Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1847)
- Date
- 1847-01-22
- Page
- Seite 28 (sequence 7)
- Language
- German
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28 ligionslehrer nach festgestelltem Priuzipe m\x stiefmütterlich behandelt. — Der Religionslehrer Ioudor f Ln Dietenhofen hat sich wegen der ihm allerhöchsten Orts verweigerten Matrikel zur Ansäßigmachung an Seine Majestät, unfern König in einem unmittelbaren Bittgesuch gewendet und sieht man allergnädigster Entschließung entgegen! Aus Sulzbach, Kreis Oberpfalz, wird mir so eben von glaubwürdiger Hand gemeldet, daß mehre Gemeindeglieder ihren Rabbiner Dr. Schlesinger, um Abschaffung des 2. Feiertag angegangen. Der Rabbiner erklärter er sei für die Abschaffung, könne sich aber bei der damaligen Stellung der Rabbiner nicht dafür aussprechen. Ueberhaupt soll sich dort der Geist der Neuerung gewaltig regen und von dem Rabbiner, der durch seine gründlichen Kenntnisse und seine Friedensliebe sehr beliebt und geschätzt ist, im Stillen genährt werden. Kassel, 12. Jan. Unser Rabbinat ist noch nicht besetzt und unsere Gerneinde liefert einen. Beitrag, und zwar einen sehr belehrenden und erbaulichen, zu den Folgen der langen Zögerungen in der Wahl. Wir hatten Probeprediger und Probepredigten in Menge; zuletzt hörten wir sogar eine bedeutende rabbinische Persönlichfcit — und sind doch noch immer eine Witwengemeinde, weil wir in der Wahl sehr zimperlich sind. . Fasset, einer der bedeutendsten Rabbiner unserer Zeit, hat unstreitig viele Sympathien für sich; seine Wirksamkeit ist durch diese Blätter genugsam bekannt worden; auch seine Predigten haben bei uns großen Beifall gefunden. Wir lieben aber das System der Zögerung und zögern so lange, bis wir gar nicht von der Stelle rücken. Die Gemeinde, um deren willen eigentlich der Rabbiner und die Vorsteher fungiren, hat wohl ein Recht, nach der Sachlage zu fragen und im Namen Vieler wünschen wir, daß die Oeffentlichkeit uns belehren möchte über das, was uns in dem Kreise der Gemeinde ein Geheimniß ist. Wie lange 'wollen wir noch das Zögerungssystem durchführen? Berlin, 8. Jan. In der gestrigen Versammlung der Stadtverordneten ist der Beschluß gefaßt worden, den Antrag zu formutiren: Die'Inden in alten Rechten den Christen gleichzustellen unter der Bedingung, daß die Erfüllung aller Verpflichtungen, welche das Gesetz von den Christen verlangt, auch ihnen auferlegtwerd e (Aeeeptation und Zahlung der Wechsel am Sabbat, so wie Leistung des Zeugeneides bei Kriminalfällen). Ein echt deutsches Geschenk! Nicht die Freiheit, die keine Sklaven des Gesetzes dulden kann, hat diesen Antrag eingegebeu, denn sonst würde nicht der Pferdefuß auö bet Klausel hervvrblicken. Haben Frankreich, England-, Belgien und Holland sich auf den Standpunkt des beschränkten.Liberalismus gestellt, als sie das Wort der echten Freiheit: Gleichstellung der Huden anssprachen? Eine solche Emaneipation können und dürfen die Juden nicht annehmeu, da sie einen Gewissenszwang als Kehrseite hat. Unter den hiesigen Juden wurde diese Grcßmuth der Stadtverordneten sehr lau ausgenommen und viele der angesehensten hiesigen Kanfleute, worunter der einflußreiche Seidenfabrikant M., äußerten sich in bestimmten Worten, daß sie eine Emaneipation, deren Begleiter der Gewissenszwang sei, um keinen Preis annehmen würden, da sie absolutes Recht und keine Cencessionen verlangen. $ Berlin, 12. Jan. DieV ossische und die Spencrsche Zeitung haben über das Missionswesen zurBekehruug der Juden diskntirt. Hr. Dr. Meyer hebt besonders in dem ersterir Blatte hervor, daß man das Judenthum dem Heidenthmn koordinire, indem man die Bekenner des Erstern bekehren will. Während cs sich bei der Bekehrung von Heiden um ein sittliches Element handelt, kann m Beziehung auf das Judenthum davon nicht die Rede sein. Der erste Schritt zur Gleichstellung der Juden — wird mit Recht bemerkt — sei das Aufheben der Missionsgesellschasten für die Bekehrung Israels, oder man müßte den Inden gleiche Waffen einräumen. Wir unserseits glauben, die Juden dürsten Missionen ins Leben rufen zur Bekehrung der Missionäre, da es Verblendung ist, die Anhänger des Monotheismus', des reinsten Sittengesetzes und der strengsten Moral bekehren zu wollen. Oder stehen vielleicht der Fetischanbeter und der sittliche Monotheist auf einer Stufe? Wenn man die großen Summen, die für die Missionen verwendet werden, den Armen Berlins oder den schlesischen Webern zuweisen möchte, so hätte man wenigstens Tausende von körperlichen Nebeln befreit. Das Seelenheil der Juden ist doch nicht so herzerschütternd wie die Oual der Armuth. Crefeld, den 19. Juni 1846. Gehorsamste Vorstellung des israelitischen Konsistoriums daselbst, den Religionsunterricht in den jüdischen Gemeinden betreffend. An den Königlichen Minister der Geistlichen-, Nuterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten, Herrn v. Eichhorn, Excelleuz zu Berlin. Ew. Excellenz wollen es dem gehorsamst unterfertigten israelitischen Konsistorium gestatten, dery hohe Aufmerksamkeit für einen Zustand auf dem Gebiete der Erziehung aus einen Augenblick in Anspruch zu nehmen, der in seiner jetzigen Gestalt belassen, die nachtheiligsten und verderblichsten Folgen nach sich ziehen müßte, und eine Bitte oorzutragen, deren Erfüllung den reichsten Segen über die israelitischen Jugend des hiesigen Konsistorialspreugels ausgießen dürste. In unsrem Verwaltuugskreise besindeu sich nämlich recht viele Syuagogengememden, die zwar zur Erlernung der für das Leben erforderlichen Kenntnisse und Wissenschaften ihre Kinder in die Elementarschule des Ortes schicken, die aber keineswegs für den Religionsunterricht