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Der Orient · 1847-01-22 · Heft 4 (22.1.1847) · p. Seite 27

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 4 (22.1.1847)
Date
1847-01-22
Page
Seite 27 (sequence 5)
Language
German
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27 k- I I i I des Werts uub nicht,:er That, eine besonders tobende Anerkcmmng verdient, die Nachricht nämlich von der Einweihung eines neuen, im großartigen Style erbautem israelitischen Kranken- und Armenversorgungshauses in Fürth. Nachdem nämlich schon i. I. 1832 der Bankier Hr. Herrmann Königswart er daselbst durch ein Geschenk von 3000 ft. den ersten Impuls hierzu gegeben und durch anderweitige Spenden cut Fond von 16,000 fl. aufgebracht war, wurde. auS Gemeindemitteln noch die Summe von 12,000 st. bcigeschosserr, und die Anstalt wurde am 1. Novbr. auf eine feierliche Weise eingeweiht. Die Einzelheiten sind die gewöhnlichen und hat jedoch namentlich der Einzug in das Haus, an der Spitze der Rabbiner Hr. Dr. Löwi mit einer geschmückten Tora im Arme, einen ergreifenden Eindruck geübt. — Die Anstalt, an welcher zwei Aerzte jüdischen Glaubens, die HH.DD. Mack und Weichselbaum angcstellt sind, hat einen jährlichen E.ristenz- Etat von 5,500, welcher durch Gcmeindemittel aufzubringen ist, jedcch wurden am genannten Tage sogleich reiche Dotinn'gen von mehrern Wohlthatern gemacht und von dem längst bekannten Wohlthätigkettssinn der Further läßt sich erwarten, daß diese und andere jüdische Anstalten sich reicher Unterstützungen zu erfreuen haben werden. — Zum Verwalter der Anstalt wurde der Lehrer Hr. Reis aus Hagenbach erwählt und soll der Gemeinde-Vorstand mit Bedacht, trotz erhobener Einsprachen, einen Nicht-Fürther vorgezegen haben. Hr. Reis hat in bester Form seiner Gemeinde ein öffentliches Lebewohl gesagt und diese ihm als Gegen-Kompliment einen Nachruf in die Zeitungen setzen lassen, ganz wie es dermalen auch bei christlichen Landgemeinden gäng und gäbe ist. Wir bilden uns gewaltiglich fort. — In Welb hausen, Landgerichts Uffenheim, fand am 22. v. M. die in meinem vorigen Berichte in Aussicht gestellte Wahl eines Rabbiners statt, und fiel mit 78 Stimmen aus den Kandidaten Hrn. E. Wein mann aus Treuchtlingen. Der frühere Ersatzmann Hr. H. aus SD. kennte diesmal nur 55 Stimmen erringen und Hr. F. nur 2, die aber, nachdem der Wahlkommissar den Erlaß des hohen Ministeriums, wonach derselbe wegen früherer Wahlbcstechnngcn nicht wählbar sei, verlesen hatte, wieder zurückgenommen wurden. Hr. Weinmann, auch den Lesern des „Orients" durch seinen gelehrten Aufsatz „über den Traum der Hebräer" bekannt, gehört tdem Vernehmen nach jener Richtung an, welche ausrichtig den Fortschritt im historisch-positiven Judenthum will und dürfen sich die Gemeinden und unser Kreis zu dieser Wabl gratnlircn. Emen traurigen Beleg unsrer kirchlichen Zerrissenheit gicbt die Auflösungdes Rabbinats G u n z c n h a u se n. Dieses bildeten bisher die vier Gemeinden Günzenhausen, Altcrmmhr, Cronheim und Weimersheim. Als nun der dortige Rabbiner Böheim im vorigen Jahre gestorben! war, sprach man sogleich vom Anschtießen an ein anderes Rabbinat. Dieses ,,Anschließend ist jetzt das Stichwort unfern Gemeinden; nur eine derselben hatte einen gewissen übersrommen Kandidaten in petto und sprach sich daher bedingt für Aufrcchthaltnng des Rabbiuatsverbandcs aus. Da aber dieser wobh und in Felge vierwöchentlicher Bereisung des desfattsigen Rabbinats eine Anstellung außer nnscrm Kreis wahrscheinlich erhalten wird, so war auch diese Gemeinde für den Anschluß und alsbald zerstreuten sich die Gemeinden nach den vier Flügeln der Erde. Man hatte hierbei „alte Männer" im Auge, vergessend, daß auch die jungen Rabbiner alt werden und die alten bald durch junge ersetzt werden können. Die kon. Regierung ging ohne Anstand auf dies Gesuch ein und interpretirte den §. 24*) des Edikts v. 10. Juni 1813 über die Verhältnisse der Israeliten dahin, da derselbe die Anstellung eines eigenen Rabbiners gestattet, so müsse es auch erlaubt sein, von dieser Erlaubniß keinen Gebrauch zu machen. In der That eine eigene Interpretation, die unser ganzes Rabbinen- und Schulwesen in Frage stellt. Die Sache ist noch nicht definitiv geordnet und werde ich im nächsten Monatsbericht hierüber das Weitere berichten können. In unserer Kreishauptstadt Ansbach besteht noch aus alter Zeit eine sogenannte Landjudenschasts- und Stiftungskasse, zu welcher unsre Gemeinden mit beträchtlichen Summen zu konknrrircn haben. Gegen dies und gegen die Verwaltnngsart, die jedoch in ganz gesetzlicher Form besteht, wellen nun mehre Gemeinden einen Kampf auf Leben und Tod erheben, und wer unsre Landgemeinden kennt, der weiß, wie willkommen eine solche Aussicht manchem ist. — Von den 15,000 fl., welche unser König jedem Kreis zur Unterstützung der Schullehrer zugcwiesen hat, erhalten die israel. deutschen Lehrer ihren gebührenden Aiithcii, so wie sie alljährlich momentane Unterstützungen aus Kreismitteln und diejenigen, welche Vorbereittrugs-- lehrer sind, so wie die Schullehrtinge selbst, eineRermmcration und beziehungsweise eine Unterstützung aus den desfalls angewiesenen Kreisfends erhalten, was auch im Jntelligenzblatt bekannt gemacht wird. Nur ist zu beklagen , daß die armen Religionslehrer hierbei nicht bedacht werden, und wenn sich die israelitischen deutschen Lehrer als isr. Lehrer gar nicht gegen die kön, Regierung zu beklagen haben, so werden dagegen jene Re- *) Der erwähnte §. lautet r Wo die Zuden in einem gewissen , mit der Territorial-Eintheiung des Reiches übereinstimmenden Bezirke, in einer Zahl von wenigstens 50 Familien wohnen, ist ihnen gestattet, eine eigene kirchliche Gemeinde zu bilden und an einem Ort, wo eine Polizeibehörde besteht, eine Synagoge, einen Rabbiner und eine eigene Begräbnrßstätte zu haben. 4

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