der Referent spricht unfern großen Dichtern, Gebirol, Charisi, und R. Iehuda Ha-Lewi u. d. g. gänzlich das Leben ab. Er sagt von ihrer Dichtung: ,, Es ist kein schöpferischer Genius, der eigenthümliche Gestalten vor unfern geistigen Augen vorüber zaubert; es ist keine klassische Form — — das Wort ist in diesen Arbeiten die Hauptsache-A rmuth der Erfindung." u. s. w. Wer so über die Koryphäen unter den nachbiblischen Dichtern spricht, der hat sie nie vor Augen gehabt, oder sie — nicht verstanden. Aber selbst die Uebertragungen Mendelssohns, Steiu's und Sach's mußten ihm einen kleinen Begriff, eine leise Ahnung von dem schöpferischen Genius eines Bedarschi's, von dem erhabenen Geisteöschwung eine Gebirols, und von dem Reichthum der Erfindung eines Ha-Lewi, Luzzatto, Immanuel, u. s. w. geben, wenn diese Uebertragung auch nur sekundäre Quellen sind. Aber sein Urtheil darüber darf kein Unkundiger geben. Selbst der Kenner der hebr. Sprache und Literatur darf noch so leicht sein Veto nicht geben. Sehr richtig sagt Johannes v. Müller, (in seinen Briefen an seinen Bruder) von dem Orientalisten Michaelis: „Er habe sehr viel hebräisch gewußt; aber nicht gefühlt." Uebergehen wir Alles was zum Lobe dieser Sangmeister so oft gesagt worden, und suchen wir noch eine besondere Lichtseite hervor. Jedem Maler nämlich wird ein reicher Farbenstoff zur Hand gegeben, und dabei überläßt man ihm noch eine Mischung, wodurch er diese Farben ins Unendliche vervielfältigen kann. Zu jedem Gedanken, zu jeden Aufschwung seiner Seele steht ihm eine Farbe zu geböte. So auch der Dichter, dessen Mühe sich in einer lebendigen Sprache bewegt. Für jede Empfindung, die in seiner Brust auftaucht, steht ihm eme Auswahl von Worten zu Gebote. Aber wie kümmerlich steht ihm gegenüber der Dichter in einer jeglichen todten Sprache, und wie noch kümmerlicher der Dichter in! dem winzigen Nachlasse der Vätersprache! Und nun sehe man wie schöpferisch das wahre Genie istl Man bewundere obige Dichter, man erstaune was Luzzatto, was der humoristische Immanuel geleistet, mit so wenigen Materialien geleistet haben. -Freilich wäre die Ausbeute reichlicher und die Pflanze höher und ausgebreiteter, wenn sie auf reicherm Boden entsprossen. (Beschluß folgt.) Druck von I, H. Nagel.